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01.09.2014 | Klimawandel | Interview | Onlineartikel

Kommunale Klimaschutzkonzepte zum Erfolg führen

Autor:
Günter Knackfuß

Viele Städte und Gemeinden beschäftigen im Umweltbereich einen Klimaschutzmanager. Dieser soll dem Klimaschutz als Querschnittsaufgabe mehr Gewicht verleihen. Wir sprachen mit der Klimaschutzmanagerin Katharina List.

Springer für Professionals: Ihr drittes Jahr als Klimaschutzmanagerin – was steht auf der Habenseite?

Katharina List: In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche Maßnahmen unseres Klimaschutzkonzeptes umgesetzt werden. So werden beispielsweise beim Straßenbau in Teltow energieeffiziente LED-Leuchtmittel eingesetzt.

Alternative Antriebe, vor allem die Elektromobilität wurden und werden gefördert; so wurde vor wenigen Wochen die erste kommunale Elektrotankstelle Teltows eröffnet. Am S-Bahnhof wird in Kürze eine Abstell- und Ladeanlage für Pedelecs eröffnet. In unserer Tourist-Info können interessierte Besucher Pedelecs ausleihen und damit "elektrisiert" die Region erkunden. In regelmäßigen Abständen bieten wir in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Brandenburg Energieberatungen für Bürger sowie interessante Informationsveranstaltungen an. Auch die Jüngsten sollen nicht zu kurz kommen: Gemeinsam mit unserem Energieberater bin ich häufig in unseren Schulen unterwegs und biete Unterrichtsstunden zu Klima-, Umwelt- und Energiethemen an. Wir haben also viel erreicht, es bleibt aber auch für die nächsten Jahre noch viel zu tun, die Arbeit im Klimaschutz wird nie weniger!

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Welches wurde das erfolgreichste Projekt?

Es gab und gibt viele tolle, erfolgreiche Projekte, jedes Einzelne hat seinen Reiz. Projekte mit Kindern und Jugendlichen finde ich besonders zukunftsweisend. Sie sind die Erwachsenen und die Entscheidungsträger der Zukunft. Sie bereits so früh wie möglich mitzunehmen und den Klima- und Umweltschutzgedanken bei Ihnen zu verankern, halte ich für die langfristig beste Strategie für eine nachhaltige Entwicklung.

Wo liegen im kommunalen Bereich die größten Hemmnisse?

Klimaschutz ist - genau wie Alles was "grün" aussieht - ein Thema das gerne kommuniziert wird und das man sich gerne auf die Fahnen schreibt.

Geht es um die Finanzierung konkreter Projekte, stößt man häufig an Grenzen. Hinzu kommt, dass "Klimaschutz" eine neue Aufgabe ist, die bei vielen Kollegen zunächst Skepsis hervorruft. Somit braucht es viel Geduld und Kommunikation, um Akzeptanz für dieses Thema zu schaffen. Aber auch bundespolitisch werden Hemmnisse geschaffen. Das neue EEG ist an vielen Stellen eine Bremse für die regionale und lokale Umsetzung der Energiewende.

 

 

Wie beurteilen sie die Beteiligung der Bürger?

Die Beteiligung der Bürger ist uns enorm wichtig. Nur gemeinsam mit ihnen können wir die Energiewende vorantreiben, CO2-Ausstöße minimieren und nachhaltig das Klima schützen. Erfreulicherweise sind die Bürger unserer Region sehr interessiert und engagiert. Gemeinsam wurden schon tolle Projekte auf die Beine gestellt. Die E-Tour, die Ende Mai in Teltow und Potsdam-Mittelmark stattfand wurde beispielsweise von Bürgern in Form des Vereins "Interessensgemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg" initiiert und organisiert.

Welche Weichen müssen in ihrer Region beim Klimaschutz vorrangig gestellt werden?

Wir müssen vor allem ein Umdenken schaffen. Klimaschutz und Erneuerbare Energien müssen selbstverständlich werden. Bei Verwaltungsmitarbeitern, Politikern, Bürgern aber auch Unternehmen. Nur dann wird das Ziel erreicht, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent und danach weiter zu reduzieren und langfristig eine weitestgehende Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu erreichen. Zudem gilt es, sich an Vorbildern anderer, vergleichbarer Städte in der EU zu orientieren sowie den Transfer von geeigneten "best practice" Beispielen in die eigene Kommune zu organisieren.

Was empfehlen sie anderen KlimaschutzmanagerInnen aus ihren bisherigen Erfahrungen?

Klimaschutzmanager zu sein, bedeutet auch Rückschläge einzustecken, sich mit Skeptikern auseinander zu setzen und gegen Wände zu laufen. Weil Klimaschutz eben noch nicht selbstverständlich ist. Ich kann nur raten, die Geduld nicht zu verlieren und dran zu bleiben, weil wir einen enorm wichtigen Job machen und weil Klimaschutz unbedingt notwendig ist!

Das Interview führte Günter Knackfuß, freier Autor, für Springer für Professionals.

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