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20.05.2020 | Kapitalmarkt | Im Fokus | Onlineartikel

Wer die Corona-Hilfen bezahlt

Autor:
Christian Kemper
2:30 Min. Lesedauer

Die wirtschaftlichen und sozialen Kosten der Virus-Pandemie sind enorm. Weltweit pumpen Regierungen ebenso wie Notenbanken hohe Summen in den Geldkreislauf. Fraglich ist, wer künftig die Rechnung dafür begleichen muss.

Die staatlichen Hilfsprogramme für Haushalte und Unternehmen haben historische Ausmaße erreicht. Damit soll die bevorstehende Rezession abgemildert und die Konjunktur möglichst schnell wieder angekurbelt werden. Doch wer letztendlich dafür bezahlen wird, ist unklar. Insbesondere in der Europäischen Union (EU) müssten finanziell starke Länder für die schwächeren aufkommen. Darauf arbeiten Deutschland und Frankreich als wirtschaftlich führende Mitglieder der Staatengemeinschaft nun gemeinsam hin.

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Europa steht in Krise zusammen

Der geplante EU-Geldtransfer von 500 Milliarden Euro soll den Sektoren und Regionen in der Staatengemeinschaft zugutekommen, die am stärksten von der Corona-Krise betroffen sind. Die Mittel werden als Teil des mehrjährigen EU-Haushalts verwaltet und über die Ausgabe von Anleihen durch die Europäische Kommission aufgebracht. Damit könnten Deutschland und Frankreich den sprichwörtlichen Rubikon überschritten haben, kommentiert Agnès Belaisch, Managing Director und Chief European Strategist des Barings Investment Institutes. "Europa wurde aus der Not geboren, und in der Not blüht es auf", schreibt sie in einer Mitteilung des US-amerikanischen Asset-Managers.

"Die deutsch-französische Initiative ist ein erheblicher finanzieller Kraftakt und zeigt den Willen Europas zum gemeinsamen Handeln", meint Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Nun müsse sichergestellt werden, dass die Mittel zielgerichtet mit dem größtmöglichen Wirkungsgrad eingesetzt werden.

Verschuldung ist jetzt sinnvoll  

Doch wer soll die Corona-Hilfen bezahlen? Diese Frage stellte sich Moritz Schularek, Direktor des Macrofinance Labs und Professor für Makroökonomie an der Universität Bonn, während eines Webinars des Leibniz Institutes for Financial Research SAFE an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.  Seine Antwort lautete: "Wir verschulden uns bei uns selbst." Denn die Corona-Hilfen würden finanziert über Steuergelder und Spareinlagen, die in einem zirkulären Prozesse weitergereicht werden. Um den exogenen Schock der Corona-Pandemie zu überwinden, hält Schularek solche Umverteilungen für sinnvoll. "Wir verschulden uns, um Einkommen zu glätten und produktive Kapazitäten zu erhalten", erläutert er.

Damit folgt Schularek den wirtschaftspolitischen Theorien des Keynesianismus des britischen Ökonomen John Maynard Keynes (1883–1946). "Zur Überwindung einer Depression schlägt Keynes vor, dass die Investitionstätigkeit gefördert wird, da diese als instabilste Komponente der Endnachfrage gilt und sie die größte Wirkung auf das Volkseinkommen sowie die Beschäftigungszahl hat", erläutert Janis Kesten-Kühne, Volkswirt an der Technischen Universität Clausthal, in seinem neuen Buch "Econ Sim".

Ob jetzt das Jahrzehnt der Schulden angebrochen ist, beantwortete Jakob Freiherr von Weizsäcker, Abteilungsleiter für Grundsatzfragen und internationale Wirtschaftspolitik im Bundesministerium der Finanzen, im SAFE-Webinar. Zwar sei die Schuldentragfähigkeit der EU aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen groß. Doch der Fiskus müsse künftig mehr tun, um die finanzielle Last auf mehr Schultern zu verteilen.  ​​​​

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier.

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Quelle:
EconSim

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