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28.06.2019 | Klimawandel | Im Fokus | Onlineartikel

Banken wollen gegen den Klimawandel vorgehen

Autor:
Barbara Bocks

Maßnahmen für Nachhaltigkeit und gegen den Klimawandel sind aktueller denn je, nicht erst seit der "Fridays for Future"-Bewegung. Welche Rolle die Finanzbranche dabei spielt, darüber haben Experten auf dem Norddeutschen Bankentag diskutiert.

Die Zeit drängt, wenn es um darum geht, die Klimaerwärmung noch aufzuhalten. Eine besondere Rolle kommt dabei Banken als Kreditgeber für Unternehmen und Akteure auf dem internationalen Finanzmarkt zu. Das sieht auch Frank Pierschel so. Neben der internationalen Bankenaufsicht verantwortet er seit Mai als Chief Sustainable Finance Officer das Thema "Nachhaltigkeit" bei der Bafin. Auf dem 19. Norddeutschen Bankentag der Leuphana Universität in Lüneburg kündigte Pierschel daher ein Merkblatt mit Handlungsempfehlungen für Kreditinstitute an, das voraussichtlich bis Ende des Jahres erscheinen soll. Mit dem Papier möchte die Aufsicht dem Bafin-Experten zufolge Kreditinstitute dabei unterstützen, Nachhaltigkeit in die alltäglichen Entscheidungen zu integrieren.

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Nachhaltigkeitsmanagement deutscher Banken - im Lichte anerkannter Nachhaltigkeitskodizes

Immer mehr Banken versuchen, sich als nachhaltig zu präsentieren und orientieren sich dabei an Kriterien verschiedener Nachhaltigkeitskodizes. In welchem Maße werden diese erfüllt? Der Beitrag vergleicht die Selbstdarstellung von Banken aus Österreich und Deutschland aus dem Genossenschafts-, dem Sparkassen- und dem privaten Sektor.

Seit zwei bis drei Jahren beobachtet Axel Wilhelm, Leiter der nachhaltigen Rating-Agentur Imug, einen frischen Wind im Nachhaltigkeitssegment, das "mittlerweile im Mainstream angekommen ist". Dabei helfe auch der Druck von politischer Seite, wie der Aktionsplan der EU-Kommission. Informationen sind für dessen Umsetzung laut Wilhelm "das Schmiermittel". Allerdings sei die Transparenz im Bereich Nachhaltigkeit oftmals eher enttäuschend und führe zu schlechteren Ratings. Langsam würde sich das allerdings verbessern. Der größte Impuls zur Umsetzung nachhaltiger Ziele komme von institutioneller Seite: "Ohne die weichen PRI (Principles for Responsible Investments)-Kriterien kommt es gar nicht mehr zu einem Pitch bei institutionellen Investoren", so Wilhelm.

Nachhaltigkeit kann auch ein Drahtseilakt sein

Gerade im täglichen Firmenkundengeschäft ist das Thema "Nachhaltigkeit" mitunter auch ein Drahtseilakt, der zu Konflikten führen könne. Keiner der Zuhörer hatte bei einer Abstimmung angegeben, ein Kohlekraftwerk zu finanzieren. Aber welche Entscheidung fällt ein Firmenkundenbetreuer, wenn ein langjähriger guter Kunde an einem Projekt in einem ehemaligen brasilianischen Naturschutzgebiet beteiligt ist? Diese Art von Entscheidungskonflikten machte Günter Tallner, Vorstand der Nord LB, in seinem Vortrag deutlich.

Ein guter erster Richtwert für eine Kreditentscheidung ist aus Tallners Sicht, ob man sich vorstellen könne, einen Bericht in der Presse über die Finanzierung eines Kundenprojekts lesen zu wollen oder "lieber nicht". Beim Thema Nachhaltigkeit sei ein Dialog mit Kunden wichtig, da viele das Thema und auch die damit verbundenen Chancen "noch nicht genügend auf dem Schirm haben".

Kredite werden online veröffentlicht

Auf Transparenz hinsichtlich der Kreditentscheidung setzt Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank. Jeder Kredit werde online veröffentlicht. Bei Privatkrediten würden manche Angaben allerdings aus Vertraulichkeitsgründen weggelassen. Seit Kyoto 1997 habe die Welt zu viel Zeit verstreichen lassen, um das Klimaproblem anzugehen. "Wenn jemand heute argumentiert, die Transformation ginge zu schnell, beschleunigt er sie in Wahrheit später, da die Ressourcen endlich sind", so Jorberg. Die Welt werde nicht an der GLS Bank gesunden. "Aber wir leisten einen kleinen Beitrag". Und darum ginge es auch für jeden Einzelnen.

Den letzten Vortrag der Konferenz hielt Michael Schmidt, Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer bei Lloyd Fonds. Schmidt war als einziges deutsches Mitglied Teil der High Level Expert Group (HLEG), deren Empfehlungen als Basis für den Aktionsplan der EU-Kommission zum Thema "Nachhaltigkeit" genutzt wurden.

Drei wichtige Handlungsfelder für Unternehmen sind aus Schmidts Sicht:

  • Definition und Standards zur Orientierung. Welche wirtschaftliche Aktivität ist dienlich für die Umweltziele und später auch für andere Ziele?
  • Kultur und Verhalten: Wie kann Nachhaltigkeit in tägliche Entscheidungen einfließen?
  • Transparenz und Wirkung: Welche Nachhaltigkeitsziele erzeugen die größtmögliche Wirkung?Wie mache ich diese Ziele unter anderem Anlegern gegenüber transparent?

Transparenz bei Nachhaltigkeitsstandards

Die erhöhte Transparenz durch den EU-Aktionsplan hilft auch Kunden, klarer zu prüfen, wie robust die Nachhaltigkeitsstandards des Anbieters wirklich sind. Dieser Meinung ist Angela Mc Clellan im Bankmagazin-Artikel der vergangenen November-Ausgabe "Nicht nur nachhaltig, sondern auch transparent" (Seite 34). Sie ist als Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen zuständig für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das Team des FNG begrüße es auch sehr, dass die Nachhaltigkeit mittlerweile verpflichtend in die Kundenberatung integriert werde.

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