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08.08.2018 | Klimawandel | Im Fokus | Onlineartikel

Rückkopplungsprozesse können zu Heißzeit führen

Autor:
Julia Ehl

Ohne eine Beschleunigung des Übergangs zu einer emissionsfreien Weltwirtschaft droht eine langfristige Erderwärmung um vier bis fünf Grad Celsius, warnt ein internationales Wissenschaftlerteam.

"Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten auf den Klimawandel zu reagieren: Man kann versuchen, den Klimawandel zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen, oder man kann sich darauf beschränken, den Klimawandel in Kauf zu nehmen und sich dem Wandel anpassen. Üblicherweise wird die kostengünstigste Reaktion einer Gesellschaft beide Optionen zu einem Teil umfassen.", stellen Bodo Sturm und Carla Vogt im Buchkapitel Der Klimawandel als globales Umweltproblem fest.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Der Klimawandel als globales Umweltproblem

Dieses Kapitel ist globalen Umweltproblemen gewidmet. Was unterscheidet diese Umweltprobleme von lokalen Umweltproblemen? Der erste, offensichtliche Unterschied Besteht darin, dass globale Umweltprobleme nicht vor Landesgrenzen halt machen, sondern in ihren Auswirkungen die gesamte Weltbevölkerung betreffen.


Ein internationales Team aus Wissenschaftlern warnt jetzt eindringlich auf Grund der Ergebnisse ihrer Untersuchungen vor einer deutlich schnelleren und höheren Erderwärmung als bisher angenommen. Derzeit liegt die globale Durchschnittstemperatur um gut ein Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau und steigt etwas 0,17 Grad Celsius pro Jahrzehnt an. Die Forscher des Stockholm Resilience Centers (SRC), der Universität Kopenhagen, der Australien National University (ANU) und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) halten eine globale Erwärmung langfristig um vier bis fünf Grad Celsius mit einem Meeresspiegelanstieg zwischen 10 und 60 Meter für möglich und erklären dies mit zu erwartenden Rückkopplungsprozessen.

Mehrere Faktoren beeinflussen die Erderwärmung

Als Rückkopplungsprozesse werden Prozesse bezeichnet, die durch die vom Menschen verursachte Erwärmung von zwei Grad Celsius angestoßen werden und die weitere Erwärmung vorantreiben, selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen völlig beendet würde. Denn industrielle Treibhausgasemissionen sind nicht der einzige Faktor, der die Temperatur auf der Erde beeinflusst, warnt Leitautor Will Steffen von der ANU und dem SRC anlässlich der Veröffentlichung der Studienergebnisse im Fachartikel Trajectories of the Earth System in the Anthropocene.

Insgesamt wurden in der Studie zehn Rückkopplungsprozesse untersucht, von denen einige mit den so genannten Kippelementen im Erdsystem verknüpft sind. Werden diese kritischen Schwellen überschritten, könnten diese Elemente in fundamental andersartige und irreversible Zustände versetzt werden, erklären die Wissenschaftler. So könnten Rückkopplungen Kohlenstoffspeicher in Kohlenstoffquellen verwandeln, die in der erwärmten Welt unkontrolliert Emissionen freisetzen. Als kritische Prozesse werden weiterhin das tauende Permafrost, der Verlust von Methanhydraten vom Meeresboden, die Schwächung von Kohlenstoffsenken an Land und im Ozean, einen zunehmende bakterielle Atmung in den Ozeanen, das teilweise Absterben des Amazonas-Regenwaldes sowie der borealen Wälder, eine Verringerung der Schneedecke auf der nördlichen Erdhalbkugel, der Verlust von arktischem und antarktischem Meereis sowie das Schrumpfen der großen Eisschilde genannt. Nicht berücksichtigt wurde in der Studie die Rückkopplung zwischen Emissionen und der planetaren Wolkenbedeckung.

Maßnahmen gegen die Erwärmung

Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Studie geben die Wissenschaftler auch Hinweise, was zur Vermeidung der Heißzeit getan werden kann, denn eine Reduktion der Treibhausgase alleine reicht nicht aus. Die Minderung von Kohlendioxid- und anderen Treibhausgasemissionen muss entschlossen vorangetrieben werden, aber auch erweiterten biologischen Kohlenstoffspeichern, die durch ein verbessertes Wald-, Landwirtschafts- und Bodenmanagement erreicht werden können, der Erhalt der Biodiversität sowie Technologien zum Entzug von Kohlendioxid aus der Atmosphäre und zur unterirdischen Speicherung kommen eine Bedeutung zu. Entscheidend sei jedoch, dass diese Maßnahmen auch durch grundlegende gesellschaftliche Veränderungen gestützt werden, stellen die Wissenschaftler heraus.

Auch Springer Spektrum-Autor Christian Kuhlicke betont abschließend in seinem Buchkapitel Soziale Verwundbarkeit und die Folgen des Klimawandels auf Seite 115, dass es nicht allein die klimatischen Stressoren sondern vielfältige, auch gesellschaftliche Faktoren zu berücksichtigen gilt.

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