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06.03.2020 | Kapitalmarkt | Im Fokus | Onlineartikel

Neuem ESG-Index sollen weitere Indizes folgen

Autor:
Michael Fuchs
3:30 Min. Lesedauer

Mit dem neuen Dax ESG 50 geht ein Index an den Start, der Kriterien wie Umwelt, Soziales und Nachhaltigkeit berücksichtigt. Damit können Anleger das Thema ESG (Environment, Social, Governance) auch allein mit deutschen Aktien umsetzen. Weitere Indizes sind in der Pipeline.

Nachhaltigkeits-Fonds boomen. Allein die Zahl der börsengehandelten Aktienfonds (ETF), die sich mit dem Siegel schmücken, liegt bei über 100. Das geht aus einer Studie der Ratingagentur Scope mit dem Titel "Nachhaltige ETFs und Indexfonds" hervor. So richtig in Fahrt gekommen ist das Thema freilich erst in den vergangenen vier Jahren. So gab es laut Scope bis "Ende 2015 erst 33 nachhaltige Passivfonds mit Deutschland-Zulassung". Die übrigen kamen erst nach 2016 an den Markt, wobei das Geschäft in den vergangenen beiden Jahren nochmals an Fahrt aufnahm.

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Da überrascht es nicht, dass auch die Deutsche Börse einen entsprechenden Index unter der Flagge des Dax lanciert. Im Gegensatz zu den bekannten Standardwerteindex ist das neue Barometer breiter aufgestellt. Es umfasst nicht nur die 30 großen Standardwerte, sondern 50 Aktien. 

ESG-Index mit geringer Risikostreuung

Basis dafür ist der H-Dax mit seinen insgesamt 100 Mitgliedern. Viel ist das freilich nicht: Selbst der MSCI SRI Select Index - laut Scope der aktuell strengste investierbare Index – kommt auf über 200 Aktien, die aus dem Pool des MSCI World mit seinen mehr als 1.600 gefiltert werden. Damit ist die Risikostreuung des neuen Index eher gering, zumal er nur deutsche Werte listet.

Aufnahmekriterien sind einerseits Nachhaltigkeitsnormen wie etwa Ausschluss von umstrittenen Waffen, Tabak, Kohle und Kernkraft. Dazu greift die Deutsche Börse auf Daten von Sustainalytics zurück, einem Anbieter von ESG-Research, Daten und Rating.

Nachhaltigkeitsansatz ergänzt Investmentanalyse

Dieser Nachhaltigkeitsansatz erweitert die Analyse von Chancen und Risiken eines Investments sinnvoll, sagt auch Nils Ossenbrink im Buchkapitel "Nachhaltigkeitsratings als Ergänzung der traditionellen Finanzanalyse" (Seite 131 ff.). "Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise hat eindrucksvoll gezeigt, dass Ratingverfahren über konventionelle Risikomodelle zu kurz greifen", schreibt der Springer-Autor und führt aus: 

Die von vielen Emittenten über lange Zeit eingegangenen und teilweise viel zu hohen Risiken sind von den meisten Marktteilnehmern systematisch unterschätzt worden – auch von den Ratingagenturen. Dies liegt vor allem daran, dass sich die klassische Kreditanalyse üblicherweise auf mittelbare ökonomische Risiken beschränkt." 

So hätten sich zum Ausbruch der Krise in konventionellen Portfolios oftmals Anleihen der Krisenstaaten Portugal und Griechenland befunden, da diese Papiere als sicher galten – trotz erhöhter Risikoprämie. "Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten dagegen waren sie schon frühzeitig als zu riskant eingestuft und somit für die nachhaltig verwalteten Vermögen aus dem Investment-Universum ausgeschlossen worden", meint Ossenbrink.

Die Kombination aus ESG- und ökonomische Faktoren ist entscheidend

"Oftmals trägt gerade die Kombination aus ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten die Entscheidung für eine nachhaltige Vermögensanlage", schreibt der Autor. So ist es auch beim neuen ESG-Index, bei dem traditionelle Kriterien wie Marktkapitalisierung und Börsenumsatz ebenfalls eine Rolle spielen. 

Und es gelten die üblichen Dax-Regeln: Alle drei Monate wird die Index-Zusammensetzung geprüft und entsprechend angepasst. Das Regelwerk kommt dabei auch zur Anwendung, wenn ein Unternehmen gegen Nachhaltigkeitskriterien verstößt.

Weitere Service mit ESG-Label geplant

Den neuen Index betrachtet die Deutsche Börse als Ergänzung bestehender Angebote für Anleger und Investoren. Die Position des Dax solle der ESG 50 nicht einnehmen, betonte Stephan Flägel, Global Head of Indices & Benchmarks beim Index- und Analytikgeschäft der Deutschen Börse, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Dabei kann sich die Entwicklung des Neulings durchaus sehen lassen. Zurückgerechnet auf die letzten Jahre liegt sie etwas über der Dax-Performance. Nur kurzfristig seien die 30 Standardwerte besser gelaufen, sagte Flägel.

Um zu seinen älteren Geschwistern aufzuschließen, muss der Index freilich noch kräftig aufholen, den mit seinen 1.000 Punkten beträgt der Kurs zum Start nur einen Bruchteil von Dax und M-Dax.

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