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04.02.2020 | Klimawandel | Im Fokus | Onlineartikel

Das Klima bittet zur Kasse

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
3:30 Min. Lesedauer

Millionen Menschenleben von Hitze und Hunger bedroht, steigende Meeresspiegel und zerbrechende Lieferketten. Die Klimakatastrophe ist keine Hypothese mehr und wird Nichtstun teuer bestrafen. Wie teuer, das rechnet ein Gutachten von McKinsey vor.

Angenommen, nichts verändert sich, keiner regt sich. Was sind die Konsequenzen für Länder, den globalen Handel und künftige Investitionen, wenn die Temperaturen steigen und mit ihnen die Meere, wenn Wetterextreme Ernten vernichten und Arbeit erschweren? Was passiert, wenn Unternehmen ihre Geschäftsmodelle weiterhin dem Primat der Effizienz unterwerfen, den Klimawandel aber nicht einkalkulieren?  

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Die Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel ist in aller Munde und kaum jemand stellt infrage, dass Maßnahmen für den Klimaschutz ergriffen werden müssen. Doch wie würde sich eine Klimaerwärmung um 1,5 oder 2 °C nun wirklich auswirken? 

Eine Studie, mit der das McKinsey Global Institute (MGI) zu Jahresbeginn aufrüttelte, gibt darauf eine eindeutige Antwort. Die Erhebung "Climate Risk and Response" simuliert ein Business-as-usual-Szenario für das Jahr 2050, das gespeist mit Daten der Klimaforschung und Wirtschaftsprognosen von 105 Ländern weltweit zum Horrorszenario gerät.

Hitze macht Arbeit teuer und gefährlich

"Maßnahmen zum Schutz des Klimas gehören in die Kategorie der Neujahrsvorsätze: Man setzt einige um, andere heuer noch nicht; irgendwann, wenn es gerade passt, wird man sie schon angehen", kritisiert Springer-Autorin Helga Kromp-Kolb die herrschende Gangart im Umgang mit der Klimakrise (Seite 22). Behält die Autorin recht, dann werden Unternehmen zunehmenden physikalischen und transitorischen Risiken ausgesetzt sein. Wie die Aussehen könnten, zeigt die Berechnung von McKinsey. Steigen die Emissionen ungehindert weiter, wird in Ländern wie Indien, Pakistan, Bangladesh oder Nigeria in dreißig Jahren Arbeit unter freiem Himmel kaum noch möglich sein. In Indien, dem vom Klimawandel am härtesten betroffenen Land, könnte sich dadurch die Wirtschaftsleistung um bis zu 4,5 Prozent verringern. 

Findet kein Umdenken statt, bedrohen steigende Temperaturen, tödliche Hitzewellen und eine hohe Luftfeuchtigkeit im Jahr 2050 bis zu 1,2 Milliarden Menschenleben. Die Erwärmung der Meere wird den Fischfang um acht Prozent verringern und damit die Lebensgrundlage von bis zu 800 Millionen Menschen weltweit treffen. Wirtschaftliche Einschläge sind in der Bauindustrie, dem Bergbau, der Nahrungsmittelindustrie, dem Tourismus und dem Immobilienmarkt zu erwarten. Die Gründe: Hitze, Dürre, Missernten, Hurrikans und Überschwemmungen.

Lieferengpässe durch Extremwetter

Deutschland gehört wie Russland und dem Vereinigten Königreich zu den low-risk-countries. Der Tourismus könnte sich sogar aus den südlichen Urlaubsländern hierher verschieben. Die exportorientierte deutsche Industrie ist allerdings von der Versorgung mit wichtigen Rohstoffe wie den Metallen der Seltenen Erden abhängig. Diese werden in der Produktion von Smartphones,  Zukunftstechnologien, der Elektromobilität oder der Mikroelektronik verwendet. Die  Lieferketten müssen zuverlässig funktionieren. Extremes Wetter in anderen Teilen der Erde kann Versorgungswege gefährden. Hinzu kommt: Von den 100 meistfrequentierten Flughäfen der Welt liegt ein Viertel weniger als zehn Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit besonders von Sturm, Flut und Überschwemmungen bedroht. Für die deutsche Industrie sind das vom Klimawandel verursachte wirtschaftliche Gefahren. Was ist zu tun? Denkanstöße geben die McKinsey-Experten für Wirtschaftsunternehmen:

How big and urgent are the most relevant climate change risks and what countermeasures should be taken to adapt to and manage them, based on risk appetite (for instance, if risks to sourcing of inputs have been recognized, identifying alternate suppliers or raising inventory levels to create backup stock; or if climate exposure is expected to drive market shifts or impact terminal value of assets, reallocating growth investment portfolio)?

Anpassung ans Klima muss jetzt geschehen

"In der Wirtschaft wird es künftig nicht mehr nur um Effizienz gehen können sondern viel mehr auch um Resilienz", fasst Studienautor Hauke Engel die Ergebnisse zusammen. Die beschrieben Klimarisiken erzeugen enormen Handlungsdruck. Unternehmen müssen nun die Anpassungsfähigkeit ihrer Unternehmensstrategie sowie die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) ihres Kerngeschäftes prüfen. Es geht darum, die individuelle Klimawandelexposition zu bestimmen. Dabei helfen die die Empfehlungen der Expertenkommission der G20 "Task Force on Climate-related Financial Disclosures" (TFCD) , die die Springer-Autoren Peter Ertl und Katharina Schönauer zur Risikoberichterstattung zitieren. Unterschieden wird zwischen (Seite 549):

  • transitorische Risiken
    • Kosten durch veränderte rechtliche Rahmenbedingungen
    • Kosten durch den Umstieg auf neue emissionsarme Technologien
    • steigende Rohstoffkosten
    • Umsatzeinbußen durch verändertes Konsumentenverhalten
  • physikalische Risiken
    • akute Risiken (Extremwetterereignisse) und chronische Risiken (steigender Meeresspiegel) dadurch:
    • sinkende Umsätze, Lieferengpässe, Produktionsausfall, Betriebsschäden, steigende Rohstoffpreise, hohe Versicherungskosten

Early Adopters werden künftig die Nase vorn haben. Sie können sich verändernden Bedingungen laufend intern wie extern anpassen und Klimarisiken vorausschauend  sowohl erkennen als auch einschätzen. Eine hohe Fähigkeit zur "Selbststeuerung, Komplexitätsbewältigung und Stressresistenz" zeichnet die resiliente Organisation aus. 

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