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Über dieses Buch

Jugend, Familie und Generationen sind durch einen fortschreitenden sozialen Wandel in allen Lebensbereichen charakterisiert. Eine Gesamtgestalt der vielgestaltigen Entwicklungen herauszuarbeiten, scheint kaum noch möglich. Im Zentrum des vorliegenden Bands steht daher die Erarbeitung von erziehungswissenschaftlichen Facetten. Die beteiligten Autorinnen und Autoren nehmen sich mit theoretisch-konzeptionellen Überlegungen und aktuellen Forschungsprojekten den Veränderungen (spät-)moderner Jugendwelten mitsamt den hierdurch hervortretenden wissenschaftlichen Herausforderungen an, diskutieren unterschiedliche Teilaspekte der Jugendforschung, reflektieren Konturen der Familienerziehung und setzen Stichworte um Generationenbeziehungen und -verhältnisse auf die Agenda. Die zusammengetragenen Befunde gleichen dabei dem Sehen mit einem Facettenauge, das – bestehend aus zahlreichen einzelnen Linsen – bei gleichbleibender Größe ein erstaunliches Gesamtbild zum Wandel von Jugend, Familie und Generationen liefert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Jugend im Umbruch – Herausforderungen der Jugendforschung

Frontmatter

Aspekte der Jugendforschung

Zusammenfassung
Jugend – „ein schillerndes Wort“ und „gehaltvoller Begriff“ zugleich. Mit beiden Bedeutungsdimensionen ihres Gegenstandes sieht sich die Jugendforschung bereits zu den Anfängen ihrer Entstehung am Beginn des 20. Jahrhunderts konfrontiert. Schon zu jener Zeit ist ihr Ausbau motiviert gewesen vom gesellschaftliche Interesse an der Jugend, der Faszination an ihr, war sie doch das „Indiz für Modernisierung“ und Rationalisierung der Gesellschaft, aber auch einer Sorge um diese im Zwischenraum von Kindheit und Erwachsenenleben stehende Lebensphase angesichts zunehmend ‚widriger‘ werdenden Aufwachsensbedingungen.
Alena Berg, Anja Schierbaum, Thorsten Fuchs

Jugendforschung in Deutschland – aktuelle Bilanz und zukünftige Perspektiven

Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden zunächst die aktuellen personellen und finanziellen Rahmenbedingungen der Jugendforschung beschrieben und zukünftige institutionelle Herausforderungen diskutiert. Anschließend werden zentrale theoretische Diskurslinien, methodische Entwicklungen und inhaltliche Arbeitsschwerpunkte in der gegenwärtigen Jugendforschung skizziert und davon ausgehend jeweils weiterführende Perspektiven abgesteckt.
Heinz-Hermann Krüger

Jugendbiographische Herausforderungen in der späten Moderne

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag greift die biographischen Herausforderungen in der Adoleszenz auf und diskutiert deren Bedeutung in der späten Moderne. Ausgehend von einer Skizze spätmoderner Lebensverhältnisse und wie diese das Jugendalter beeinflussen, wird das Konzept der Entwicklungsaufgaben zur Beschreibung jugendlicher Entwicklung auf die sich verändernden sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen hin befragt und herausgearbeitet, wie sich jugendbiographische Herausforderungen an eine spätmoderne Jugend in widersprüchlichen Zeiten des Aufwachsens verändern. Auch wenn die Orientierung am ‚normalbiographischen‘ Lebensverlauf im Zuge des gesellschaftlichen Individualisierungs- und Transformationsprozesses obsolet zu werden scheint, sind kulturelle Normen und Entwicklungsanforderungen vorgegeben, die mehr oder weniger Gestaltungsspielräume für biographische Entwicklung lassen. Sie bilden eine Art Landkarte, anhand derer sich Heranwachsende auf dem Weg durch die Jugendbiographie orientieren.
Anja Schierbaum, Tobias Franzheld

Ein vergessenes Thema bildungshistorischer Forschung: Mädchen im Bürgertum

Zusammenfassung
Historische Erziehungs- und Sozialisationsprozesse sind bislang nur geringfügig erforscht worden, bergen sie doch ein veritables Quellenproblem. So sagen Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend im deutschen Kaiserreich, welche nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland niedergeschrieben wurden, nur wenig über die verbrachte Kindheit und Jugend aus, aber viel über deren spätere autobiographische Einordnung und Bewertung. Dagegen lassen sich aus zeitgenössischen Briefen Zugänge entwickeln, die zu den Weltdeutungen, Selbstpräsentationen und Handlungsorientierungen der Schreiberinnen und Schreiber führen, welche diese in einer historischen Lebenswelt ihren Briefpartnerinnen und -partnern präsentieren wollten. Besonders gering ist bislang das bildungshistorische Wissen über den Prozess des Aufwachsens von Mädchen. In dem Beitrag werden einige Fallbeispiele der Erziehung und Sozialisation bürgerlicher Mädchen zwischen der Jahrhundertmitte und den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts anhand historischer Briefe rekonstruiert. Dabei kommen Eltern-Kind-Beziehungen, Geschlechterkonzepte und die Selbstpräsentationen junger Mädchen gegenüber Eltern, Geschwistern und Freunden zur Sprache.
Carola Groppe

Zwischen Technik-Avantgarde und gesellschaftskritischer Subkultur – die jugendkulturellen Szenen der Nerds

Zusammenfassung
Trotz der gestiegenen Aufmerksamkeit für digitale und medienaffine Jugendszenen ist die Jugendkultur der Nerds bislang wenig ins Blickfeld der Jugendforschung geraten. Es fehlen einschlägige theoretische sozialwissenschaftliche Analysen und explizite empirische Studien der Jugendkulturforschung zum Thema. Der vorliegende Beitrag setzt an diesem theoretischen und empirischen Desiderat an und versucht, die Jugendkultur der Nerds als bedeutsame Szene für Jugendliche im Zeitalter der digitalisierten Moderne herauszuarbeiten. Im Ergebnis entsteht eine erste topographische Skizze zur Nerd-Jugendkultur, die sowohl auf die Ausdifferenzierung und Pluralisierung von jugendkulturellen Szenen als auch auf die Ambivalenz und Entwicklungsdimension jugendkultureller Phänomene aufmerksam macht.
Lea Puchert, Hans-Jürgen von Wensierski

Sexualisierte Gewalt Peer-to-Peer – Reflexionen über die Bedeutung der Peers aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive

Zusammenfassung
Auf der Basis von Ergebnissen der repräsentativen Speak!-Studien zu den Erfahrungen sexualisierter Gewalt Jugendlicher – die im Besonderen geprägt sind von sexualisierter Peer-to-Peer-Gewalt – folgt der Beitrag der Frage, ob das in der Jugendforschung seit mehreren Jahrzehnten vorherrschende Paradigma der Peersozialisation als ein überwiegend positiver Entwicklungs- und Sozialisationsfaktor heute noch in dieser Weise haltbar ist. Angelehnt an den von Jürgen Zinnecker im Jahre 2000 eingebrachten Zusammenhang von Selbstsozialisation als Peersozialisation wird der zunehmende Rückzug erwachsener pädagogischer Akteure – im Zuge der Entpädagogisierung – aus Erziehungs- und Sozialisationsprozessen diskutiert. Ein Drei-Säulen-Modell (SePP), das abschließend vorgestellt wird, zielt mit seinem partizipativen Ansatzpunkt sowohl auf Prävention sexualisierter Gewalt als auch auf eine pädagogische (Wechsel-)Wirkung des Austauschs von erwachsenen und jugendlichen Akteuren.
Sabine Maschke

Biographisches Lernen (Jugendlicher) – Zum Konzept biographischen Lernens in der Erziehungswissenschaft und seiner empirisch gestützten Erweiterung

Zusammenfassung
Ausgehend von der theoretischen Betrachtung des Lernens Jugendlicher in Zeiten von Anrufungen an das Selbst zur Optimierung, wird sich im Beitrag für einen Lernbegriff aus biographietheoretischer Perspektive ausgesprochen, der für eine bildungsbezogene Jugendforschung mit empirischem Gewinn verbunden sein kann. Dazu werden Ansätze der erziehungswissenschaftlichen Biographieforschung aufgegriffen und zu einem Forschungskonzept biographischen Lernens zusammengeführt. Dieser theoretischen Auseinandersetzung folgt die Darstellung empirischer Ergebnisse: es werden verschiedene Formen biographischer Lernprozesse am Forschungsmaterial konturiert und in einem Modell abgebildet.
Alena Berg

Biographische Bildungsprozesse erforschen, die „eigenen Spielregeln der ‚Objektivität‘“ befragen. Reflexionen anhand des narrativen Interviews mit „Paulina“

Zusammenfassung
Ausgehend von der Diagnose eines im Feld der Wissenschaften nicht untypischen Mangels an Bemühungen zur Überwindung etablierter Denkstile wird mit dem Beitrag das Anliegen des eigenen Andersdenkens verfolgt und damit der Versuch unternommen, sich selbst einem transformatorischen Bildungsprozess auszusetzen. Dies geschieht, indem die lebensgeschichtliche Erzählung einer 17-jährigen Gymnasiastin namens „Paulina“ nicht bereits bestehenden Betrachtungen folgend zur Interpretation kommt, sondern ‚gegenwendig‘ zu ehemals als gerechtfertigt erschienenen Überlegungen, wenn darauf die Frage nach Bildungsprozessen appliziert wird. Über die kritische Auseinandersetzung mit der Normativität bildungstheoretisch orientierter Biographieforschung und eine Problematisierung des Versuchs, biographische Bildungsprozesse als eindeutig ge- bzw. misslungen zu identifizieren, erfolgt in der Relektüre der lebensgeschichtlichen Erzählung nicht nur eine Revision der früheren Interpretation. Es werden zugleich Überlegungen für eine normativitätssensibel prononcierte Biographieforschung entwickelt, mit der über die Dekonstruktion normativer Implikationen die jeweilige Konstruktion der Forschung reflektiert und gegen Totalisierungen des Gedachten gearbeitet wird.
Thorsten Fuchs

„Erzähl bitte mal ganz genau, wie da eins zum anderen gekommen ist“ – Potenziale und Grenzen narrativer Gesprächstechniken in Beratungssituationen der Radikalisierungsprävention

Zusammenfassung
Im Beitrag werden Potenziale und Grenzen des Einbezugs von narrativen Gesprächstechniken in Beratungssituationen der Radikalisierungsprävention diskutiert. Dabei wird ausgelotet, inwiefern narrative Fragestellungen und die Stimuli, mit denen in solchen Beratungsgesprächen gearbeitet wird, es ermöglichen, Fälle von Radikalisierung zu verstehen und so einzuschätzen, dass darauf abgestimmte pädagogische Maßnahmen getroffen werden können. Insbesondere wird hierbei skizziert, inwieweit der Transfer von Wissen um spezifische Haltungen der interviewenden Person im Kontext der Durchführung narrativer Interviews für Beratungssituationen der Radikalisierungsprävention nutzbringend sein kann.
Stefan E. Hößl

Familie im Wandel – Über Erziehung und Erziehungserfahrungen

Frontmatter

Konturen der Familienerziehung

Zusammenfassung
Von der anfänglichen Fürsorge nach der Geburt von Kindern bis zur Verselbstständigung der jungen Heranwachsenden erweist sich die Familie als eine höchst ambivalente Institution, die in der übrigen Gesellschaft keine Entsprechung findet. Sie ist „der Ort der emotionalen Unterstützung und der persönlichen Beratung“, schafft Stabilität und Orientierung, bietet Erfahrungsräume für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen und ermöglicht die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Zugleich ist mit ihr aber auch eine bedeutsame Risikoquelle für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen benannt.
Anja Schierbaum, Thorsten Fuchs, Alena Berg

Familienerziehung in der Spätmoderne

Die Erziehung des Beratens
Zusammenfassung
Im Rahmen aktueller soziologischer Gegenwartsdiagnosen lassen sich zahlreiche soziale Bedingungen identifizieren, denen Individuen ausgesetzt sind und die diese gegenwärtig zu meistern haben. Prozesse der Individualisierung, Flexibilisierung und Optimierung können dabei als Anforderungen beschrieben werden, die insbesondere im Hinblick auf spätmoderne Subjektivierungsweisen diskutiert werden. Anhand der von Ecarius et al. vertretenen These des Erziehungsmusters einer „Erziehung des Beratens“ und der Vorstellung ihrer Studie Spätmoderne JugendErziehung des BeratensWohlbefinden soll hier der Frage nachgegangen werden, inwiefern die Vorstellungen der Lebensphase Jugend, von Familie und Familienerziehung – und damit auch von sozialen Gemeinschaften und Praktiken – in einen Zusammenhang zu aktuellen sozialen Bedingungen und Subjektanrufungen gebracht werden können.
Ronnie Oliveras, Jan Frederik Bossek

Familienzeit als „Inszenierung“? Perspektiven Jugendlicher und ihrer Eltern auf den konjunktiven Erfahrungsraum der Familie

Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag nimmt Perspektiven Jugendlicher und ihrer Eltern auf die gemeinsam als Familie verbrachte Zeit in den Blick. Im Mittelpunkt stehen Interviewpassagen, in denen die innerfamilialen Beziehungen sowie die gemeinsam als Familie verbrachte Zeit thematisiert werden. In Anlehnung an die praxeologische Forschungsperspektive des „doing family“ wird die Herstellungsleistung der eigenen Familie fokussiert. Rekonstruiert werden im Rahmen eines subjektorientierten Forschungsansatzes exemplarische Interviewauszüge anhand der dokumentarischen Methode. Durch die Rekonstruktionen lässt sich zeigen, dass grundlegende Orientierungen mit dem Erfahrungsraum Familie eng verbunden sind und zugleich die eigene Perspektive auf die Beziehungen in Familie sowie die gemeinsam verbrachte Zeit als Familie prägen.
Michael Hermes

Verletzlichkeit als Teil von Familie

Perspektiven der erziehungswissenschaftlichen Familienforschung auf Familien in Armutslagen
Zusammenfassung
Der vorliegende Beitrag stellt die Frage nach sozialer Verletzlichkeit von Familie als System und einzelner Familienmitglieder aufgrund ihrer sozialen Position. Familien in Armutslagen bilden eine Art Brennglas, um die Verletzlichkeit empirisch herausarbeiten zu können. Dies wird auf der Basis einer Untersuchung zu Familien in Armutslagen (vgl. Andresen und Galic, Kinder. Armut. Familie. Alltagsbewältigung und Wege wirksamer Unterstützung, Bertelsmann, Gütersloh, 2015) vorgenommen. Eingeleitet wird der Beitrag mit der Frage nach einer unvermeidlichen Verletzlichkeit, die aber durch soziale Bedingungen verschärft werden kann. Daran anschließend werden nach einer Einführung in die konzeptionelle und methodische Anlage der Studie ausgewählte Schlüsselthemen von Eltern in Armutslagen vorgestellt und diskutiert. Ausgewählt wurde der Blick auf die Persönlichkeit des Kindes, die Sorge um emotionale Belastungen und die Frage nach den Bedürfnissen des Kindes und wie diese erfüllt werden können.
Sabine Andresen

Familienerziehung im ländlichen Raum – Das Beispiel der Familie Tanner

Zusammenfassung
Ausgehend von der Feststellung, dass im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs über Elternschaft vor allem das hohe Ausmaß an Belastungen und eine ebenso straffe wie individuell zugeschnittene, häufig mit einem hohen Stresslevel verbundene Lebenspraxis als typisch für junge Familien in der Bundesrepublik behauptet werden, stellt der Beitrag anhand einer westdeutschen Familie, die auf dem Lande lebt, einen zu den gängigen Vorstellungen in Kontrast stehenden, gleichwohl zukunftsträchtigen Fall dar. In ihm verbinden sich traditionale Elemente eines Familienlebens im dörflichen Milieu mit einer starken Aufgeschlossenheit für innovative berufliche Arbeitsformen, die einen relativ entspannten Ausgleich von erfolgreichem Berufsleben und familialen Bedürfnissen nach Nähe und Aufmerksamkeit bei hoher Zufriedenheit aller Mitglieder der Familie ermöglichen. Der vorgestellte Fall stammt aus einem von der DFG geförderten Forschungsprojekt zur „Familienerziehung im Generationenvergleich“.
Hans-Rüdiger Müller

Wer belehrt wen?

Zusammenfassung
Kultur wird innerhalb der Familie nicht nur in eine Richtung, also von den Eltern zu den Kindern, transferiert, sondern auch umgekehrt: Gerade unter modernisierten Bedingungen kommt den kulturellen Einflüssen der Kinder auf ihre Eltern besondere Bedeutung zu. Dabei ist das Konzept eines gegenseitigen, auch von den Kindern ausgehenden kulturellen Einflusses durchaus traditionell, lässt sich in der europäischen Bild- und Legendentradition bis in die Antike hinein zurückverfolgen. Der Topos vom belehrenden Kind erscheint dabei sowohl in heidnisch-antiken als auch in christlichen Varianten und bringt eine entsprechende Bildtradition mit sich.
Johannes Bilstein

Veränderte Generationenbeziehungen und -verhältnisse

Frontmatter

Stichworte zu Generationen

Zusammenfassung
„Was will denn eigentlich die ältere Generation mit der jüngeren?“ – diese Frage und der mit ihr zusammenhängende Themenkomplex sind im pädagogischen Denken unbestritten traditionsreich. Indem ein so formuliertes Anliegen der Klärung vor knapp 200 Jahren zum Ausgangspunkt von vielfach rezipierten Überlegungen gemacht wurde, hat man zugleich die Weichen für die Hervorbringung von Generation als einen Grundbegriff der Pädagogik gestellt. Was in dieser Ausrichtung interessiert, ist die Sicht der älteren Generation auf die jüngere bzw. das Mühen um Präsentation und Repräsentation der gesellschaftlich-historischen Kultur, damit die jüngere Generation kulturelle Zusammenhänge sichert, Errungenschaften bewahrt und Unvollkommenes der Gesellschaft verbessert.
Thorsten Fuchs, Alena Berg, Anja Schierbaum

Generativität und Generationalität

Pädagogisch-anthropologische Perspektiven auf Geburt und Erziehung
Zusammenfassung
Der Beitrag rekonstruiert aus dem Blickwinkel der pädagogischen Anthropologie den Begriff der Generation in zwei Aspekten: Zum einen stellt er einen Bezug zur Herkunft und damit zu Fragen nach der pädagogischen Bedeutung der Geburt her (Generativität); und in Bezug zu anderen Generationen in der Erziehung geht es dezidiert um die pädagogische Beziehung, um Vermittlung und Aneignung (Generationalität). Neuere Forschungen, die die Vermittlungs- und Aneignungsvorgänge insgesamt betrachten, rücken nicht nur intendierte Erziehungs- und Bildungsvorstellungen, sondern auch mehrperspektivische und multidimensionale Lehr- und Lernprozesse in den Fokus. Die Generationenerziehung erscheint dabei durch eine kaum intentionalisierbare Sozialisation ersetzt.
Jörg Zirfas

Erdoğans Plan – Die öffentliche Diskussion zur Erziehung der jüngeren Generation in der Türkei

Zusammenfassung
Wie in anderen Ländern, so sind die Generationenverhältnisse und die durch sie implizierten Erziehungsideale auch in der Türkei normalerweise so selbstverständlich, dass sie kaum thematisiert werden. Nur in Zeiten des Umbruchs und der Krise werden sie zum Fokus öffentlicher Diskussion. In dem Beitrag wird eine solche Diskussion, die der damalige Ministerpräsident Erdoğan durch den Plan, eine „religiöse Jugend“ heranzuziehen, in Gang gesetzt hat, diskursanalytisch untersucht und dabei drei Erziehungsdiskurse rekonstruiert: jene des staatszentrierten Kemalismus, des staatsunterstützenden Konservatismus und des verfassungsbasierten Liberalismus.
Arnd-Michael Nohl

Generationale Ablösungsprozesse in der Fernsehserie „Gilmore Girls“

Ein Beitrag zur Illustration und Irritation des theoretischen Blicks auf Generationenbeziehungen
Zusammenfassung
Der Beitrag greift die erziehungswissenschaftliche Diskussion um das Erkenntnispotenzial von literarischen Werken und Fernsehserien auf und setzt sich mit der Frage auseinander, wie generationale Ablösungsprozesse in der US-amerikanischen Serie „Gilmore Girls“ inszeniert werden. In dieser Serie geht es um das Zusammenleben einer alleinerziehenden Mutter und ihrer jugendlichen Tochter. Im Hauptteil des Beitrags werden generationale Ablösungsprozesse zunächst in den „theoretischen Blick“ genommen. Auf dieser Hintergrundfolie wird die Fernsehserie „Gilmore Girls“ betrachtet bzw. zur Illustration des theoretischen Blicks auf Ablösungsprozesse und generationale Konflikte herangezogen. Um schließlich zu zeigen, dass die Serie auch zur Irritation theoretischer Annahmen geeignet ist, wird der inszenierte Beziehungs- und Erziehungsalltag der „Gilmore Girls“ mit der Konzeption einer Erziehung des Beratens (Ecarius et al. 2017) konfrontiert.
Marcel Eulenbach, Christine Wiezorek

Generationsspezifische Medienzugänge

Medien – Biographie – Generation
Zusammenfassung
Dem Generationenthema kommt in der Medienpädagogik eine ganz besondere Rolle zu. So erlangte die Medienpädagogik ihre gesellschaftliche Aufmerksamkeit, Bedeutung und Akzeptanz nicht zuletzt durch die Jugendkulturen der 50er, 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die zugleich auch Medienkulturen waren. Durch radikal andere, neue Musikrichtungen, die Lektüre bestimmter Bücher, das Bevorzugen spezieller Filmstile grenzten sich junge Menschen von den „Erwachsenen“ ab und prägten so „Subkulturen“, die heute „Jugendkulturen“ genannt werden. Beobachtet werden konnte seit den 50er Jahren, wie stark gesellschaftliche Veränderungen und Neuerungen begleitet waren von Trends, die die Medien mitgestalten, und die oftmals zunächst von der „jungen Generation“ initiiert, aufgegriffen und weitergetrieben wurden. Die Relevanz der Medien für Jugendliche und für verschiedene Generationen bildet den Schwerpunkt dieses Beitrags. Zuerst skizzieren wir dazu eine historische Perspektive auf Jugend und Medien, die besonders die Bedeutung der Medien akzentuiert. Im Anschluss daran gehen wir der Frage nach, wie Medien angeeignet werden, um zu einem medial geteilten Erfahrungsraum im Generationskontext zu gelangen. Abschließend werden wir aktuelle Themen der Digitalisierung aufgreifen, die zukünftige Forschungen zur medialen Prägung von Generationskonzepten thematisieren.
Bianca Burgfeld-Meise, Dorothee M. Meister
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