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04.05.2017 | Kohle | Im Fokus | Online-Artikel

Braunkohle auch ökonomisch kein Partner der Energiewende

verfasst von: Frank Urbansky

3 Min. Lesedauer
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Braunkohle kann kein fossiler Partner der Energiewende sein. Die Kohleverstromung wird aus wirtschaftlicher Sicht immer unattraktiver. Die anhaltend hohen CO2-Emissionen sind ein weiterer Grund.

Braunkohle wird sowohl von Politikern als auch Gewerkschaftern und natürlich der dazugehörigen Branche Zukunftsfähigkeit als Partner der Energiewende bescheinigt. Dabei ist diese nicht mal aus wirtschaftlicher Sicht gegeben. "Angesichts ihres niedrigeren Energiegehalts lohnt sich ihr Transport … wirtschaftlich nur selten. Braunkohlemeiler befinden sich entsprechend in unmittelbarer Nähe der Fördervorkommen", erklärt Springer-Autor Philip Würfel in seinem Buchkapitel Das Powerhouse: technische Grundlagen der Stromversorgung ab Seite 92 einen der wesentlichen ökonomischen Nachteile der Braunkohle. 

Empfehlung der Redaktion

2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Das Powerhouse: technische Grundlagen der Stromversorgung

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit einem der wesentlichen Parameter der Energiewende.Es geht um die Frage, welche Technologien uns zur Stromerzeugung zur Verfügung stehen. Über viele Jahrzehnte hatten die fossil-nuklearen Technologien die unbestrittene Leitfunktion in unserem Stromversorgungssystem.


Doch auch andere wirtschaftliche Faktoren machen sie kaum zukunftsfähig. Ein weiterer ist, dass Windenergie an Land (onshore) schon heute in der Lage ist, elektrischen Strom für etwa 4 Eurocent je Kilowattstunde zu produzieren. Das entspricht in etwa den Kosten in einem modernen Kohlekraftwerk.

Offshore-Windkraft auch grundlastfähig

Die Windkraft offshore, also auf dem offenen Meer, ist sogar grundlastfähig und kann den Strom noch günstiger produzieren. Bei der letzten Ausschreibungsrunde für Offshoreparks verzichteten gleich mehrere Anbieter auf staatlichen Subventionen. Ihre Produktionskosten liegen auch ohne Stütze bei etwa 2 Eurocent je Kilowattstunde. Das ist deutlich günstiger als Kohlestrom – und umweltfreundlicher.

Zwar ist auch Windkraft nicht ganz CO2-frei. Schweizer Wissenschaftler haben errechnet, dass eine 2-MW-Offshore-Anlage auf einen "Kohlendioxidausstoß" von 12 Gramm je erzeugter Kilowattstunde und eine 800-kW-Onshore-Anlage auf knapp 10 Gramm kommt, wenn man den ganzen Herstellungs- und Stromerzeugungszyklus betrachtet. Doch das ist immer noch um 600-mal niedriger als bei einem Kohlekraftwerk.
Auch die volkswirtschaftliche Bilanz der Emissionen  spricht gegen die Braunkohle. Der Anteil an CO2-Enmissionen aus der Stromerzeugung ist in Deutschland stabil und liegt nach Angaben des Umweltbundesamtes bei 312 Millionen Tonnen. Die Hälfte davon ist auf Braunkohle zurückzuführen, die am Strommix jedoch nur einen Anteil von 23 Prozent hat im Gegensatz zu den Erneuerbaren Energien mit 29 Prozent.
Die Verteidiger der Braunkohle führen diesen nach wie vor hohen Anteil immer wieder ins Feld als Notwendigkeit, weil nur Kohlekraftwerke die Grundlast in Deutschland sicherstellen können. Für den Augenblick mag das stimmen, doch selbst für die nahe Zukunft ist das fraglich. Denn nach Angaben der Bundesnetzagentur sind sowohl die Eingriffe zur Netzstabilisierung beim Abregeln von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbaren Stroms also auch beim Herunterfahren von Kohlekraftwerken von 2015 zu 2016 deutlich gesunken. Erneuerbare harmonieren also immer besser im Stromnetz.

Kraftwerke laufen trotzdem

Die hoch bleibende Emissionslast der Braunkohlekraftwerke ergibt sich aus einem anderen Umstand. Die Bundesregierung führt das in einer parlamentarischen Antwort direkt auf Verdienstmöglichkeiten außerhalb des Strommarktes oder auf technische Restriktionen der Kraftwerke zurück. Mit anderen Worten: Würde Kohlekraft nur dann genutzt, wenn sie im Stromnetz wirklich gebraucht wird, würden auch die Emissionen sinken.

In Zeiten sinkender Windstrompreise spielt der Braunkohle ein weiterer Aspekt entgegen – die Baukosten: „Das Bauvolumen des Dampferzeugers hängt von der Leistung und vom Brennstoff ab. Bei gleicher Leistung ist das Verhältnis der Bauvolumina etwa wie folgt, die Baukosten verhalten sich entsprechend. Brennstoff Öl/Erdgas 100 %, Steinkohle 165 %, Braunkohle 410 % Volumenverhältnis“, bilanziert dies Springer Vieweg-Autor Panos Konstantin in seinem Buchkapitel Kraftwerke, Technologien und Kosten auf Seite 129. Demnach ist Erdgas deutlich prädestinierter, allein schon aus ökonomischer Sicht fossiler Partner der Energiewende zu sein. Von den um ein Drittel geringeren Emissionen ganz zu schweigen.

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