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02.12.2019 | Kapitalmarkt | Im Fokus | Onlineartikel

Start-ups in der Wachstumsphase fehlen Kapitalgeber

Autor:
Barbara Bocks
3 Min. Lesedauer

In Deutschland werden zwar viele High-Tech-Produkte von jungen Start-ups entwickelt. In der weiteren Entwicklung finden sie allerdings die Kapitalgeber meist nur im Ausland. Schuld ist auch die strenge Regulierung des europäischen Finanzmarkts.

Am 10. November hat die Große Koalition einen Beschluss gefasst, der mit Spannung erwartet wurde. Sie hat sich an diesem Tag nicht nur auf die Grundrente geeinigt, sondern unter anderem auch auf eine Absichtserklärung für einen so genannten "Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien" in Höhe von zehn Milliarden Euro.

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Und ein solcher Fonds tut auch Not. Denn 38 Prozent der 2.000 befragten Gründer empfinden es laut des aktuellen Deutschen Start-up Monitors als große Hürde, das nötige Kapital zu beschaffen. Dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozentpunkte gestiegen. Zu diesen Ergebnissen kommen der Bundesverband Deutsche Start-ups und die Beratungsgesellschaft PwC in der gemeinsamen Studie, die am 4. November vorgestellt wurde. Knapp zwei Drittel der Befragten haben laut der Erhebung ein digitales Geschäftsmodell und beschäftigen sich unter anderem mit Künstlicher Intelligenz, Virtual Reality oder Blockchain.

Mangels Investoren wandern Entwicklungen ins Ausland  

"Gerade junge Hightech-Firmen haben oft Schwierigkeiten, hierzulande Investoren mit einem langen Atem zu finden“, sagt Paul Wolter, Teamleiter Politik und Kommunikation beim Bundesverband Deutsche Start-ups, gegenüber springerprofessional.de. Das führe dann dazu, dass in Deutschland beispielsweise an Universitäten innovative Technologien entwickelt, dieser aber anschließend in Amerika weiterentwickelt und vermarktet werden. Auch ein Großteil der Erlöse landet dort. Das Datenformat "MP3" sei dafür ein Beispiel. Bei vielen modernen Technologien könne es mitunter zehn Jahre dauern, bis ein vermarktbares Produkt entstanden sei.

Über alle Branchen hinweg klafft immer noch eine Finanzierungslücke für Wachstumsfinanzierungen in Start-up-Unternehmen in Deutschland. Diese wird Wolter zufolge weiterhin "mehr schlecht als recht" vor allem durch ausländische Fonds unter anderem aus China und Amerika gefüllt. "Für Investitionen ab 15 oder 30 Millionen Euro sind die deutschen Venture-Capital-Fonds zu klein", sagt Wolter. Grund hierfür seien die zu kleinen Fondsgrößen der deutschen Wagniskapitalgeber. "Nur größere Fonds ab beispielsweise einem Volumen von 500 Millionen Euro sind in der Lage große Finanzierungsrunden in der Later Stage mitzuzeichnen, ohne ihre Risikoallokation zu gefährden", erläutert der Experte.

In der Wachstumsphase benötigen Start-ups bis zu 100 Millionen Euro

In der Frühphase benötigen Unternehmen im Durchschnitt eine bis fünf Millionen Euro Kapital, heißt es in der Titelgeschichte "Wer sich als Partner für Gründer positioniert" der der Sommer-Ausgabe des Bankmagazins. Für die erste Wachstumsphase sind in der Regel zwischen 20 und 30 Millionen Euro nötig. Doch insbesondere Unternehmen aus dem High-Tech- oder Gesundheitssektor haben oftmals einen Kapitalbedarf von bis zu 100 Millionen Euro.

Für große Jungunternehmen, die knapp zehn Jahre am Markt sind und hohe Umsätze generieren, gibt es Wolter zufolge als Finanzierungsmöglichkeit auch Venture Debt, also Kredite mit erhöhtem Risikozinsaufschlag. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Veganz. Der Anbieter für pflanzliche Lebensmittel hat über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch im Oktober diesen Jahres insgesamt knapp zwei Millionen Euro von 1.233 Investoren erhalten. Vor allem in Deutschland und Europa sei das, im Gegensatz zu Amerika, aber "eine sehr seltene Form der Zwischenfinanzierung".

Regulierung macht Start-up-Investments für Banken uninteressant

In Amerika ist der Venture-Capital-Markt (VC) Wolter zufolge vor allem deshalb so groß, weil dort Pensionsfonds fünf Prozent ihres Vermögens in VC anlegen. Deutsche institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen oder Stiftungen investieren laut Wolter "so gut wie gar nicht in die Anlageklasse Wagniskapital". Das liege unter anderem auch an europäischen Vorschriften wie Solvency 2. 

Auch Kreditinstitute sind laut Regina Hodits, General Partner der Fondsgesellschaft Wellington Partners, weniger aktiv im VC-Markt, wie sie in der Bankmagazin-Titelgeschichte betont: "Wenn Banken und Sparkassen in VC-Fonds investieren, wird das wegen des Basel-III-Regelwerks beziehungsweise der Kapitaladäquanz-Richtlinie als Hochrisiko-Investment eingestuft."

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