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20.02.2023 | Klimaschutz | Schwerpunkt | Online-Artikel

Manager hadern mit den Kosten für Klimaschutz

verfasst von: Andrea Amerland

3:30 Min. Lesedauer

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Nachhaltigkeit ist gut und schön - würde sie bloß nicht so viel kosten. Auf diese Kurzformel lassen sich die Ergebnisse einer globalen Studie unter Managern bringen. Dementsprechend inkonsequent agieren Unternehmen beim Klimaschutz. Dabei ist Sustainability nicht nur notwendig, sondern rechnet sich auch. 

Immerhin 64 Prozent der Entscheider weltweit sagen laut der Studie "A World in Balance - Why sustainability ambition is not translating to action" des Beratungsunternehmens Capgemini, dass Nachhaltigkeitsziele Teil ihrer Geschäftsstrategien seien. Und auch in Deutschland äußern sich 60 Prozent der befragten Manager in diesem Tenor.

Während weltweit 77 Prozent der Führungskräfte im Dienstleistungssektor die Notwendigkeit  für nachhaltiges Handeln sehen, haben es in der Telekommunikationsbranche 68 Prozent, im Bereich Luft- und Raumfahrt sowie in der Automobilindustrie jeweils 66 Prozent auf der Agenda. Zudem stufen 62 Prozent der Manager im Finanzsektor, 59 Prozent im Bereich Verbrauchsgüter sowie 57 Prozent in der industriellen Produktion Sustainability als relevant für die C-Suite ein.

Doch wenn es um konkrete Maßnahmen für mehr Klimaschutz geht, klafft zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine große Lücke, fördert die Studie zutage, für die zwischen August und September 2022 in zwölf Ländern rund 2.000 Manager aus 668 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde US-Dollar befragt wurden.

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Geschäftsmodelle längst noch nicht nachhaltig

So gibt es erst bei knapp der Hälfte (51 Prozent) der deutschen Firmen einen gezielten Drei-Jahres-Plan für Klimaschutz. Lediglich 46 Prozent sind dabei, ihre Geschäftsmodelle nachhaltiger zu gestalten. Als Hürde erweisen sich dabei die typischen Silos in Organisationen. Hierzulande verfügen etwa nur 49 Prozent der Befragten über nachhaltigkeitsbezogene Daten, die jedem Beschäftigten zugänglich sind. 

Wird in Klimaschutz investiert, geschieht dies bei 63 Prozent der deutschen Manager auf Druck der Beschäftigten oder um künftige Bewerber anzusprechen. Aber vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen zwingen laut 67 Prozent der Befragten Unternehmen zum Handeln. Eine weitere Motivation sind für rund die Hälfte der deutschen Unternehmenslenker mehr Wachstum und höhere Einnahmen.

Aber nur jeder Fünfte (international: 21 Prozent; Deutschland: 18 Prozent) spricht Nachhaltigkeit einen Nutzen zu und 51 Prozent der Entscheider in der Bundesrepublik monieren sogar, dass die Sustainability-Kosten den potenziellen Nutzen eindeutig übersteigen. Dabei zeigt die Capgemini-Studie wie auch andere Analysen auf, wie erfolgreicher Unternehmen sind, die Klima und Ressourcen im Blick haben. 

Was ist Sustainable Leadership?

Eine zukunftsfähige Führung sieht anders aus, urteilt Wilfried Mödinger, Professor und Direktor des Institute of Sustainable Leadership an der Steinbeis Hochschule Berlin. "Zukunftsfähig ist nachhaltig, nachhaltig ist zukunftsfähig", schreibt in einem Buchkapitel über Sustainable Leadership. Der Begriff 'sustainable' habe zwei Seiten. Zum einen gehe es dabei um die CO2-Reduktion oder die gesellschaftliche Verantwortung. Zum anderen ist der sprachliche Ausdruck "im Sinne von zukunftsfähiger Führung als eine Aufgabe des General Management" zu verstehen. Mödinger definiert: 

Zukunftsfähige Führung oder Sustainable Leadership hat keinen Selbstzweck, sondern dient der Leistungserbringung unter dem besonderen Aspekt der Nachhaltigkeit im Blick auf Menschen, Umfeld und Natur."

Notwendigkeit für nachhaltiges Wirtschaften

Die Notwendigkeit, nachhaltig zu handeln, ist in der Management-Literatur unbestritten. Olaf Eisele vom ifaa - Institut für angewandte Arbeitswissenschaft, betont, dass Unternehmen an ESG-Zielen (Environment, Social, Governance) nicht vorbeikommen. "Um die umfangreichen Herausforderungen der Zukunft in Unternehmen zu meistern, ist ein Managementkonzept erforderlich, mit dem die beschriebene Komplexität der Rahmenbedingungen und Anforderungen beherrscht, Chancen genutzt und Risiken für Unternehmen reduziert werden", schreibt er über die Grundlagen von Nachhaltigkeit und Managementsystemen (Seite 3). 

Um so verwunderlicher ist die abwehrende Haltung, die Entscheider in der Capgemini-Umfrage an den Tag legen. Denn die Notwendigkeit für nachhaltiges Wirtschaften von Unternehmen ergebe sich aus unterschiedlichsten Anforderungen, so Eisele. Von Politik, Gesellschaft, Gesetzgebung, Mitarbeitern und Kunden. "Unternehmen, die diese Anforderungen nicht erfüllen, gefährden dadurch unter Umständen ihre wirtschaftliche Existenz und ihr Fortbestehen. Ziele und Nutzen eines nachhaltigen Wirtschaftens von Unternehmen sind für den Springer-Autor (Seite 4):

  • Erhaltung der betrieblichen Existenzgrundlage und Ressourcen,
  • Sicherung und Verbesserung des wirtschaftlichen Betriebserfolgs,
  • Wohlergehen und Zufriedenheit von unternehmensrelevanten Interessengruppen.

So sieht es auch Lukas Birn, Sustainability Lead bei Capgemini in Deutschland. "Alle Unternehmen müssen ihre Geschäftsmodelle zeitgemäß neu ausrichten, um nachhaltige Produkte und Services zu entwickeln. Für diese Investition in die Zukunft brauchen sie Etappenziele und eine realistische, umfassende Nachhaltigkeitsstrategie."

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