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16.10.2013 | Journalismus | Interview | Onlineartikel

Deutsche Journalisten entdecken Twitter

Autor:
Andrea Amerland

Wie nutzen Journalisten Soziale Medien? Dieser Frage geht das Cision Social Journalism-Barometer 2013 nach. Springer für Professionals sprach mit Falk Rehkopf von Cision Germany über die ersten Ergebnisse der Studie.

Springer für Professionals: Deutsche Journalisten bilden in Ihrem Ranking nach Ländern wie Australien, Finnland und Frankreich das Schlusslicht. Mal wieder. Das war auch im Vorjahr so. Hat die Medienkrise in Deutschland auch etwas mit den Social Media-Muffeln im Journalismus zu tun?

Falk Rehkopf: Das kann man so nicht für alle deutschen Journalisten pauschalisieren. In der Tat findet sich in Deutschland eine beträchtliche Anzahl an "Skeptikern". Allerdings gibt es ebenso eine nicht zu verachtende Anzahl an "Architekten", die Sozialen Medien gegenüber offen sind und diese auch im Arbeitsalltag einsetzen. Diese gegensätzliche Ausprägung in der Segmentierung von Journalisten ist wohl in Deutschland, im Vergleich zu allen anderen Ländern in unserer Studie, am ausgeprägtesten.

Für Finnland, Frankreich und Deutschland – also die Länder, die am schlechtesten abschnitten, – zeigen die Studienergebnisse auch keinen statistisch signifikanten Unterschied, was das Verhältnis der meisten Indikatoren zueinander angeht. Im Gegensatz zu Deutschland haben jedoch Frankreich und Finnland in zumindest einem Bereich wesentlich höhere Werte gezeigt – und das ist auch der Grund, warum Deutschland auf dem letzten Platz gelandet ist: Finnland hat eine stärkere Performance in zwei Bereichen gezeigt und Frankreich landete in Bezug auf die Aktivitätslevel unter den ersten vier im Ranking (Nutzung von Sozialen Medien in der Arbeit).

Zudem gibt es meiner Meinung nach auch kulturelle Aspekte, die hier von Bedeutung sind, gerade wenn es um die Haltung von Journalisten zum Thema Technologiewandel geht. Zudem spielt auch die generell niedrigere Nutzung Sozialer Medien durch Verbraucher in den untersuchten Ländern eine Rolle. Wir haben in diesem Jahr insgesamt 11 Länder untersucht und genau diese Länder gehören weltweit zu den führenden Ländern bei der Infrastruktur von Sozialen Medien. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Österreich, Italien oder Russland wäre Deutschland sicherlich nicht auf dem letzten Platz.

Was ist für Deutschland besonders augenfällig bzw. welches Ergebnis hat Sie am meisten überrascht?

Überrascht hat mich in der Tat das substantielle Wachstum in Bezug auf die Nutzung von Mikroblogs (Twitter) in den letzten 12 Monaten – von 46 % im Jahr 2012 auf 59 % in diesem Jahr (29 % im Jahr 2011). Das ist ein wirklich signifikanter Anstieg.

Wenn man die Ergebnisse des Cision Social Media-Brarometers 2013 sieht, drängt sich eine Frage ganz besonders auf: Warum hat ausgerechnet Kanada bei der weltweiten Social Media-Nutzung unter Journalisten die Nase vorn?

Einer der wesentlichen Gründe ist die Altersstruktur kanadischer Journalisten. Zudem gibt es auch eine größere Anzahl von Online-Journalisten im Vergleich zu anderen Ländern wie etwa Deutschland, aber auch im Vergleich zu den USA. So liegen dann kanadische Journalisten auch in diesem Jahr wieder in unserem Ranking vorn. Aber es gab eine beachtenswerte negative Veränderung: die Haltung der kanadischen Journalisten gegenüber Sozialen Medien wandelt sich. Das liegt im Wesentlichen wohl daran, dass die dortigen Journalisten Soziale Medien frühzeitig und schnell in ihren Arbeitsalltag integriert haben. Anscheinend gehen die kanadischen Journalisten in die nächste Phase der Anpassung und Integration von Social Networks. Die Mehrzahl der Journalisten sind sich jetzt bewusst, welchen Einfluß die Nutzung dieser Tools für den Berufsstand und für ihre Berufspraktiken haben. Damit geht ein besseres Verständnis der möglichen negativen wie positiven Folgen einher. Im Ergebnis zeigt sich das in einer weniger positiven Einschätzung und Haltung gegenüber Sozialen Medien in den USA, aber auch in Kanada.

Wichtig dabei ist jedoch, dass die Social-Media-Nutzung insgesamt in Kanada höher ist, diese dort also auch durch Verbraucher und Andere im internationalen Vergleich mehr benutzt werden. 

Eckdaten Cision Social Media-Barometer 2013:
Die Studie fusst auf mehr als 3.000 beantworteten Umfragen, die im Sommer 2013 in insgesamt elf Ländern durchgeführt worden sind. Cision und die Canterbury Christ Church University haben dazu einen Fragebogen mit 56 Teilfragen rund um Soziale Medien, Journalismus und Methoden der Kommunikation ausgewertet.

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