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Über dieses Buch

Im Zentrum dieses Buchs steht die psychische Gesundheit junger Menschen im Übergang von der Schule zum Beruf. Diese Übergangsphase ist für viele Jugendliche eine eher schwierige Phase. Das Buch zeigt die Hintergründe der Schwierigkeiten auf und verdeutlicht, warum gering qualifizierte Jugendliche oder diejenigen mit psychischen Belastungen besondere Mühe haben, Anschluss zu finden.

Tatsächlich steigt in Übergangsphasen, so auch in der Adoleszenz, das Risiko, eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Zudem bringt der im Jugendalter erfolgende Wechsel zwischen Ausbildung und Arbeitswelt einen Anstieg von beruflichen und persönlichen Anforderungen mit sich, den nicht alle bewältigen können. Für Jugendliche und junge Erwachsene ist es jedoch essenziell, im Arbeitsprozess Fuß fassen zu können und integriert zu bleiben, um sich gesund entwickeln zu können.

Dieses Buch präsentiert unterschiedliche empirische Arbeiten, die sich mit vielfältigen Aspekten der Übergangsphase zwischen Schule und Arbeit befassen. Die empirischen Befunde werden von relevanten Akteuren aus der Praxis kommentiert.

Das Thema dieses Buchs ist von besonderer Bedeutung für die verschiedenen Berufsgruppen aber auch Familienangehörigen, welche Jugendliche in diesem Übergang begleiten, z.B. Eltern, Lehrer oder Coachs.

Herausgeberinnen

Filomena Sabatella, lic. phil. studierte Psychologie an der Universität Zürich. Zurzeit arbeitet sie am Psychologischen Institut der ZHAW. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen vor allem in der Förderung der gesunden psychischen Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen und im Bereich der Arbeitsintegration.

Prof. Dr. Agnes von Wyl. Leiterin der Fachgruppe Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie des Psychologischen Institut der ZHAW. Langjährige Erfahrung im Bereich der Psychotherapieforschung, Entwicklungspsychopathologie und psychische Gesundheit. Sie ist auch tätig als psychoanalytische Psychotherapeutin.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Reif für den Beruf? Schwierigkeiten und Ressourcen von Jugendlichen im Berufswahlprozess

Für Jugendliche ist die Zeit der Berufswahl eine entscheidende Phase. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie ausgeprägt die Berufswahlbereitschaft der Jugendlichen in diesem Alter ist und ob sie mit einer Lehrstellenzusage in Zusammenhang steht. Psychische Faktoren und die soziale Unterstützung durch Vertrauenspersonen wie die Eltern beeinflussen den Entscheidungsprozess zur Berufswahl. Entsprechend ist eine realistische Einschätzung der Verhaltensstärken, aber auch der Schwierigkeiten der Jugendlichen wichtig. Dabei ist die Fremdbeurteilung durch Eltern und Lehrpersonen relevant, denn sie geben wesentliche Hilfestellungen in diesem Prozess. In einer ersten Studie konnten wir zeigen, dass Lehrpersonen für externalisierende wie auch soziale Probleme in der Schule wichtige Informanten waren, während Eltern in der Lage waren, sowohl internalisierende als auch externalisierende Probleme zu erkennen. In einer zweiten Studie konnte festgestellt werden, dass soziale Unterstützung, hohe Entschlossenheit und Kontaktfähigkeit einen wesentlichen Beitrag dazu leisteten, eine Lehrstellenzusage zu erhalten. Jugendliche mit und ohne Lehrstelle unterschieden sich zudem hinsichtlich Selbstkonzept, Emotionsregulation und Selbstkontrolle.
Agnes von Wyl, Filomena Sabatella, Danielle Zollinger, Belinda Berweger

2. Stress und soziale Unterstützung im ersten Jahr einer Berufsausbildung

Stress ist in entwickelten Ländern einer der bedeutendsten Risikofaktoren für die psychische und physische Gesundheit. Zahlreiche Studien weisen auf Zusammenhänge zwischen arbeitsbedingten Stressoren und dem psychischen Befinden von Arbeitnehmern hin (Steinmann 2005). Gerade junge Arbeitnehmer sind stark von Belastungssituationen am Arbeitsplatz betroffen. Jugendliche und junge Erwachsene, welche in einer Berufsausbildung sind, kristallisieren sich in verschiedenen Studien als vulnerable Gruppe heraus. So zeigte zum Beispiel eine Studie von Strandh et al. (2014), dass sich Jugendliche in einer sensiblen Entwicklungsphase befinden, und deshalb mehr unter Arbeitsstress leiden. Brändle und Müller (2014) betonten, dass eine schlechte Passung bei der Berufswahl negative Auswirkungen auf die Motivation der Jugendlichen hat. In diesem Lebensabschnitt sind viele Veränderungen und Herausforderungen auf der psychologischen, sozialen und kognitiven Ebene zu bewältigen. Dazu kommt bei Auszubildenden die Transition von der Schule ins Berufsleben, was eine zusätzliche Herausforderung darstellt (Steinmann 2005).
Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit dem Stresserleben von Lernenden zu Beginn ihrer Berufsausbildung. In einem Querschnittsdesign wurden 736 Auszubildende aus zwei verschiedenen Jahrgängen befragt. Die Befragung fand im ersten Lehrjahr statt, und die Auszubildenden waren alle in einem Schweizer Betrieb angestellt. In unserer Stichprobe konnte das erhöhte Stresserleben von Auszubildenden nicht bestätigt werden; es zeigte sich jedoch, dass soziale Unterstützung als Schutzfaktor gegenüber Stresserleben bezeichnet werden kann. Auszubildende aus den Balkanländern berichteten von mehr Stress als die übrigen Befragten. Ebenfalls zeigten Auszubildende, die eine Ausbildung mit einem geringeren Anforderungsprofil abschließen, mehr Stress.
Sabrina Hösli-Leu, Laura Wade-Bohleber, Agnes von Wyl

3. Ist eine App der richtige Weg, um die psychische Gesundheit von Jugendlichen zu fördern? Erfahrungen aus dem Companion-App-Projekt

Die Companion-App wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts zur betrieblichen Gesundheitsförderung bei Jugendlichen entwickelt. Das Ziel war es, mit der App eine positive Peerkultur unter den Jugendlichen zu fördern und so zu einer Stärkung der sozialen Unterstützung und einer Reduktion des Stresserlebens beitragen. Die Companion-App kam während zehn Monaten in zwei Pilotbetrieben mit Lernenden und stellensuchenden Jugendlichen zum Einsatz. Wir berichten hier über das Konzept des Companion-App-Projekts und die Ergebnisse der Projektevaluation. Zudem formulieren wir Empfehlungen für zukünftige Interventionsprojekte in diesem Bereich.
Laura Wade-Bohleber, Aureliano Crameri, Agnes von Wyl

4. Arbeitslosigkeit und psychische Belastung

In diesem Kapitel wird die Frage gestellt, ob arbeitslose Jugendliche psychisch belasteter sind als erwerbstätige Jugendliche und welche Rolle Geschlecht und Migrationshintergrund dabei spielen. Zudem wurde die psychische Gesundheit arbeitsloser Jugendlicher untersucht. Hierfür wurden zwei Studien durchgeführt. In Studie 1 wurden Verhaltensauffälligkeiten arbeitsloser und erwerbstätiger Jugendlicher erhoben. In der Studie 2 wurde mit arbeitslosen Jugendlichen ein diagnostisches Interview durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie 1 weisen auf deutlich mehr Verhaltensauffälligkeiten bei arbeitslosen als bei erwerbstätigen Jugendlichen hin. Geschlecht und Migrationshintergrund haben hingegen keinen signifikanten Einfluss auf die Verhaltensauffälligkeiten. In Studie 2 konnte man bei 70 % der arbeitslosen Jugendlichen feststellen, dass eine psychische Störung gemäss ICD-10 vorliegt. Die Ergebnisse aus den beiden Studien verdeutlichen, dass arbeitslose Jugendliche zu einer belasteten und daher vulnerablen Personengruppe gehören. Es ist daher entscheidend, die Anzeichen einer psychischen Belastung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um einer Chronifizierung entgegenzuwirken und eine gesunde Weiterentwicklung der Jugendlichen zu gewährleisten.
Filomena Sabatella, Angelina Mirer

5. Sind Schüler in Brückenangeboten psychisch belastet? Explorative Untersuchung zum Bedarf von unterstützenden Maßnahmen in Brückenangeboten

Für Jugendliche in der Schweiz, die keine Arbeit finden, müssen die Kantone sogenannte Brückenangebote zur Verfügung stellen. Die Aufgabe der Brückenangebote besteht darin, junge Erwachsene dabei zu unterstützen, eine Lehr- oder Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt zu finden. Dass die Jugendlichen nicht gleich im Anschluss an die obligatorische Schulzeit eine Stelle finden, mag verschiedene Gründe haben. Einige können sich noch nicht für einen Beruf entscheiden. Andere blieben im Bewerbungsprozess erfolglos und wieder andere leiden unter psychischen Belastungen. In der Regel sind jedoch die Brückenangebote nicht auf Klienten mit psychischen Erkrankungen ausgerichtet. In einer Studie wurden Betreuer von Brückenangeboten gefragt, ob die teilnehmende Jugendlichen psychisch belastet sind und welche schwierigen Verhaltensweisen sie zeigen. Aus den Resultaten geht hervor, dass die Betreuer bei knapp einem Viertel der Jugendlichen psychische Auffälligkeiten wahrnahmen. Geringe Belastbarkeit, Defizite in Konzentration und Aufmerksamkeit sowie mangelnde Zuverlässigkeit wurden am häufigsten beobachtet. Obschon ein breites Hilfsangebot im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Jugendlichen besteht, wurde zusätzlich zu den häufig genutzten Coachingangeboten ein Ausbau psychologischer Unterstützung und psychotherapeutischer Angebote für Betroffene gewünscht.
Vanessa Barth, Sandra Angst

6. Psychische Gesundheit von jugendlichen Arbeitslosen in Motivationssemestern

Die vorliegende empirische Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der psychischen Gesundheit und dem Erleben von Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen in Motivationssemestern. Dazu wurden problemzentrierte halbstrukturierte Interviews mit fünf Jugendlichen in Motivationssemestern und mit zwei Leiterinnen durchgeführt, welche mittels Fallzusammenfassungen und Frameworkanalysen ausgewertet wurden.
Die Gründe und Umstände, die zur Ausbildungs- und Arbeitslosigkeit führten, sind komplex. Sie liegen einerseits im heutigen Schulsystem und in der Arbeitswelt. Andererseits weisen schwer vermittelbare Jugendliche auch deutliche Merkmale auf, welche den Berufseinstieg erschweren. Das Scheitern des Berufseinstieges hat massive Auswirkungen auf die Lebensgestaltung und die psychische Befindlichkeit der Jugendlichen.
Die Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit weisen auf einen dringenden Handlungsbedarf hin.
Romana Kühnis

7. Früherkennung psychisch auffälliger Jugendlicher in der Beratung: eine Vorstudie bei institutionellen Anlaufstellen

Bereits seit Jahren weisen die Statistiken der Invalidenversicherung in der Schweiz eine zunehmende Zahl von jungen Erwachsenen aus, die bereits vor ihrem 25. Lebensjahr eine Vollrente beziehen. Für die Berufsbiografien dieser jungen Erwachsenen, aber auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sind solche frühe Berentungen verheerend. Nur wenige schaffen nach einer Vollberentung den Wiedereinstig in den ersten Arbeitsmarkt. Viele beziehen für den Rest ihres Lebens eine Rente oder Teilrente. Aus diesem Grund sind Themen wie Früherkennung und Prävention von enormer Relevanz. Doch wer soll diese Früherkennung und Prävention leisten? Und wo ist der richtige Ort dafür? In diesem Kapitel wird die Wichtigkeit, aber auch die Schwierigkeit von Früherkennung aufgezeigt. Zudem wird erörtert, welche Akteure in diesem Bereich wichtig sind und wie auch Laien ihren Beitrag leisten können.
Verena Wüthrich, Filomena Sabatella

8. 10 Jahre IFBB: zur beruflichen und persönlichen Entwicklung der Programmteilnehmerinnen

Eine Lehrstelle zu finden ist für alle Jugendlichen eine Herausforderung. Für junge Frauen, und besonders für diejenigen mit einem Migrationshintergrund, ist es besonders schwierig. Nochmals eine Hürde ist es, wenn die jungen Migrantinnen schwächere Leistungen in der Schule zeigen. Das Interkulturelle Foyer Bildung & Beruf (IFBB) nimmt sich genau diesen Frauen an. Es richtet sich spezifisch an arbeitslose junge Schweizerinnen und Migrantinnen, die nicht über eine Erstausbildung verfügen. Es sind vielfach psychisch belastete Frauen. Das Ziel des IFBB besteht – wie auch bei andern Motivationssemestern – darin, dass die Klientinnen eine Lehrstelle oder sonst einen Zugang zur Arbeitswelt finden. In einer Evaluation sollte nun der Frage nachgegangen werden, inwiefern das Programm den Teilnehmerinnen in den letzten zehn Jahren seit der Gründung beruflich und persönlich geholfen hat. Dazu wurde ein dreistufiges Verfahren gewählt: Zuerst wurde eine Dokumentenanalyse gemacht, und anschließend wurden alle ehemaligen Teilnehmerinnen kontaktiert. Mit 45 ehemaligen Teilnehmerinnen wurde ein kürzeres Telefoninterview durchgeführt, mit 23 ein längeres qualitatives Interview. Die Untersuchung zeigte, dass die meisten Teilnehmerinnen die auch aus der Literatur bekannten Risikofaktoren mitbringen; nämlich einen geringen sozioökonomischen Status, Migrationshintergrund und frühe Mutterschaft. Zudem konnte festgestellt werden, dass das Programm vor allem diejenigen Frauen zu einer erfolgreichen Berufsausbildung begleitend hinführen konnte, die nicht unter schweren psychischen Belastungen litten. Bei den eher stark belasteten Frauen konnte das Programm zumindest stabilisierend wirken und das Wohlbefinden der Teilnehmerinnen fördern. Diese genaue Analyse eines einzelnen Motivationssemesters liefert wichtige Informationen für weitere Programme. Durch die Betrachtung der Situation der Teilnehmerinnen konnten Faktoren erhoben werden, die sich erschwerend auf die Lehrstellensuche und somit den Berufseinstieg auswirken. Die Einschätzung der Wirksamkeit des IFBB-Programms konnten Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufzeigen, die für die schulische Ausbildung oder für Arbeitgeber von Relevanz sein könnten.
Agnes von Wyl, Michaela Hoffet Stastny, Barbara Zimmermann

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