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26.04.2021 | Kleb- und Dichttechnik | Nachricht | Onlineartikel

Kleben statt Stopfen in der Automobilindustrie

Autor:
Dr. Hubert Pelc
2 Min. Lesedauer

Jedes Jahr müssen weltweit mehr als 10 Milliarden Löcher in Autokarosserien zum Schutz vor Korrosion geschlossen werden. Üblicherweise erfolgt dies immer noch in Handarbeit mit sperrigen Stopfen aus Kunststoff. Die Alternative: Klebepads, die ein Roboter schnell und zuverlässig verklebt. 

Das Verschließen von Löchern in Autokarosserien, die für den E-Coat-Lackierprozess notwendig sind, ist ein zeit-, kraft- und personalintensiver Vorgang. Pro Schicht drücken die Arbeiter mit ihrem Daumen mehr als 3.500 Stopfen in die Löcher. Dabei wenden sie einen Druck pro Stopfen auf, der 7 Kilogramm entspricht – eine enorme ergonomische Belastung. 
Porsche habe nun nach eigenen Angaben gemeinsam mit seinem langjährigen Zulieferer Tesa ein innovatives robotergestütztes Fertigungsverfahren am Stammsitz in Zuffenhausen entwickelt. Der vollelektrische Porsche Taycan sei das erste Fahrzeug weltweit, bei dem eine neue Automatisierungstechnik zum Einsatz komme, die den Lochverschluss und somit die gesamte Produktion optimiere. Bis zum Sommer 2021 will Porsche dieses neue Konzept auch im Werk Leipzig umsetzen. 

Hitzebeständige, leichte Klebepads fördern auch die E-Mobilität

Im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoff-Stopfen böten die Klebepads von Tesa eine Reihe von Vorteilen. Während Stopfen stets passgenau sein müssten, sei es möglich, mit einer Padgröße unterschiedliche Lochgrößen überlappend zu verschließen. Das reduziere die Gesamtkomplexität und spare Zeit. Darüber hinaus böten die Klebepads zusätzliche Benefits. Das Basisprodukt ‘PunctureGuard‘ sorge für Korrosionsschutz durch perfekte Abdichtung bei gleichzeitig hoher mechanischer Festigkeit und guten geräuschdämpfenden Eigenschaften. Zudem seien diese nur einen Millimeter dünnen, aber extrem belast- und ein Autoleben lang haltbaren Klebepads wesentlich leichter als die etwa sechs Millimeter dicken Stopfen. Für E-Autos sei dies von großer Relevanz, denn jedes Gramm mehr bedeute einen Verlust an Reichweite. Das Tesa-Spezialprodukt ‘FireGuard‘ halte nach Angaben des Herstellers Flammen von bis zu 500 °C sechs Minuten lang stand und schütze somit den Fahrgastraum, damit Fahrer und Passagiere das Fahrzeug verlassen können, falls eine defekte Batterie in Brand gerate.

“Unsere automatische Applikationseinheit ‘EfficienSeal‘ garantiert dem Kunden, dass Löcher effektiv abgedichtet werden", erklärt David Caro, Corporate Vice President der Tesa Business Unit Automotive. “Auch die Positioniergenauigkeit ist im Vergleich zum manuellen Prozess deutlich höher: 100-prozentige Dichtigkeit bei der Hälfte der Zeit.“ Durch schnelles Wechseln der Applikationsköpfe könne der Roboter unterschiedliche Pads bedarfsgerecht verkleben – je nach Fahrzeugtyp beziehungsweise Anzahl und Größe von Löchern in der Karosserie.
 

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.12.2020 | Anlagen- und Gerätetechnik | Sonderheft 3/2020

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