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10.09.2020 | Kapitalmarkt | Nachricht | Onlineartikel

Europäische und US-Firmen auf zweite Welle vorbereitet

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

Wie sind die Wirtschaft und die Unternehmen weltweit auf einen möglichen zweiten Corona-Ausbruch vorbereitet und wie wird sich das auf die Kurse und das Verhalten der Anleger auswirken? Schwierig ist die Lage in der Energiebranche und den Schwellenländern, meinen Analysten.

"Die Weltwirtschaft erholt sich seit April von der schweren Corona-Rezession. Insbesondere kehrte der private Konsum in den westlichen Industrieländern rascher als erwartet auf den Vorkrisenpfad zurück", sagen die Marktexperten von Swisscanto Invest in ihrem September-Bericht. Allerdings sei in Branchen, die besonders stark unter den einschränkenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus leiden, das Vorkrisenniveau noch längst nicht erreicht. Zudem steige vielerorts die Anzahl der Neuinfektionen wieder. 

Geld- und Fiskalpolitik muss Wirtschaft weiterhin helfen

Die Wirtschaft sei weiterhin auf die Hilfe der Geld- und Fiskalpolitik angewiesen. "Das bislang fehlende fiskalpolitische Anschlussprogramm in den USA sorgt für Unsicherheit. Infolge der konjunkturellen Erholung haben auch die Inflationsraten in vielen Volkswirtschaften den Tiefpunkt durchschritten", heißt es in der Analyse. "In einem solchen Umfeld werden die Renditen an den Anleihenmärkten auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau und mancherorts sogar im Minus verharren, womit die relative Attraktivität der Aktien erhalten bleibt." 

Allerdings seien aufgrund der anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA, sowie den anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China und des Verhandlungspatts für ein weiteres US-Haushaltspaket "temporäre Rücksetzer an den Aktienmärkten" jederzeit möglich. 

Was die Unternehmen betrifft, sind diese weltweit aber recht gut für eine zweite mögliche Corona-Welle gerüstet. Das gilt vor allem für Europa und die USA. Nur jeder zwanzigste Betrieb ist nicht ausreichend auf einen erneuten Corona-Ausbruch vorbereitet Das ergab eine Blitzumfrage unter 143 Aktien- und Rentenanalysten des Anlagespezialisten Fidelity International im August.

Energiebranche und Schwellenländer am schlechtesten vorbereitet

Allerdings sind die Experten im Hinblick auf die Energiebranche nicht so optimistisch gestimmt. Etwas mehr als ein Viertel der Energie-Analysten bezeichneten ihre Unternehmen als "eher unvorbereitet". Der Bereich könne unter einem weiteren Rückgang der Ölnachfrage im Falle einer schwerwiegenden zweiten Corona-Welle sowie einem möglichen Lockdown leiden.

Geht es um die Kurseffekte von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, sehen nur wenige Fidelity-Analysten negative Auswirkungen für die von ihnen betreuten Unternehmen. Beim Basiskonsum und Versorgern sei der Kurseffekt am positivsten. Die rote Laterne trägt aber auch hier der Energiesektor. Gut ein Drittel der Analysten erwartet, dass die Kurse der Unternehmen infolge von Nachhaltigkeitsmaßnahmen unter Druck geraten. Als einen der Gründe geben die Experten die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energiequellen an, die "ein kapitalintensiver Prozess ist". Anleger könnten vor möglichen Dividendenkürzungen infolge des hohen Investitionsbedarfs zurückschrecken.

Auch 40 Prozent der Unternehmen aus den europäischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Schwellenländern seien zum Teil nicht für einen weiteren, größeren Ausbruch gewappnet. Zwar verzeichnen die Experten positive Impulse durch die Lockerung harter Corona-Auflagen und das EU-Konjunkturprogramm sowie Währungseffekte, etwa in der Türkei. Allerdings gibt es auch Befürchtungen, dass die Politik in Ländern wie der Türkei und Brasilien nicht nachhaltig ist und das Investitionsklima weiter beeinträchtigt.

Schwellenländer trotz Risiken im Blick der Anleger

Das hält Investoren trotz Marktvolatilität und verringerter Risikobereitschaft aktuell aber nicht davon ab, den Markt der Schwellenländer verstärkt für sich zu erschließen. Das ergab eine aktuelle Studie des Anlagespezialisten Vontobel unter 300 institutionellen Anlegern und Vermögensverwaltern in 18 Ländern.

Diese wollen laut Umfrage ihre Schwellenländerallokation in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich erhöhen. Eine Minderheit plant, ihre Allokation bereits in den nächsten zwölf Monaten nach oben anzupassen. Als Grund geben die Anleger den Wunsch nach neuen Renditequellen als treibende Kraft an. 

Unter den Anlegern, die eine Aufstockung ihres Engagements beabsichtigen, bevorzugen knapp 70 Prozent die bekannteren und größeren Märkte in Asien. Über 60 Prozent erwägen eine Anlage in europäischen Schwellenländern, während nur 40 Prozent ihren Blick auf Lateinamerika und noch weniger auf den Nahen Osten und Afrika richten.

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