Skip to main content
main-content

30.12.2020 | Kanzlei | Im Fokus | Onlineartikel

Legal Tech macht Kanzleien effizienter

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

Nicht nur die Finanzbranche rüstet seit geraumer Zeit technisch auf, um mit der innovativen Konkurrenz Schritt zu halten. Auch Kanzleien setzen zunehmend auf digitale Prozesse, um bessere Services anzubieten, effizienter zu arbeiten und Kosten zu sparen.

"Ein wesentlicher Teil der juristischen Arbeit wird durch die Recherche von Fachliteratur und die Sachverhaltsanalyse in Form von Aktenstudium erbracht. Die Verwendung von Literaturdatenbanken erleichtert diesen Prozess durch die im Vergleich zur analogen Recherche verbesserte Suchmöglichkeit erheblich", schreiben Peter Krug und Matthias Blank in der Zeitschrift Wirtschaftsinformatik & Management (Ausgabe 6 | 2020) zum Stand der Digitalisierung in deutschen Anwalts- und Steuerkanzleien.

Empfehlung der Redaktion

01.12.2019 | Branche | Ausgabe 12/2019

Wie Legaltechs die Branche kräftig aufmischen

Alteingesessene Rechtsschutzversicherer und Legaltechs trafen sich kürzlich zu einem Schlagabtausch bei der MCC-Konferenz "Rechtsschutzversicherung 2019" in Düren. Ein Fazit: Nur in Kooperation, nicht mit Konfrontation kann die Sparte wachsen. Und immer mehr Versicherer setzen dabei auf Künstliche Intelligenz.

Digitalisierung in der Mandatsbeziehung

Aber auch die Mandatsbeziehung biete an verschiedenen Stellen Ansatzpunkte für die Digitalisierung etwaiger Prozesse, so die Experten weiter. "Im Bereich der Suche nach Beratern und im Rahmen der Anbahnung der Geschäftsbeziehung sind das Internet und eine Webpräsenz nicht mehr wegzudenken. Plattformen wie Anwalt.de, Smartexperts, advocado.de oder anwaltssuche.de erleichtern die Suche nach spezialisierten Berufsträgern", erläutern Krug und Blank. Möglich sei dies etwa im Wege standardisierter Abfragemasken, die im Vorfeld Adress- und Versicherungsdaten erfassen. "Insbesondere bei Massenverfahren könnte damit auf einen nicht digitalen Dokumentenaustausch vollständig verzichtet werden […]."

Anforderung an IT-Kompetenz von Juristen wächst

Als größte Herausforderung im Hinblick auf die Digitalisierung der Kanzleien und ihrer Prozesse identifizieren 68 Prozent der Juristen in Deutschland über alle Kanzleigrößen hinweg dabei die wachsenden Anforderungen an ihre IT-Kompetenz. Das ergab eine Umfrage unter rund 300 Rechtsexperten Anfang 2020 im Auftrag des Portals Legal-tech.de. Rund 55 Prozent halten es der Erhebung zufolge für schwierig, den Überblick über die Flut der Entwicklungen im Bereich Legal Tech zu behalten. 

Von den Kanzleien, die bereits entschieden haben, die eigenen Prozesse umzustellen, sehen sich 46 Prozent großen Herausforderung gegenüber. Dabei sei zugleich der Anspruch der Mandanten – etwa in Bezug auf eine 24-Stunden-Erreichbarkeit – durch immer mehr Angebote juristischer Online-Portale gestiegen. Hier gelte es, die passenden Lösungen für die sich wandelnden Bedürfnisse der Kunden zu finden.

Automatisierung rechtlicher Prozesse

Wie das konkret aussehen könnte, erläutern die Datev-Fachleute Krug und Blank. Ihnen zufolge ist zum Teil sogar eine automatisierte rechtliche Würdigung denkbar, sodass der Prozess der Leistungserstellung vollständig digitalisierbar ist.

Eine Grundvoraussetzung hierfür ist, dass die Regelungen klar sind und keinen wesentlichen Auslegungsspielraum beinhalten, um damit eine standardisierte Beurteilung zu ermöglichen. Seit geraumer Zeit findet in dieser Form die Behandlung von Verkehrsdelikten statt, wobei eine entsprechende Geschwindigkeitsüberschreitung dazu führt, dass der Fahrzeughalter mit einem "Knöllchen" bedacht wird. Im Legal-Tech-Bereich setzen sich derartige Angebote insbesondere im Verbraucher- und Mietrecht durch", schreiben die Autoren.

Kanzleien wollen mit Legal Tech kostengünstiger arbeiten

Von der Digitalisierung versprechen sich daher auch zwei Drittel (66 Prozent) der für die Studie befragten Kanzleien mehr Effizienz und kostengünstigeres Arbeiten. 56 Prozent sagen, dass sie Legal Tech nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. 54 Prozent sehen dabei nicht zwangsläufig den äußeren Druck als Anlass, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen, sondern das eigene Interesse an Innovationen. Immer hin noch fast jeder zweit Befragte (48 Prozent) hat den Anspruch, die Qualität der Arbeit zu steigern. Und nur 19 Prozent verfolgen den Wunsch, eigene Rechtsprodukte durch Legal Tech anbieten zu können.

Auch wenn die digitalen Entwicklungen Kanzleien und deren Prozesse durchaus weiträumig erfassen, wird es laut Krug und Blank aber eher nicht zu einer "wirklichen Disruption des Berufsstands" kommen. Hierzu sei die beratende Tätigkeit zu komplex, um vollständig automatisiert zu erfolgen.

Insbesondere in Rechtsmaterien, in denen der Einzelfall eine wesentliche Bedeutung spielt und oftmals nicht vergleichbar ist (zum Beispiel Familienrecht, Vertragsrecht, Gesellschaftsrecht), ist eine menschliche Beratung unabdingbar und wird in Zukunft in einer komplexen Gesellschaft mehr denn je notwendig sein", so die Experten.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise