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Über dieses Buch

Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, inwieweit der Zugang zu transnationalem Humankapital von der sozialen Klassenposition der Eltern abhängt und mit welchen Erziehungspraktiken die mittleren und oberen Klassen ihre Kinder auf eine globalisierte Welt vorbereiten und so neue Distinktionsgewinne erzielen können.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Prolog

Zusammenfassung
Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen und andere vergleichbare Fertigkeiten, die wir zusammenfassend als „transnationales Humankapital“ bezeichnen, haben im Zeitverlauf an Bedeutung gewonnen. In unserer Studie gehen wir der Frage nach, inwieweit der Erwerb von transnationalem Humankapital bei Jugendlichen von der sozialen Klassenposition der Eltern abhängig ist. In diesem Kapitel erläutern wir den theoretischen Rahmen, der dem Buch zugrunde liegt und der durch die Arbeiten Pierre Bourdieus inspiriert ist. Neben der Darstellung unserer Konzeption von transnationalem Humankapital knüpfen wir einerseits an Bourdieus Kapitalien- und Klassentheorie, andererseits an sein Konzept sozialer Felder an, modifizieren und ergänzen diesen Theorierahmen aber zugleich an einigen Stellen. Abschließend platzieren wir unsere Studie in den Kontext des Forschungstandes.
Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson

2. Veränderte Kontexte: Die wachsende Nachfrage nach transnationalem Humankapital und das Distinktionsbedürfnis der mittleren und oberen Klassen

Zusammenfassung
Die Frage, durch welche veränderten Rahmenbedingungen transnationales Humankapital überhaupt zu einer bedeutsamen Ressource wurde, steht im Mittelpunkt dieses Kapitels. Wir gehen zuerst auf die Rolle von Globalisierungsprozessen ein, verweisen zweitens auf veränderte Ausbildungs- und Berufsprofile, die zunehmend transnationale Kompetenzen und kosmopolitische Orientierungen erfordern, und argumentieren drittens, dass aufgrund der Bildungsexpansion und der Entwertung vormals knapper Bildungszertifikate transnationalen Kompetenzen heutzutage eine besondere Distinktionsfunktion zukommt. Diese Veränderungen sollten die Nachfrage nach transnationalem Kapital auf dem Arbeitsmarkt erhöht haben. Mithilfe einer Analyse von Stellenanzeigen in je zwei deutschen und niederländischen Zeitungen für den Zeitraum von 1960 bis 2014 sowie einer Auswertung von Eurobarometer-Daten können wir diese Erwartung empirisch bestätigen und zugleich wichtige Unterschiede abhängig vom Qualifikationsniveau des Berufs, der Arbeitsmarktbranche und dem Länderkontext nachweisen.
Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson

3. Die Herkunft macht den Unterschied: Kapitalien, Klassenlage und die Chancen des Erwerbs von transnationalem Humankapital

Zusammenfassung
Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Frage, inwieweit soziale Ungleichheiten den Erwerb von transnationalem Humankapital bei Jugendlichen prägen und welche konkreten Ungleichheitsfaktoren diesbezüglich von Relevanz sind. Die theoretische Fundierung unserer empirischen Analysen bildet Pierre Bourdieus Klassen- und Kapitalientheorie. Wir untersuchen zunächst, in welchem Maße die Kapitalienausstattung von Familien den Zugang von Jugendlichen zu Schüleraustauschprogrammen beeinflusst; hierzu greifen wir auf die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zurück. Im nächsten Schritt ergänzen wir unsere Betrachtungen durch eine Analyse des Zugangs zu Kindertagesstätten mit bilingualen oder anderen fremdsprachlichen Programmen. Diese zweite Analyse beruht auf Daten der Studie „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A). Abschließend untersuchen wir mithilfe von Eurobarometer-Daten, ob junge Europäer je nach Herkunftsland unterschiedliche Chancen haben, an einem längerfristigen schulischen Auslandsaufenthalt teilzunehmen. Insgesamt zeigen unsere Analysen signifikante soziale Ungleichheiten und deutliche Klassenunterschiede im Zugang junger Menschen zu transnationalem Humankapital.
Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson

4. Strategische Investitionen: Klassenlage und der Alltag der familialen Erziehungspraxis

Zusammenfassung
Am Beispiel des Auslandsschuljahres rekonstruieren wir in diesem Kapitel die spezifischen familialen Prozesse und Erziehungsstile, die in Abhängigkeit von der Klassenlage den Erwerb von transnationalem Humankapital begünstigen bzw. verhindern. Grundlage hierfür bilden Leitfadeninterviews mit Eltern aus unterschiedlichen sozialen Klassen. In theoretischer Hinsicht knüpfen wir vor allem an die Arbeiten Annette Lareaus an. Die Analyse erfolgt in zwei Schritten: Zunächst gehen wir mittels einer Prozessanalyse der Frage nach, wie das Thema „Auslandsschuljahr“ – je nach Kapitalausstattung, klassenspezifischem Erziehungsstil und bestimmten Handlungsstrategien – innerfamiliär verhandelt und gegebenenfalls umgesetzt wird. Anschließend präsentieren wir drei Typen von Familien – die „transnational Versierten“, die „Exkludierten“ und die „Ambitionierten“ -, die jeweils eine klassenspezifische Form des Umgangs mit dem Thema „Auslandsschuljahr“ darstellen.
Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson

5. Die „Broker“: Entstehung und Struktur eines sozialen Feldes von Vermittlern von transnationalem Humankapital

Zusammenfassung
Wir konzentrieren uns in diesem Kapitel auf eine Analyse von Institutionen und Organisationen, die sich auf die Vermittlung von transnationalem Humankapital spezialisiert haben. Wir beschreiben zunächst, wie Internationalisierungs- und Vermarktlichungstendenzen das Bildungsangebot in Bezug auf den Erwerb transnationaler Kompetenzen verändert haben. Anschließend gehen wir ausführlicher auf das Feld derjenigen Organisationen ein, die die Vermittlung von Schülern ins Ausland professionell organisieren. Dazu greifen wir auf Pierre Bourdieus Konzept des sozialen Feldes zurück. Nach einer Rekonstruktion der historischen Entstehung und Expansion dieses Anbieterfeldes beschreiben wir seine derzeitige Binnenstruktur, die drei verschiedene Feldsegmente aufweist - das „Basissegment“, das „Wahlsegment“ und das „Premiumsegment“. Diese Segmente unterscheiden sich im Preisniveau, dem Betreuungsangebot, in der Rechtsform sowie in ihrer entsprechenden Ausprägung der feldspezifischen Illusio und stehen dadurch in einem Homologieverhältnis zur Klassenlage der nachfragenden Klientel.
Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson

6. Lohnt sich der frühe Weg nach draußen? Renditen des Erwerbs von transnationalem Humankapital

Zusammenfassung
In welchem Maße lohnt sich der Erwerb von transnationalem Humankapital; inwieweit wirft sein Besitz entsprechende Renditen ab und führt dadurch - angesichts der sozial ungleichen Erwerbschancen - zur Reproduktion sozialer Klassen? Wir bilanzieren in diesem Kapitel eine Vielzahl vorliegender Studien und unterscheiden diesbezüglich drei verschiedene Renditeformen: Erstens diskutieren wir, inwieweit transnationales Humankapital eine Tendenz zur weiteren Vermehrung im Lebensverlauf hat. Zweitens fragen wir, inwieweit transnationales Humankapital in andere Kapitalformen konvertierbar ist, ob also der Erwerb transnationaler Kompetenzen zur Vermehrung des ökonomischen, kulturellen, sozialen und symbolischen Kapitals einer Person beiträgt und ihre politischen Partizipationsmöglichkeiten verbessert. Drittens widmen wir uns der Frage, in welchem Maße transnationales Humankapital mit einem gesamtgesellschaftlichen Mehrwert verbunden ist. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Verfügung über transnationales Humankapital ist mit vielfältigen Vorteilen für die betreffenden Personen wie auch Gesellschaften verbunden.
Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson

7. Epilog

Zusammenfassung
Wir fassen in diesem Kapitel die Ergebnisse unserer Analysen zusammen und diskutieren mögliche politische Konsequenzen. Da davon auszugehen ist, dass sich Globalisierungsprozesse in Zukunft fortsetzen werden, wird auch die Bedeutung von transnationalem Humankapital als eine zentrale Ressource gesellschaftlicher Teilhabe weiter zunehmen. Unsere Analysen haben deutlich gemacht, dass der Erwerb transnationaler Kompetenzen bei Jugendlichen entscheidend von der Kapitalienausstattung ihres Elternhauses abhängt und vor allem von der Höhe des Einkommens und Vermögens. Dies wiederum ist der Tatsache geschuldet, dass sich staatliche Institutionen bislang weitgehend aus der Vermittlung transnationaler Kompetenzen herausgehalten und dieses Feld privaten Bildungsträgern und Vermittlungsorganisationen überlassen haben. Will man die sozialen Unterschiede im Zugang zu transnationalem Humankapital verringern, sollte seine Vermittlung stärker als bislang eine zentrale Aufgabe staatlicher Bildungsinstitutionen werden.
Jürgen Gerhards, Silke Hans, Sören Carlson

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