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06.02.2014 | Journalismus | Im Fokus | Onlineartikel

PR-Angriff auf Wikipedia

Autor:
Andrea Amerland

Eines der weltweit meistgeklickten Informations-Portale ist PR-verseucht. Und Wikipedia kann mit den eigenen Strukturen nichts dagegen tun. Nur die Empörung verwundert. Ein Kommentar.

Es ist schon eine Ironie der Schicksals, dass ausgerechnet jetzt, da die seriöse wissenschaftliche Enzyklopädie Brockhaus ihr Buchhandelsgeschäft ab dem 1. Februar eingestellt hat, die Öffentlichkeit empört auf Wikipedia blickt. Auf dem kollaborativen Portal mit einem für Außenstehende schwer durchschaubaren Review-Prinzip durch die eigene Autoren-Community hat eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung plötzlich eine wahre PR-Invasion nachgewiesen. Plötzlich? Wussten wir – Pressesprecher wie Journalisten – das nicht schon längst? Wussten wir nicht schon lange, das journalistische Recherche via Wikipedia nicht fundiert ist, von der Zitierfähigkeit ganz zu schweigen?

Eine Wikipedia-Studie bestätigt, was alle wussten

Doch was steht nun eigentlich genau in der Studie "Verdeckte PR in Wikipedia – das Weltwissen im Visier von Unternehmen", die alle so aufschreien lässt? Marvin Oppong, Journalist und Dozent, weist an konkreten Beispielen nach, wie Unternehmen oder Politiker Wikipedia-Inhalte beeinflussen bzw. wie PR-Leute die Enzyklopädie für ihre Zwecke geschickt missbrauchen, etwa Daimler, RWE oder MAN.

Neu ist vielmehr die Erkenntnis, dass einer kleinen Schar von Wikipedia-Enthusiasten, die ordentlich an dem Portal arbeiten wollen eine große PR-Macht gegenüber steht, die sich auf Wikipedia spezialisiert hat und schlimmstenfalls das Ende für das Projekt bedeuten könnte. Das ARD-Magazin "Monitor“ beschwört angesichts der Manipulationen sogar ein Problem für die Demokratie. Stimmt, denn aktuellen Studien zufolge vertrauen junge Menschen dem Online-Lexikon genauso wie den gedruckten Standardwerken der Lexikographie. Das ist fatal.

Neue Regeln für den Wikipedia-Schwarm

So oder so muss die Online-Enzyklopädie ihre Regeln und Verfahren, wie sie in dem Beitrag "Case Study: Integrity of Wikipedia Articles“ beschrieben und analysiert werden, auf den Prüfstand stellen und optimieren. Ob Aktionen wie im Herbst 2013, als 250 PR-Wikipedia-Accounts in England gesperrt wurden, ausreichen, ist fraglich. Denn unmittelbar danach geisterten völlig ungeniert Anleitungen durchs Netz, die erklärten, wie PR auf Wikipedia trotzdem gelingen könne.

Die Autorin:

Andrea Amerland verantwortet seit März 2012 als Portalmanagerin den Bereich PR & Medien auf "Springer für Professionals" und ist Chefin vom Dienst. Zuvor war sie als Online-Redakteurin bei SWR.de und ARD.de sowie in der Unternehmenskommunikation tätig.

Profile im Web:

Blog:http://textknowhow.wordpress.com/
Google+:google.com/+AndreaAmerland
Twitter:https://twitter.com/amerlanda + https://twitter.com/GablerMarketing

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