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28.02.2020 | Kapitalmarkt | Interview | Onlineartikel

"Wir rechnen bald mit einer Regulierung für Kryptoassets"

Autoren:
Stefanie Hüthig, Christian Kemper
3 Min. Lesedauer

Der Kapitalmarkt erlebte in den vergangenen Jahren einen ungeahnten Boom. Trotz Brexit-Streit und Handelskonflikt blieb auch 2019 ein Kursverfall aus. Über künftige Risiken und Veränderungen spricht Jörg Ambrosius im Interview. 

Bankmagazin: Herr Ambrosius, was unterscheidet den deutschen vom US-amerikanischen Investmentmarkt?

Jörg Ambrosius: Die absoluten Anlagegrößen in den USA im Vergleich zu Europa und insbesondere zu Deutschland sind eklatant. Ein weiteres gravierendes Unterscheidungsmerkmal ist die Tatsache, dass es in Europa deutlich mehr Investmentprodukte gibt als in den USA. Somit haben wir es jenseits des Atlantiks mit einem großen Markt und weniger Produkten zu tun, was zu viel höheren Anlagevolumina in den einzelnen Vehikeln mit entsprechenden Skaleneffekten führt. Im Umkehrschluss ist das europäische Geschäft vergleichsweise kleinteilig. Das führt dazu, dass zum Beispiel ein einzelner Investmentfonds hierzulande viel kostenanfälliger ist als ein US-Fonds, dessen Total Expense Ratio aufgrund des hohen Volumens durchaus attraktiver ist.

_Nur wer groß genug ist, kann seinen Kunden Skaleneffekte bieten_ (227)

Wie beeinflussen die Diskussion um den Brexit, die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA und andere geopolitische Unsicherheiten die Finanzmärkte?

Der Brexit ist eingepreist. Hingegen beschäftigt die unsichere politische Lage im Nahen Osten die Märkte weiterhin. Grundsätzlich liegt eine Dekade hinter uns, in der die Märkte nur eine Richtung kannten, nämlich nach oben. Auch das Jahr 2019 endete stabil, was wohl die wenigsten Marktteilnehmer erwartet haben. Denn wir leben in Zeiten, in denen die geopolitischen Risiken immer weiter zunehmen. Das bringt eine entsprechend hohe Volatilität in die Finanzmärkte. Ich glaube nicht daran, dass sich das kurz- beziehungsweise mittelfristig ändern wird. Für 2020 bin ich noch skeptisch, ob wir eine weitere starke Aufwärtsbewegung an den Börsen erleben werden. Bislang ist zwar kaum ein Risiko in Sicht, das zu einem dramatischen Kursverfall führen könnte. Abgesehen von den Cyberrisiken, die an den Märkten künftig für verstärkte Unsicherheit der Investoren sorgen könnten.

Welche Art von digitaler Bedrohung und vielleicht auch digitalen Chancen meinen Sie?

Moderne Technologien schreiten immer weiter voran. Dabei scheinen die Regulierung und Aufsicht hierzulande immer einen Schritt hinterher zu sein. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich zu Beginn meiner Bankausbildung im Tresor noch Aktienkupons ausschneiden musste. Seitdem sind rund 25 Jahre vergangen und im Wertpapiergeschäft hat sich viel verändert. Eine ähnliche Entwicklung sage ich dem Bereich der digitalen Verwahrung und der Tokenisierung voraus. 

Der Markt für Kryptoassets beispielsweise ist derzeit weitgehend unreguliert und entsprechend störanfällig. Für solche digitalen Handelswerte rechnen wir alsbald mit einer Regelung in Deutschland, die auch im europäischen Ausland für Aufsehen sorgen könnte. Ein entsprechender Gesetzesentwurf war von der Bundesregierung für Ende 2019 vorgesehen. Der Prozess hat sich aber verzögert und nun hoffen wir darauf im ersten Quartal dieses Jahres. Unser Nachbarland Frankreich kam uns zuvor und hat als erster Mitgliedstaat der Europäischen Union bereits ein umfassendes Gesetz verabschiedet, um Kryptoassets zu regulieren.

Warum beschäftigen Sie sich mit Kryptoassets?

Das Thema ist für uns als Verwahrstelle so interessant, weil auch Kryptowerte verlässlich und mit treuhänderischer Sorgfalt deponiert werden müssen. Seit Ende 2019 kooperiert State Street mit der Kryptowährungsbörse Gemini Trust, indem unser Reporting-Prozess die digitalen Assets, die von Gemini Trust abgewickelt werden, mit den traditionellen Assets, die von uns betreut werden, konsolidieren und verknüpfen kann.

Das vollständige Interview und weitere interessante Beiträge lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Bankmagazin.

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