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Über dieses Buch

Mit welchen Folgen des Klimawandels kämpfen Bewohner flacher Inseln sowohl im Pazifik wie auch in der Nordsee? Dieses Sachbuch klärt auf einfühlsame Weise anhand von ganz persönlichen Geschichten über den Klimawandel im Allgemeinen und über die konkreten Auswirkungen für die Inselbewohner auf. Ruita Maawa aus Marakei muss zusehen, wie das vordringende Meer langsam das angestammte Familienland und ihr Haus wegspült. Tetaua Lara aus Kiritimati vertreibt das durch El Niño bedingte warme Wasser die Fische in der Lagune, so dass er nicht mehr weiß, wohin er die Touristen auf seinen Flugangeltouren bringen soll. Für Halligbewohner dagegen geht das Leben weiter wie bisher, sie füllen bei Sturmflutalarm die Badewanne mit Trinkwasser und verschotten ihre Häuser. Im Gegensatz zu den Atollbewohnern sind sie seit Jahrhunderten daran gewöhnt, dass ihre Insel regelmäßig unter Wasser steht.Auf meinen Reisen habe ich mit vielen Menschen über ihr Leben und die Veränderung des Klimas gesprochen und viele Folgen des Klimawandels selber beobachtet. Für die Bewohner flacher Inseln sind die Folgen des Klimawandels nicht länger ein abstraktes Konstrukt der Zukunft, sondern sind längst spürbar geworden, was mir durch etliche Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vor Ort bestätigt wurde. Viele Probleme sind dabei für die Bewohner der Südsee und der Nordsee identisch, aber wie gehen sie damit um? Welche Unterstützung steht ihnen im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels zur Verfügung? Und wie sehen Betroffene die Zukunft?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Der Klimawandel – Ursprung allen Übels

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1. Was passiert mit dem Wetter? – Grundlagen des Klimawandels

Die Symptomen des Klimawandels können wir überall sehen: stärkere Stürme, geschädigte und sterbende Korallenriffe, wärmere Meere, eine sich verändernde Ozeanchemie, mehr Starkregen und weniger leichter Regen, größer werdende Trockengebiete, geringerer Basisdurchsatz von Flüssen, tauender Permafrostboden, schmelzende Gletscher und Polkappen, häufigere und stärkere Hitzewellen, häufigere Wald- und Flurbrände, veränderte Verbreitungsgebiete von Pflanzen und Tiere, veränderte Migrationsmuster von Tieren und längere Vegetationsperioden. Schuld an allen diesen rasant voranschreitenden Veränderungen sind zu hohe Treibhausgaskonzentrationen in der Erdatmosphäre, die zu einer Erwärmung des Systems Erde führen.
Gabriele Kerber

2. Die Ozeane werden saurer – Des Klimawandels Zwilling

Wenn die Meere überschüssiges CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, entsteht Kohlensäure. Das Wasser wird saurer. Ozeanversauerung kann für einige Arten wie Quallen und giftige Algenarten von Vorteil sein. Aber für andere Arten wie Korallen und Weichtiere, die Calciumcarbonat benötigen, richtet sie beträchtlichen, direkten Schaden an. Denn die Organismen in den Meeren sind an den bisherigen pH-Wert angepasst und in vielen Fällen dürften Anpassung und Evolution nicht schnell genug sein, um ein Überleben wie bisher zu ermöglichen. Die Artenzusammensetzung in den Meeren verändert sich schon heute massiv, egal wo wir hinschauen.
Gabriele Kerber

Großer Staat mit wenig Land – Kiribati

Frontmatter

3. Unbekannte Inselwelt – Die Republik Kiribati

Mitten im Pazifik leben 110.000 Menschen in einem Land namens Kiribati. Vor mehreren Tausend Jahren kamen Menschen aus Südostasien auf die ersten der 33 Inseln des heutigen Staates und bauten in der lebensfeindlichen Umgebung eine eigene Kultur auf. Sie widerstanden den massiven Veränderungen, die die Klimaveränderungen der letzten 2000 bis 5000 Jahre mit sich brachten. Vor rund 200 Jahren kamen dann Walfängern zu den Inseln, gefolgt von Missionaren und einer britischen Kolonialregierung. Die Inseln wurden in den ersten und zweiten Weltkrieg hineingezogen, auf einigen wurden Atombombentests durchgeführt. 1979 wurden die Inseln endlich unabhängig, gerade, als die Auswirkungen des Klimawandels anfingen sich bemerkbar zu machen – ein Problem für ein Land, das fast nur aus Meer und Küste besteht und im Durchschnitt drei Meter über dem bisherigen Meeresspiegel liegt.
Gabriele Kerber

4. Marakei – Das traditionelle Kiribati

Die Menschen auf Marakei leben noch relativ traditionell: Sie leben in selbstgebauten Holzhäusern aus Kokosholz und Pandanenblättern, sie betreiben Agroforstwirtschaft und Landwirtschaft, sie gehen fischen. Aber das traditionelle Leben wir schwerer – einerseits durch die Verlockungen der bequemen Welt des globalen Nordens, andererseits durch die Auswirkungen der Kolonialzeit, die grundlegende Veränderungen bewirkt hat, die heute die Widerstandsfähigkeit der I-Kiribati gegen die Folgen des Klimawandels dramatisch senken. Diese Folgen sind in Marakei derzeit in erster Linie die Erosion der Küste und die Versalzung des Grundwassers.
Gabriele Kerber

5. Dicht gedrängtes Stadtleben – Süd-Tarawa

Süd-Tarawa ist die Hauptstadt der Republik Kiribati und hoffnungslos überbevölkert. Bauland ist knapp, zu viele Häuser stehen auf minderwertigem Land und werden regelmäßig überflutet, das Grundwasser ist mit organischen und chemischen Substanzen verseucht, nur ein Teil der Bevölkerung verfügt über sauberes Trinkwasser, wegen des Landmangels gibt es kaum Landwirtschaft, weshalb die Bevölkerung komplett von billiger Importnahrung abhängig ist, die zu Diabetes, Herz-Kreislauf- und andere Erkrankungen führen. Die durch den Klimawandel verursachten häufigeren Überflutungen nicht nur der sehr flachen Inselteile und die größere Hitze verstärken die schon vorhandenen Probleme und es entsteht ein Teufelskreis aus zu viel Menschen und sich veränderndem Klima, dem kaum zu entkommen ist.
Gabriele Kerber

6. Mitten im Nirgendwo – Kiritimati

Gut 6500 Menschen und 13 Millionen Seevögel kämpfen schon heute auf Kiritimati, dem größten Atoll der Erde, mit den Folgen des Klimawandels, in erster Linie mit den intensiveren El Niño Ereignissen der vergangenen Jahrzehnte. Besonders der 2015/16 El Niño hat die Insel getroffen, mit monatelangem Starkregen, dauerhaften Überschwemmungen und erhöhtem Meeresspiegel. Viele Menschen von anderen Inseln des Landes ziehen nach Kiritimati, da die Insel bessere Voraussetzungen hat, dem Klimawandel zu widerstehen, als die meisten anderen. Aber ob die Bevölkerung und Regierung es schaffen die Insel nachhaltig sozial und wirtschaftlich zu entwickeln, unter den verschärften Bedingungen des Klimawandels, bleibt fraglich.
Gabriele Kerber

7. Die Zukunft Kiribatis

Über kurz oder lang wird der Klimawandel die Inseln der Republik Kiribati unbewohnbar machen und letztendlich wird das Meer sie verschlucken. Aber ob das noch dieses Jahrhundert oder erst im nächsten passiert, hängt von der Höhe des Meeresspiegelanstiegs und den Anpassungsmaßnahmen ab, die jetzt durchgeführt werden. Reaktionen auf die schwerer werdenden Lebensbedingungen, die heute diskutiert werden, reichen von Migration der gesamten Bevölkerung über die Erhöhung einzelner Inseln bis zum Bau künstlicher, schwimmender Inseln. Für alle diese Maßnahmen braucht Kiribati aber die finanzielle, technische und operative Hilfe der Verursacher des Klimawandels, der luftverschmutzenden Staaten vor allem des globalen Nordens.
Gabriele Kerber

Von Sanden und Marschen – Deutsche Nordseeinseln

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8. Hoch im Norden – Ein kleiner Überblick über die Nordsee

Doch Klimawandel findet nicht nur weit entfernt im Pazifik statt, sondern auch vor unserer Haustüre. Die meisten Nordseeinseln sind flach und kämpfen mit ähnlichen Problemen wie die Atolle Kiribatis. Hier lässt der Klimawandel schon heute spürbar den Meeresspiegel steigen und bringt damit höhere Sturmfluten. Die Temperaturen werden deutlich milder, Frost wir selten und statt der früheren Herbst- und Frühlingsstürme kommen Stürme jetzt rund ums Jahr vor. Dank anderer finanzieller, sozialer und technischer Möglichkeiten gehen die Bewohnerinnen und Bewohner der Inseln jedoch anders mit den Folgen des Klimawandels um als ihre Pendants im Pazifik.
Gabriele Kerber

9. Insel der Sommerfrische – Borkum

Derzeit profitiert Borkum vom Klimawandel: die Saison ist länger, da die milden Tage früher anfangen und später im Jahr aufhören. Dem steigenden Meeresspiegel und auch den stärker werdenden Sturmfluten stellt sich Borkum so entgegen, wie seit Jahrhunderten: mit immer massiveren Küstenbefestigungen. Befestigte Dünen, Deiche und Buhnen sollen die Erosion verhindern und die natürlich wandernde Insel am Ort halten, nicht nur zum Schutz der Menschen, sondern auch der Schifffahrtsstraßen, die nahe der Insel verlaufen: Aufrüstung gegen die Natur auf Steroiden.
Gabriele Kerber

10. Das Meer klopft an – Die Hallig Hooge

Die Halligen sind die flachsten Inseln der deutschen Nordsee, nur 1–2 m über dem mittleren Tidenhochwasser. Anders als beispielsweise Borkum wurde und wird hier nicht auf Befestigung gesetzt, um das Meer auszusperren. Im Gegenteil, regelmäßig werden die Halligen bei Sturmfluten überschwemmt – nur die Warften ragen dann noch aus dem Wasser. Trotzdem die Hallig Hooge mit einem Sommerdeich umgeben wurde, ist das der Fall, wenn auch nur noch rund fünf Mal pro Jahr. Aber wie lange werden die Warften, auf denen die Häuser stehen, die Bewohnerinnen und Bewohner noch schützen? Die Sturmfluten laufen höher auf und entsprechend müssen die Warften weiter erhöht werden – aber auch andere Maßnahmen zum Schutz der Häuser werden diskutiert, von natürlichen und sanften bis zu hydraulisch gehobenen Schutzmauern oder Warftkronen.
Gabriele Kerber

11. Nordseeinseln der Zukunft

Mit zunehmender Wärme könnten die Nordseeinseln über kurz oder lang zum Urlaubsziel derer werden, die bisher das Mittelmeer genossen haben. Aber der Klimawandel könnten auch zu Massensterben von Fischen führen, zur massiven Verbreitung von Quallen und giftigen Algen, zu häufigerem Starkregen und Stürmen im Sommer und zu einem unruhigeren Meer, dass Wassersport wie Kite-Surfen, Windsurfen und Schwimmen erschwert oder häufiger unmöglich macht.
Gabriele Kerber

12. Was bleibt? – Zum Schluss

Die Halligen, von der ich annahm, sie müssten als Erstes aufgegeben werden, dürften wohl diejenige sein, die am besten auf die Zukunft vorbereitet sind. Die Menschen hier leben seit Jahrhunderten mit dem Wasser und versuchen nicht wie die Bewohner der Ostfriesischen Inseln oder die der pazifischen Atolle, das Wasser von ihrer Insel fernzuhalten. Sie akzeptieren, dass es regelmäßig vor der Haustür steht. Vielleicht liegt in dieser Akzeptanz auch der Weg für die anderen Inseln, mit dem steigenden Meeresspiegel umzugehen? Indem Anpassung nicht nur Schutz oder Flucht bedeuten, sondern Wege gefunden werden, die dem Wasser bei besonders hohen Sturm- oder Springfluten das Eindringen erlaubt, ohne dass es die Insel und die Lebensgrundlage der Menschen zerstört.
Gabriele Kerber

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