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14.07.2022 | Kapitalmarkt | Gastbeitrag | Online-Artikel

Institutionellen Kryptohandel zielgerichtet optimieren

verfasst von: Andy Flury

3 Min. Lesedauer

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Der Wertverfall des Luna Tokens und Verluste etwa beim Bitcoin haben das Vertrauen vieler Anleger erschüttert. Doch diese Rückschläge werden die weitere Marktdurchdringung der Krypto-Assets nicht aufhalten. Vor allem mit Blick auf den institutionellen Handel sollten Banken nun technisch aufrüsten.

Die Digitalisierung führt dazu, dass weitere Vermögenswerte wie Immobilien oder Kunst auf der Blockchain tokenisiert werden. Banken verzeichnen eine zunehmende Nachfrage nach Kryptowährungen vonseiten institutioneller und privater Kunden. Die Verwahrung institutioneller Anlagevolumina in Kryptowährungen stellt Banken jedoch vor neue Herausforderungen. 

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Der Kryptohandel ist lange Zeit von Privatanlegern dominiert gewesen. Dementsprechend ist die technische Infrastruktur für den institutionellen Handel an verschiedenen Kryptobörsen bisher sehr rudimentär ausgeprägt. Es existiert weder ein technischer Standard noch eine einheitliche Schnittstelle zur Verknüpfung verschiedener Handelsplätze und -kontrahenten. Es bedarf technischer Lösungen, um Bankkunden Zugang zum Handel mit Kryptowährungen zu ermöglichen. Der Aufbau einer einheitlichen technischen Infrastruktur für den Kryptohandel bietet Instituten die Möglichkeit, diesen effizient auszuführen und sich ein weiteres lukratives Standbein aufzubauen.

Kryptomarkt ist höchst fragmentiert

Der Handel mit Kryptowährungen findet über hunderte von zentralisierten und dezentralen Börsen, außerbörslich (Over the Counter, kurz OTC) oder über Broker statt. Den höchsten Anteil nimmt der OTC-Handel mit rund 70 Prozent ein. Diese hohe Fragmentierung resultiert in großen Differenzen der Liquidität und der Preise zwischen verschiedenen Handelsplätzen. 

Vor allem bei weniger liquiden Krypto-Assets können häufiger Preisdifferenzen von mehreren hundert Basispunkten beobachtet werden. Dieser Umstand bietet Banken Chancen für den Arbitrage-Handel. Um gemäß der Best Execution Policy ihren Kunden den besten Preis und Liquidität der Kryptowährungen zu gewährleisten, benötigen die Geldhäuser mehrere Zugriffspunkte auf die Kryptomärkte.

Einheitliche Technologie für Krypothandel notwendig

Um eine Best Execution Policy sicherzustellen, bietet sich die Aufsetzung eines automatisierten Order-Ausführungssystems mit Smart Order Routing und Order-Algorithmen an. Wenn die Bank eine vom Handelsvolumen abhängige Provision bei ihren Kunden erhebt, kann durch die Optimierung der Handelsausführungen auch die Profitabilität der Bank signifikant erhöht werden.

Im Kryptohandel stellt diese Maßnahme jedoch nur einen Bruchteil der möglichen Optimierungen dar. Denn nicht nur die Handelsplätze sind fragmentiert, sondern auch die eingesetzte Technik, weshalb auch hier erheblicher Handlungsbedarf besteht. 

Orchestrierung der eingesetzten Technik

Bei der Schaffung einer technischen Oberfläche zur Orchestrierung der eingesetzten Technik im Kryptohandel sollten vor allem folgende Punkte beachtet werden:

  • Das Risiko für das Betriebskapital und den Handel mit Kontrahenten sollte minimiert werden. Dies kann dadurch gesenkt werden, indem die Notwendigkeit mehrerer vorfinanzierter Handelskonten vermieden wird, um Best Execution zu erreichen.
  • Den Einfluss menschlichen Fehlverhaltens und operativer Fehler bei Auftragsfinanzierungs- und Abwicklungsprozessen ausschließen.
  • Die Abwicklungsprozesse optimieren, indem die Handelsgebühren, die beim On-Chain-Handel zwischen dem Handelsplatz und der Verwahrstelle der Bank anfallen, reduziert werden. Dies kann durch die Bündelung von Kundenaufträgen erfüllt werden.
  • Verzögerungen bei der Handelsausführung minimieren durch sofortige Auftragsfinanzierung und -ausführung. Um diesen Schritt zu erreichen, sollten Nostrokonten für Gegenparteien wie Broker eröffnet werden. 
  • Den Einsatz von Schnittstellen verhindern, die nicht für den institutionellen Handel konzipiert sind. Stattdessen sollten standardisierte Schnittstellen auf Basis des FIX-Protokolls eingesetzt werden.

Um diese Punkte bestmöglich zu berücksichtigen, ist mittelfristig die Implementierung einer technischen Oberfläche nötig, die den ganzen Handelszyklus beim Kryptohandel orchestriert und, soweit möglich, automatisiert. 

Modulare Systemarchitektur macht Banken flexibel

Als erster Schritt sollte die Verknüpfung von Kundenaufträgen mit dem Kernbanken- und Verwahrungssystem umgesetzt werden. Darüber hinaus sollte die technische Oberfläche die nötige Flexibilität bieten, um mit der Digital-Asset-Strategie der Bank mitzuwachsen. Die Bank muss in der Lage sein, ihr Kryptoangebot und ihre Geschäftsstrategien stetig zu erweitern und zu skalieren. Dies wird durch eine modulare Systemarchitektur und ein breites Spektrum an standardisierten Adaptern für zusätzliche Technologiekomponenten wie Verwahrlösungen, Kernbankdienstleistungen und Handelsplätze erreicht.

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