Zum Inhalt

Klimawandel und Biodiversität sind zusammen zu denken

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …

Zwei der größten Herausforderungen für die Menschheit sind der fortschreitende Klimawandel und die Bedrohung der Artenvielfalt. Eine gemeinsame Analyse des Weltklimarats und des Weltbiodiversitätsrats macht deutlich, dass die beiden Themen nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.

Ergebnis eine Workshop-Berichts: Die Herausforderungen Klimawandel und Biodiversität sind gemeinsam anzugehen. 


Es war ein Novum: Im Dezember 2020 trafen sich erstmals 50 Expertinnen und Experten des Weltklimarats (IPCC) und Weltbiodiversitätsrats (IPBES), um gemeinsam die Synergien und Zielkonflikte zwischen dem Schutz der biologischen Vielfalt und der Abschwächung und Anpassung an den Klimawandel zu untersuchen. Aus dieser Zusammenkunft ist der Workshop-Report "Biodiversity and Climate Change" hervorgegangen, der im Juni 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Empfehlung der Redaktion

2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Umsetzung

Es gibt viele Lösungsansätze, um die klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren oder gar gegen Null zu bringen. Ein Teil davon sind technische Lösungen, wie E-Mobilität, Photovoltaikanlagen, Windräder, Geräte mit geringerem Stromverbrauch, Dämmung des Wohnraumes gegen Energieverlust, etc. Es werden Tausende von Bäumen aufgeforstet, um CO2 zu speichern und um Sauerstoff zu produzieren.

Die Kernbotschaft des Berichts ist nach Ansicht der deutschen Ko-Autoren: Der Kampf gegen die Erderwärmung und für eine nachhaltige Entwicklung kann nur gelingen, wenn die Menschheit die Themen Klimaschutz, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit fortan gemeinsam denkt und bei allen politischen Entscheidungen – global, national und regional – in ihren Wechselwirkungen gleichrangig berücksichtigt.

Bisher meist getrennt betrachtet

Was unter dem Begriff Biodiversität genau zu verstehen ist, definiert Luise Knoblich im Kapitel "Biodiversität" des Springer-Fachbuchs "Mit Biotracks zur Biodiversität": "Unter dem Begriff "Biodiversität" wird die Vielfalt der Ökosysteme (Ökosystemvielfalt), die Vielfalt der Arten (Artenvielfalt) und die Vielfalt der Gene (genetische Vielfalt) verstanden." Die Definition zum Klimawandel liefert das Gabler Wirtschaftslexikon: "Unter dem Begriff Klimawandel wird in allg. Verwendung die anthropogen verursachte Veränderung des Klimas auf der Erde verstanden."

Dass Biodiversität und Klimawandel lange getrennt voneinander betrachtet wurden, mag verwundern. Der nun gemeinsam von IPCC und IPBES vorgelegte Bericht zeigt nämlich auf, warum vor allem der Verzicht auf fossile Brennstoffe für Klima- und Naturschutz wichtig ist, wie gesunde Ökosysteme langfristig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, in welchem Ausmaß einseitig gedachte Klimaschutzkonzepte wie der großflächige Anbau von Energiepflanzen der Natur kurz- und langfristig schaden und ihre Fähigkeit mindern, das Klima zu regulieren und die Menschen mit ausreichend Nahrung, Trinkwasser und anderen überlebenswichtigen Dienstleistungen zu versorgen.

Komplexer werdende Aufgabenstellungen

Zu der bisherigen Trennung sagt Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), der die Arbeiten an dem Workshop-Bericht gemeinsam mit dem südafrikanischen Naturschutzexperten Prof. Dr. Robert J. Scholes geleitet hat: "Es stimmt schon, dass bisher oft erst in den einzelnen Bereichen geguckt wurde. Was machen wir mit Klima? Was machen wir mit Biodiversität? Beides betrifft menschliche Gesellschaft. Wie bringen wir das zusammen? Das ist letztendlich das, was wir versucht haben mit diesem Bericht und wo wir eine Keimzelle gelegt haben für die Diskussion, auch für die gesellschaftliche Diskussion. Man kann nur hoffen, dass im Prinzip alle Ministerien sich dem anschließen und sich öffnen. Das Verkehrsministerium bei uns genauso wie das Finanzministerium und so weiter – und, dass eben das Umweltministerium nicht das einzige ist, das dort letztendlich die Fahnen hoch hält für die verschiedenen Bereiche."

Für den Biodiversitätsexperten Prof. Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), der zudem Ko-Autor des Berichts ist, bedeutet dies: "Das heißt, Aufgabenstellungen werden komplexer, weil zum Beispiel Klimaschutzideen, die für sich betrachtet vielversprechend sind, im Hinblick auf die Natur und die lokale Bevölkerung weitreichende Nachteile mit sich bringen können." Ein plakatives Beispiel dafür ist die Abholzung tropischer Regenwälder für den Anbau von Energiepflanzen wie Soja und Ölpalmen.

Es kommt auf die Vernetzung an

Doch was braucht es für ein Zusammenwirken, das sowohl dem Klimawandel entgegenwirkt als auch die Artenvielfalt unterstützt? Im Rahmen eines vom Science Media Center organisierten Pressebriefings sagte Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut: "Wir brauchen da natürlich Orientierungsmaßstäbe für die Ansätze, die wir brauchen. Die kommen aus der Klimaphysik: Wie viel CO2 dürfen wir noch emittieren? Was machen wir, um die Emissionen runterzubringen, und wie bringen wir überschüssiges CO2 unter? Am besten in den natürlichen Ökosystemen." Daraus resultieren, dass viele Disziplinen miteinander sprechen müssten: Biologen mit den Klimaphysikern, Ingenieure mit Biologen und Klimaphysikern. Und es brauche einen multiplen Ansatz, der dazu noch in den Institutionen, in den Ministerien, in den Umweltämtern gespiegelt sein sollte. Dort müsse die Diskussion und Auswahl zwischen den vielen Lösungsoptionen getroffen werden, die mittlerweile aus beiden Berichten oder Berichterstattungen der Organisationen IPCC und IPBES hervorgegangen seien, so Pörtner – auf nationaler und internationaler Ebene: "Es ist wichtig, dass sich nicht nur die EU gemeinsam aufstellt in diesem Bereich und entsprechende internationale Vernetzung schafft, sondern dass wir das wirklich global angehen." Was die Wirtschaft in dem Bereich machen kann, darum geht es im Kapitel "Scale and Perspective" des Springer-Fachbuchs "Strategic Corporate Conservation Planning".

Schnelles Handeln ist unerlässlich

Almut Arneth, Leiterin der Arbeitsgruppe Modellierung Globaler Landökosysteme und Leiterin der Abteilung Ökosystem-Atmosphäre Interaktionen am Institut für Meteorologie und Klimaforschung Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des Karlsruher Instituts für Technologie zeigte im Rahmen des Pressegesprächs und vor dem Hintergrund der Interdisziplinarität auch auf die Rolle der Sozialwissenschaften anhand eines Beispiels auf: "Mach ich jetzt den Deich höher oder den natürlichen Fluss. Na, das sind beides mögliche Optionen, um gegen Überflutung zu wirken. Hat natürlich ganz unterschiedliche Auswirkungen potenziell auf die menschlichen Gesellschaften, die entlang dieses Fluss-Systems wohnen und leben. Und das ist natürlich ein ganz wichtiger Aspekt, dass wir da versuchen, auch entsprechende Kriterien zu schaffen, die der Entscheidungsfindung dann lokal vor Ort dienen, im globalen Kontext gesehen."

Arneth beendete ihre Erklärungen zudem mit folgendem Plädoyer: "Mir fallen zwei Punkte ein, die mir einfach noch mal klarer geworden sind durch diesen Bericht. Das eine, das haben wir auch schon einmal diskutiert, dass Klimaschutz nicht unbedingt Umweltschutz ist, aber sein sollte – und umgekehrt natürlich auch. Und das zweite: Wir können es uns nicht leisten, noch länger zu warten. Es geht einfach nicht mehr. Und wir können handeln. Wir können da jetzt wirklich noch was tun. Es gibt genug Möglichkeiten, zu agieren. Wir haben das auch aufgezeigt. Es ist nicht so, dass wir den Kopf in den Sand stecken müssten und irgendwie davor wegrennen. Aber die Lösungen sind auf dem Tisch und die müssen jetzt umgesetzt werden. Und das ist auch wiederum eine Sache der Politik, dass sie da jetzt wirklich mal bitte in die Pötte kommt – und zwar schnell."

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Biodiversität

Im Rahmen des vorliegenden Kapitels erfolgt zu Beginn eine allgemeine begriffliche Einführung, die Darstellung zentraler Biodiversitätsebenen sowie grundlegender Ausführungen zu Wert, Gefährdung und Schutz der Biodiversität. Anschließend soll …

Scale and Perspective

Knowing that companies can leverage high-quality biodiversity efforts to meet a business challenge is an important starting point for a conversation about corporate conservation. Understanding that many other factors will influence the effort is …

Ökosysteme, Landnutzung und Biodiversität

  • Open Access

Ökosysteme setzen sich aus belebten (biotischen) und unbelebten (abiotischen) Komponenten zusammen, die über Ökosystemprozesse miteinander verbunden sind. Hier stehen also Organismen (Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen) in Wechselbeziehung mit ihrer …

Soziologisch-humanökologische Grundlagen

Ein frühes Lehrstück zur Humanökologie, welches ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeitsdimensionen verknüpft, ist eine Studie des Zoologen Karl Moebius (1877) zur Überfischung der Austernbänke in der Nordsee. Die humanökologische …

    Bildnachweise
    Luftaufnahme Amazonas/© Urbanhearts / Fotolia