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27.05.2016 | Journalismus | Im Fokus | Onlineartikel

Wie transparent kann Journalismus sein

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
2:30 Min. Lesedauer

Das Bild der gläsernen Wissenschaft steht als Synonym für den freien Zugang zu Forschungserkenntnissen. Damit sichert sich die Forschung das Vertrauen der Öffentlichkeit. Der Journalismus könnte davon lernen. 

Gäbe es ein Buzzword-Bingo für den Journalismus, es wäre gefüllt mit negativen Attributen. Solche Vorverurteilungen wie recherchefaul, kritikrestistent und schlampig kann sich der permanent in der Krise steckende Journalismus aus mehreren Gründen nicht leisten. So zählt beispielsweise eine Zeitung zu den Vertrauensgütern. Der Leser kauft kauft quasi mit jeder Ausgabe die Katze im Sack.

Alternativen bietet das Internet mit seinen kostenfreien Nachrichtenangeboten und hyperlokalen Magazinen. Schließlich noch erschweren die Lügenpresse-Brüller den journalistischen Auftrag, indem sie ihm latenten Rechtfertigungszwang aufnötigen.  

Empfehlung der Redaktion

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Inhaltliche Ansätze zur Verbesserung der redaktionellen Qualitätstransparenz

In diesem Kapitel geht es um die Frage, wo die Redaktionen inhaltlich ansetzen können, um die redaktionelle Qualitätstransparenz zu verbessern – der Blick verengt sich auf den Bereich der Qualitätssicherung. Bis in die 60er und 70er Jahre des 20. Jah


Behaupten heißt auch begründen

Der Journalismus muss transparenter werden, Daten als Rohmaterial zur Verfügung stellen, Recherchewege aufzeigen und dem Publikum redaktionelle Vorgänge verständlich machen. Dies ist der Ruf, dem renommierte Publikationen folgen. "Zeit Wissen" und "Zeit" etwa machen den Rechercheaufwand in Infokästen nachvollziehbar und der britische "Guardian" stellt auf Datablog seine Rohdaten zur Verfügung.

Dies sind nur einige Beispiele für einen Trend, der den Journalismus in die Nähe der Wissenschaftskommunikation rückt. Für die gilt: Jede Behauptung muss nachvollziehbar begründet und belegt werden. Dabei geht es weniger um eine vorauseilende selbstreferenzielle Befreiung von Kritik und Vorwürfen, sondern um die Wahrung von berufsethischen Prinzipien. Der transparenten Redaktion sind allerdings auch Grenzen gesetzt.

Transparenzkommunikation als Qualitätsstrategie

Transparenz ist für Springer-Autorin Astrid Funck eine Qualitätsstrategie, mit der Verlage das öffentliche Bewusstsein für die Funktion des Journalismus schärfen. Transparenzbemühungen, so beschreibt sie im einleitenden Kapitel ihrer Forschungsarbeit "Die transparente Redaktion", können sich entweder auf die Inhaltsebene oder auf die Vermittlungsebene beziehen. Für beide Ebenen macht die Autorin Verbesserungsvorschläge (Seite 23): 

Transparenz auf der InhaltsebeneTransparenz auf der Vermittlungsebene
  • Journalisten nennen ihre Quellen.
  • Im Internet werden Links zu Originaldokumenten bereit gestellt.
  • Berichterstattungsfehler und deren Korrekturen werden sichtbar gemacht.

Redaktionen legen offen 

  • wie sie arbeiten
  • wie sie die Qualität ihrer Print- und Onlineprodukte sicherstellen
  • wie sie die Qualität ihrer Print- und Onlineprodukte verbessern

Bei aller Transparenz ist aber auch Vorsicht geboten, wenn dadurch Richtlinien wie der Informantenschutz verletzt werden und zuviel Offenheit dem Wettbewerb auf die Sprünge hilft. Redaktionen, so rät die Autorin müssen sich der Grenzen und Risiken der Transparenzkommunikation bewusst sein und dementsprechend eine Auswahl und Ausgrenzung von Inhalten nach innen und außen verantworten. "Transparenz auf der Vermittlungsebene und Unabhängigkeit können sich also durchaus entgegenstehen. Die Redaktion muss deshalb jeweils abwägen, welche Bereiche des Redaktionsgeschehens sie wie nach außen kehren kann, ohne ihre Autonomie zu gefährden." (Seite 250).

Redaktionelle Transparenzkommunikation ist nicht durchführbar wenn (Seite 247):

  • der Informantenschutz gefährdet ist. Journalisten dürfen dann ihre Recherchewege nicht uneingeschränkt sichtbar machen.
  • Redakteure (unter anderem aus Sicherheitsgründen) bei ihrer Arbeit nicht porträtiert oder als "öffentliche Person" präsentiert werden wollen.
  • die Redaktion in ihrer Arbeit beeinträchtigt oder blockiert wird.
  • die Wettbewerbsfähigkeit des Verlages eingeschränkt wird.
  • die Qualität der investigativen Berichterstattung leidet.
  • die Autonomie redaktioneller Entscheidungen eingeschränkt wird.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Thema und Aufbau der Arbeit

Quelle:
Die transparente Redaktion

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Ausgrenzung und Auswahl von Inhalten

Quelle:
Die transparente Redaktion

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