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11.05.2016 | Kohle | Im Fokus | Onlineartikel

Was kostet der deutsche Kohleausstieg?

Autor:
Julia Ehl

Der deutsche Kohleausstieg hat Auswirkungen für Energiewirtschaft und Stromkunden. Die Studie der ewi Energy Research & Scenarios zeigt wichtige Wechselwirkungen und beziffert die Kosten.

Es besteht dringender klimapolitischer Handlungsbedarf, um das international akzeptierte Zwei-Grad-Ziel noch einzuhalten. Hierzu bedarf es eines Strukturwandels in der Energiewirtschaft und somit auch in der Stromversorgung.", stellen Ann Kruse, Eglantine Kunle und Martin Faulstich im Buchkapitel "Strukturwandel der konventionellen Stromversorgung als gesellschaftliche Aufgabe" auf Seite 117 fest.

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2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Strukturwandel der konventionellen Stromversorgung als gesellschaftliche Aufgabe

Für die Energieversorgung der Zukunft müssen alle Sektoren (Strom, Wärme, Verkehr und Industrie) möglichst vollständig auf regenerative Energien umgestellt werden. Hierzu bedarf es eines Strukturwandels in der Energiewirtschaft und somit auch in der

Grundlegend für diesen Strukturwandel ist neben dem Atom- auch der Kohleausstieg, denn die Verbrennung von Kohle ist die CO2-intensivste Form der Stromerzeugung. Das Kölner ewi Energy Research & Scenarios (ewi ER&S) beschäftigt sich innerhalb eines mehrjährigen Forschungsprogramms mit der Frage, wie eine Dekarbonisierung der Energiewirtschaft realistisch, möglichst effizient und technologieoffen umgesetzt werden kann. Im Rahmen dieser Forschungen wurde nun die Studie "Ökonomische Effekte eines deutschen Kohleausstiegs auf den Strommarkt in Deutschland und der EU" vorgestellt.

Beitrag zur Debatte um den deutschen Kohleausstieg

"Ein deutscher Kohleausstieg vermeidet in Europa zwischen 2020 und 2045 rund 634 Millionen Tonnen CO2 und kostet im gleichen Zeitraum rund 71,6 Milliarden Euro. Dabei hängt die CO2-Reduzierung allein von der Stilllegung entsprechender Zertifikate im europäischen Emissionshandelssystem ab“, erklärt Dr. Harald Hecking, Studienleiter und ewi ER&S-Geschäftsführer, bei der Vorstellung der Studie.

Wesentliche Ergebnisse der Studie, die sich als Beitrag zur Debatte und nicht als Position für oder gegen den Kohleausstieg versteht:

  • Bis 2045 werden durch einen Kohleausstieg in Deutschland CO2-Einsparungen von 859 Millionen Tonnen erzielt. Für Europa gesehen, ergibt sich aber keine Minderung.
  • In Europa wird die CO2-Minderung nur durch die Stilllegung von CO2-Zertifikaten im Emissionshandel erzielt und wird in der Studie für den Zeitraum 2020 bis 2045 auf rund 634 Millionen Tonnen beziffert.
  • Die fehlende Kohleverstromung wird durch den Energieträger Gas, weniger Stromexporte und steigende Stromimporte ausgeglichen.
  • Ohne deutschen Kohlestrom werden die Preise auf dem Großhandelsmarkt um bis zu 1,80 Euro pro Megawattstunde steigen.
  • Der Ausstieg aus der Kohleverstromung wird zu Umverteilungseffekten im Milliardenbereich führen. Die Belastung tragen Kraftwerksbetreiber und Endkunden.
  • Bei kombinierter Stilllegung von Kohlekraftwerken und CO2-Zertifikaten entstehen Mehrkosten von rund 71,6 Milliarden Euro.
  • Eine durch den Kohleausstieg vermiedene Tonne Kohlendioxid kostet durchschnittlich 113 Euro.
  • Werden die Kosten des Kohleausstiegs von 71,6 Milliarden Euro auf 25 Jahre ins Verhältnis zur deutschen Stromnachfrage in diesem Zeitraum gesetzt, ergibt sich ein durchschnittlicher Betrag von 0,53 Cent pro Kilowattstunde.
  • Weiterer Untersuchungen zu den volkswirtschaftlichen Folgen des Kohleausstiegs sind erforderlich. 

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