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16.09.2019 | Kapitalmarkt | Interview | Onlineartikel

"Illiquide Assets als Einzelverbriefung platzieren"

Autor:
Barbara Bocks
Interviewt wurde:
Marie Louise Seelig

war als promovierte Juristin unter anderem bei der New-Yorker-Kanzlei Sullivan & Cromwell tätig. 2016 gründete sie zusammen mit Daniel Wigbers das Fintech-Unternehmen Acatus, eine digitale europäische Debt-Capital-Markets-Plattform.

Bisher konnten Kreditinstitute Wertpapiere nur gebündelt in Tranchen an Investoren verkaufen. Das Fintech Acatus bietet Banken nun einen digitalen Marktplatz für Einzelverbriefungen an. Wie das funktionieren soll, erklärt Gründerin Marie Louise Seelig.

springerprofessional.de: Statt Portfolio-Tranchen wollen sie über Ihre Plattform einzelne Assets wie Immobilienkredite verbriefen. Wie funktioniert das konkret?

Marie Louise Seelig: Unser Ziel ist es, einfache und transparente Einzelverbriefungen mittels einer digitalen Lösung zu ermöglichen. In unserer Struktur geht es darum, bestehende oder neue Risiken in Form von einzelnen Forderungen, beispielsweise Kreditforderungen, ein Wertpapier (Asset Backed Security, ABS) zugrunde zu legen. Dadurch ermöglichen wir Kreditinstituten, ihre Risiken in neuen Anlageformen modular zu platzieren. Wir arbeiten daran, dass der Prozess vom Onboarding zur Emission über den Service bis zur Auszahlung automatisch abläuft. Über die Plattform können sich institutionelle Anleger aus dem angebotenen Kreditportfolio eine Anleihe entsprechend ihres Risiko-Rendite-Profils zusammenstellen. Auch bei hochwertigen STS-Verbriefungen sorgt die Plattform für genügend Transparenz hinsichtlich der dem Wertpapier zugrundeliegenden Vermögenswerte.

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Kapitel 2: Ablauf der Verbriefung

Verbriefungstransaktionen können im Detail sehr verschiedenen ausfallen und variieren dabei auf äußerst komplexem Niveau. Ebenso unterschiedlich kann die Motivation der Beteiligten ausfallen; die Verbriefungstransaktion wird auf diese Bedürfnisse abgestimmt.

An wen richten Sie sich mit Ihrem Angebot und warum?

Die Einzelverbriefung richtet sich an Originatoren von illiquiden Assets und an Anleger. Von zentraler Bedeutung für unsere Plattform als Originatoren sind Kreditinstitute. Die strengen regulatorischen Anforderungen wie Eigenkapitalquoten und Konzentrationsrisiken stellen limitierende Faktoren für deren Neugeschäft dar. Hier setzen wir an. Die Verbriefungen von Bestands- und neuen Krediten können dafür sorgen, dass Risiken die Bankbilanz durch den sogenannten True Sale verlassen können, und so die Eigenkapitalquoten entlasten. Auch größere Portfolien sind möglich. Aber die Einzelverbriefung ermöglicht ein individuelles Management und optimiert das Bankbuch durch einen passgenauen Refinanzierungskanal. Gleichzeitig können dabei Kundenbeziehungen gehalten werden. Denn die Bank bleibt bei Acatus "Lender of Record" und Servicer und somit Hauptansprechpartner für den Kunden. Außerdem ermöglicht die Acatus-Verbriefung der Bank eine flexible Kapitalmarktfinanzierung auch für Neugeschäft, weil sie, bevor sie den Kredit auf ihr Buch nimmt, über Acatus schon einen Marktpreis und einen Finanzierungszusage erhält.

Welche Kunden sprechen Sie noch an?

Auf der Anlegerseite stehen bei Acatus die institutionellen Investoren ganz klar im Fokus. Wir wünschen uns Anleger, die Erfahrung mitbringen. Wir sehen, dass vor allem diese Anleger das Angebot und die damit verbundenen Chancen der flexiblen Einzelverbriefung schätzen, da sie den Unterschied zur klassischen Verbriefung mit intransparenten Tranchen verstehen.

Ist die Plattform ein reiner Vermittler der Assets oder trägt der Marktplatz auch einen Teil der Risiken?

In Kooperation mit uns können Banken ihre Risiken umschichten und am Kapitalmarkt platzieren, indem wir diese in Anleihen der Acatus Securites S.A., einem Luxemburger Vehikel, verbriefen. Dabei geht die Plattform als Marktplatz selbst keine Risiken ein. Die Kreditforderung ist eins zu eins durch den Verkauf des Wertpapiers finanziert. Das Vehikel reicht Zins und Tilgung aus dem Kredit, abzüglich der Gebühren, direkt als Auszahlung des Wertpapiers an den Investor weiter. Damit trägt der Investor das Ausfallrisiko des Kredits, erhält als Kompensation aber auch den entsprechenden Zinssatz als Risikoprämie. In Deutschland tritt die Acatus GmbH als gebundener Vermittler auf und unterstützt so Anleger bei ihrer Anlageentscheidung. Die Entscheidung für die Investition in einen Kredit in Form von einer unserer Anleihen trifft jedoch allein der Investor.

Wie wollen Sie wachsen?

Wir gehen davon aus, dass unser Volumen der vergangenen Monate weiter anzieht und wir uns in dem europäischen Verbriefungsmarkt mit unseren bestehenden Kooperationspartnern weiter etablieren können. Ein großes Potenzial sehen wir in der Verbriefung illiquider Assets, die für Portfolio-Verbriefungslösungen, sei es aufgrund von Volumina oder aus anderen Gründen, grundsätzlich nicht in Frage kommen, durch die Einzelverbriefung jedoch am Kapitalmarkt in Form eines Wertpapiers platziert werden können. Wir denken, dass unser Angebot für jede Bank eine neue Chance zur flexiblen Kapitalmarktfinanzierung bietet. Wir wollen unser Angebot zu einem paneuropäischen Debt-Capital-Markets-Marktplatz aufbauen. Derzeit kooperieren wir vornehmlich mit Banken aus Deutschland, sind aber auch für Banken aus ganz Europa offen, die ihre Bestandskredite bei uns verbriefen möchten, um ihr Eigenkapital, ihre gewichteten Risikoaktiva (RWA) oder Liquiditätsdeckungsquote (LCR) zu entlasten oder eigenkapitalschonend mehr Neugeschäft zu machen.

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