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12.02.2021 | Kapitalmarkt | Nachricht | Onlineartikel

Infrastrukturaktien haben noch Potenzial

Autor:
Michael Fuchs
3 Min. Lesedauer

Aktien sind derzeit alles andere als günstig. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach Werten, die trotz guter Perspektiven nicht zu teuer sind. Bei Infrastrukturaktien ist das der Fall.

Die Rekordjagd an den Aktienmärkten hat auch ihre negative Seite. Anleger, die sich in den vergangenen Monaten wegen der ständigen Hiobsbotschaften zu Corona zurückgehalten haben, geraten unter Zugzwang. Auf dem Tagesgeldkonto liegen die Zinsen in der Nähe des Gefrierpunkts und extrem hoch bewertete Staats- sowie Unternehmensanleihen mit Mini-Renditen sind keine Alternative. Gold steht als sicherer Hafen zwar hoch im Kurs, doch die starken Preisschwankungen ohne jegliches Trostpflaster in Form von regelmäßigen Ausschüttungen sind nicht jedermanns Sache.

Infrastrukturwerte gelten als relativ stabil

Doch es gibt Segmente, an denen die Aufwärtsbewegung der Börsen zumindest teilweise vorbeigegangen ist. Dazu gehören sogenannte Infrastrukturwerte, also etwa Aktien von Versorgern, Bahngesellschaften, Flughafen- und Autobahnbetreibern, die in Form von aktiven Fonds oder börsengehandelten ETFs angeboten werden. Normalerweise zeichnen sie sich durch eine relativ stabile Geschäftsentwicklung und niedrige Kursschwankungen aus. 

Durch den staatlich verordneten Lockdown sind viele der Unternehmen allerdings unter die Räder gekommen. So gehören Flughafenbetreiber zu den großen Verlierern der Tourismusflaute und die gähnende Leere in manchem Fernverkehrszug der Deutschen Bahn lässt erahnen, mit welchen Problemen private Bahnbetreiber in anderen Ländern zu kämpfen haben. 

Das spiegelt sich in der Kursentwicklung wider: "Bemerkenswert ist, dass der S&P Global Infrastructure Index im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent fiel, während der MSCI World Index um 15,9 Prozent stieg", stellt die US-Investmentgesellschaft State Street Global Advisors in einer Markteinschätzung fest. Daran hat sich bislang wenig geändert. Trotz des guten Jahresstarts an den Finanzmärkten sind die meisten Aktien ein ganzes Stück von ihren alten Hochs entfernt. 

In den USA haben Infrastruktur-Unternehmen pralle Auftragsbücher

Wenn sich das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wieder normalisiert, könnte es aber rasch nach oben gehen. Denn mittel- und langfristig haben Infrastrukturwerte Rückenwind. Gerade in den USA winken den Unternehmen pralle Auftragsbücher, wie Fondsmanager Jim Lydotes von der Fondsgesellschaft BNY Mellon Investment Management feststellt. "Die Chancen für neue groß angelegte Infrastrukturprojekte in den USA stehen nicht schlecht. Demokraten wie auch Republikaner sind sich weitestgehend einig, dass in Brücken, Straßen, Flughäfen und andere Infrastrukturbereiche wie Stromübertragungsnetze lange Zeit zu wenig investiert wurde und dass Ausgaben für Infrastruktur die Wirtschaft in schwierigen Zeiten wie heute ankurbeln können."

Doch nicht nur einsturzgefährdete Brücken und schlaglochübersäte Strassen sprechen für Infrastrukturaktien. Gewaltiger Investitionsbedarf tut sich auch mit dem Ziel auf, die Emission von Schadstoffen zu senken. Die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) hält jährliche Investitionen von 740 Milliarden US-Dollar weltweit für nötig, um die angestrebte Wende zu stemmen. Allein der gewaltige Bedarf an Stromnetzen, die Windenergie von den Anlagen in Nord- und Ostsee in den Süden Deutschlands transportieren, lässt erahnen, um welche Dimensionen es hier geht. 

Geringe Konjunkturabhängigkeit

Infrastukturaktien zeichnen sich darüber hinaus durch geringe Abhängigkeit von der Konjunktur aus. Jeremy Anagnos, Portfolio Manager von Nordeas Global Listed Infrastructure-Strategie, betont, dass die zumeist "regulierten Anlagen stabile, inflationsgeschützte Renditen versprechen" und "positiven Cashflows für stetige und wachsende Dividenden" sorgen. Infrastrukturwerte können so eine Lücke in vielen Portfolios füllen, die durch die extrem niedrigen Renditen im Anleihebereich entstanden ist. Zumal sie als Sachwerte Inflationsschutz bieten.

Versicherer machen bereits seit einigen Jahren vor, wie das geht. Mit umfangreichen Investitionen in Infrastrukturprojekte, die vergleichsweise sichere Gewinne bei überschaubaren Risiken versprechen, haben die Großen der Branche einen Ausweg aus der Renditeflaute bei sicheren Anleihen gefunden.

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