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21.12.2020 | Kapitalmarkt | Im Fokus | Onlineartikel

Hoffnung auf Rückkehr zu Normalität beflügelt Aktien

Autor:
Michael Fuchs
4:30 Min. Lesedauer

Das Katastrophenjahr 2020 hat für viele Länder tiefe Einschnitte gebracht. Doch aller Veränderungen zum Trotz gibt es erstaunliche Konstanten. Die internationalen Börsen haben sich einmal mehr wacker geschlagen und daran dürfte sich auch 2021 wenig ändern. 

Betrachtet man die Jahresentwicklung an den Aktienmärkten, scheint das zu Ende gehende Jahr gar nicht so nicht außergewöhnlich gewesen zu sein. Mit einem sich abzeichnenden Plus von rund zehn Prozent reiht sich 2020 beim Index MSCI World mit den wichtigsten Aktien weltweit in die Reihe mehrheitlich guter Vorjahre ein. 

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Der Einbruch vom Frühjahr, als die Kurse in nie gekannter Geschwindigkeit in die Tiefe rauschten, hat im längerfristigen Chartbild nur einen Zacken hinterlassen. Das ist zunächst erstaunlich, denn die Ursachen für den Crash sind nicht verschwunden. Nach ruhigen Sommermonaten ist die Corona-Krise zurück und die Regierungen steuern mit dem Herunterfahren des Handels und des gesellschaftlichen Lebens dagegen. Entscheidender Unterschied: Es gibt inzwischen Impfstoffe, die im kommenden Jahr in größeren Mengen zur Verfügung stehen dürften und eine Rückkehr zur Normalität verheißen. Die Börsen haben dies eingepreist und die Krise hinter sich gelassen. 

Tourismusbranche wird Jahre für eine Erholung brauchen 

Doch haben die Märkte ihr Potenzial damit schon ausgeschöpft? Und droht nach dem Motto "buy the rumour, sell the fact" im kommenden Jahr eine kalte Dusche? Dass sich hoch entwickelte Volkswirtschaften nicht wie eine Lampe an- und ausschalten lassen und die Folgen der Lockdowns noch lange zu spüren sein werden, liegt auf der Hand. "Die Einführung von Impfstoffen rückt bekanntlich näher, doch der wirtschaftliche Schaden, der durch die Coronavirus-Krise entstanden ist, wird gleichzeitig immer deutlicher", stellt Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International, fest. So könnten Branchen wie Tourismus und Flugverkehr noch Jahre brauchen, um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen.

Zahlen zu den weltweiten Auswirkungen in diesem Bereich liefert Paul J. J. Welfens im Buchkapitel "Wirtschaftliche Unterbrechungen: Schock im Tourismussektor und andere wichtige Aspekte der Epidemie" auf Seite 91: 

"Der Reise- und Tourismussektor wird von der Covid-19-Pandemie negativ betrofen sein. I im Jahr 2018 entfelen auf diesen Sektor 10,4 Prozent des globalen Nationaleinkommens und 319 Millionen Arbeitsplätze (WTTC 2019). Wenn der weltweite Tourismussektor im Jahr 2020 um 30 Prozent zurückgeht, würde das globale Produktionswachstum im Vergleich zu den Prognosen – und Erwartungen – von 2019 um 1,2 Punkte zurückgehen und 96 Millionen Arbeitsplätze würden als direkte Auswirkung verloren gehen."

Börsenexperten bleiben optimistisch

Trotzdem dominiert bei den Börsenexperten Zuversicht. Die Volkswirte der Deka Bank erwarten für das Jahr 2021 ein kräftiges Weltwirtschaftswachstum von fast sechs Prozent, wobei der Euroraum und die USA auf jeweils 4,9 Prozent kommen, das Zugpferd China 2021 sogar auf mehr als neun Prozent. "Das spricht für eine weitere Bewegung der Zykliker, die im November schon begonnen hat und die aus meiner Sicht noch weiteres, deutliches Aufholpotenzial an den Märkten aufweist", so Roemheld. 

Für diese Theorie spricht laut Versicherungsmagazin-Autorin Carmen Mausbach, dass der der Handel zwischen den USA und China trotz zahlreicher Spannungen nach wie vor gut läuft. In ihrem Beitrag "Auf den konjunkturellen Aufschwung setzen" schreibt sie: "Die Wirtschaft könnte daher bald wieder florieren und zu einer nachhaltigen Erholung tendieren. Vor diesem Hintergrund könnte es sinnvoll sein, in sein Portfolio zyklische Werte aufzunehmen." Diese profitierten von einer konjunkturellen Erholung.

Tatsächlich sind viele Aktien aus den Bereichen Auto, Chemie und Maschinenbau noch ein gutes Stück von ihren einstigen Hochs entfernt. 2021 könnte daher zum großen Jahr der Zykliker werden, zumal die extrem lockere Geldpolitik und staatliche Hilfsprogramme wie das ersehnte US-Konjunkturpaket die Erholung stützen und die Unternehmensgewinne beflügeln dürften. "Die Gewinne werden 2021 zu Kurstreibern. Wir rechnen mit einem Anstieg der weltweiten Firmengewinne um bis zu 30 Prozent im Jahresvergleich", prognostiziert Jens Wilhelm, Portfolio-Manager bei Union Investment.

Börse im Sog langfristiger Trends

Doch bedeutet eine Normalisierung auch ein Zurück zum Status quo ante? Oder führen Homeoffice und Online-Shopping zu dauerhaften Veränderungen in der Arbeitswelt und im Konsumentenverhalten? Viele Trends, die sich schon vor der Corona-Krise abgezeichnet haben, werden sicher nicht abrupt enden. Die Verbraucher dürften also kaum den Online-Händlern den Rücken kehren und in Scharen in die Innenstädte strömen. Zudem werden viele Unternehmen ihren Mitarbeitern wohl auch künftig die Chance zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden bieten. Die Aktien der Online-Händler und der Treiber der Digitalisierung dürften daher trotz hoher Bewertung kaum abstürzen, sondern auch künftig im Sog langfristriger Trends auf Kurs bleiben.  

Und noch eines ist bei allen Unwägbarkeiten wohl sicher: Aktien bleiben schon wegen mangelnder Alternativen aussichtsreich. Denn Anleihen - zumindest sichere Papiere wie etwa deutsche oder US-Staatsanleihen - fallen angesichts niedriger oder sogar negativer Realrenditen als Anlagealternative praktisch aus. Das und die Aussicht auf eine Konjunkturerholung stellen dagegen "für Aktien fast die beste aller Welten" dar, wie Porfolio-Manager Wilhelm betont. Die Anlageklasse könnte daher im kommenden Jahr "auf einen Ertrag von bis zu zehn Prozent" kommen. Das wäre eine mehr als erfreuliche Entwicklung, vor allem, wenn die Aufwärtsbewegung in einem ruhigeren Fahrwasser als in dem denkwürdigen Jahr 2020 verlaufen würde.

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