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09.07.2013 | Journalismus | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Comics und Kätzchen digitale Wähler mobilisieren

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Was hat die britische Comedy-Webseite 9Gag.com mit der deutschen Piratenpartei zu tun? Beide versorgen die virtuelle Welt mit so genannten "Memes", Bildinhalten zum Teilen und kommentieren. Als Spaß oder Wahlkampfwaffe.

"Wir werden unsere Gegner mit Comics angreifen", sagte der neue Wahlkampfkoordinator der Piraten, Salomon Reyes, Anfang Juli im Interview mit dem Handelsblatt. Gerade hat die Partei ihre Kampagne gestartet und mobilisiert ihre Wähler nun auf dem Spielplatz der Sozialen Netzwerke, mit Social-Media-Motiven "Zum Teilen mit Freunden und Familie“, heißt es auf der Plattform, von der aus täglich neue Bild-Text-Inhalte mit satirischem Anspruch ins Netz gestreut werden. Wirstellendasmalinfrage.tumblr.com ist auf den ersten Blick ein blogähnlich gestaltetes Fotoalbum. Das gute alte Wahlplakat hat eine neue Form und einen neuen Namen bekommen.

Einstellen ja, aber teilen nein-danke?

Es geht um die Zielgruppe der 18- bis 39-Jährigen, die Macht der Bilder und die Leidenschaft des Teilens. Eine Comedy-Website ist Vorbild und wird auf Politik getrimmt. Rund 20 Millionen Fotos stellen die Deutschen täglich ins Netz, dies zeigte jüngst das Ergebnis einer OnPoll-Studie im Auftrag von Samsung Electronics unter 3.000 Hobbyfotografen europaweit. Jeder fünfte Deutsche teilt gerne Bilder, Artikel und Videos, ergibt die aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos. Im europaweiten Vergleich reicht das allerdings nur für den letzten Platz, womit der deutsche Netzwerker zunächst einmal als träge abgestempelt ist. Was also macht den Reiz des Bildes im Wahlkampf aus?

Bilder wirken wirklich und wahrhaftig

Bilder werden unmittelbar rezipiert, weil sie dem Betrachter Objektivität, Wirklichkeit und Wahrheit suggerieren, schreiben Rahel Walser und Klaus Neumann-Braun in dem Buch "Medienwelten im Wandel". "Betrachtet man ein Foto, fühlt man sich gleich in ein Geschehen involviert. Diese emotionale Wirkung nimmt mit dem Grad der Ikonizität zu.“ Christoph Bieber und Markus Lewitzki rechnen in dem Buch "Die Piratenpartei" nicht die 2,0 Prozent an der Urne im Wahljahr 2009 zu den Achtungserfolgen der Piraten, sondern deren "nachhaltige Mitgliederbildung durch spielerische Unprofessionalität und Offenheit“. Dies habe besonders bei denjenigen, die sich im Netz auskennen und den Bedingungen folgen konnten einen "starken Beteiligungsimpuls ausgelöst“. Erst Emotion, dann Kommunikation, Mitmachen und darüber reden lassen sind die Schlüsselmotivationen im Konzept der "digital natives“. Walser und Neumann-Braun bezeichnen die Anschlusskommunikation über Bildersammlungen als "Generator der Sinnerzeugung“.

Bei den Piraten sieht das im Web so aus: Verschämt schaut ein Kätzchen zur Seite oder zeigt ein World-of-Warcraft-Held seine Zähne - die Sprüche dazu sind politisches Programm rund um Edward-Snowden und den Prism-Skandal.

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