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Über dieses Buch

Inga Enderle arbeitet die theoretischen Grundgedanken der Arbeitsweise „kollegiale Selbstverwaltung“ im Sinne eines Führungsprinzips systematisch auf und prüft empirisch den Erfolg der gegenwärtigen Umsetzung. Zudem stellt die Autorin eine Verbindung zu aktuell diskutierten Führungsansätzen her. „Kollegiale Selbstverwaltung“ beschreibt ursprünglich die Art der Zusammenarbeit an Waldorfschulen, welche für diese zwar konstitutiv ist, wissenschaftlich aber kaum erfasst wurde, sodass sich zahlreiche Missverständnisse in der Praxis einschleichen konnten. Obwohl die Idee etwa 100 Jahren alt ist, lassen sich jedoch deutliche Parallelen zu derzeit entstehenden Ansätzen erkennen, die Führung ebenso von einer höheren Stufe menschlicher Bewusstseinsentwicklung aus definieren. So kann „kollegiale Selbstverwaltung“ einen wichtigen Beitrag zur Führungsforschung leisten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

In jeder historischen Epoche und in jedem sozial-gesellschaftlichen Kontext ist das Thema der Führung ubiquitär. „Wo zwei oder mehr Menschen interagieren, wird geführt“, schreibt Grunwald (1998: 85), sodass Führung von jedem Menschen regulär erfahren und praktiziert wird – in Kindergarten, Schule, Universität, in Freundschafts- und Partnerbeziehungen oder in Arbeitsverhältnissen. „Solange Menschen zusammenleben, wird immer die Führungsfrage gestellt“, testiert auch Werner (2013: 94).
Inga Enderle

Kapitel 2. Begriff der Führung

Um prüfen zu können, in welchem Verhältnis kollegiale Selbstverwaltung und Führung zueinander stehen, ist eine Klärung notwendig, was unter „Führung“ explizit zu verstehen ist. Das Thema der Führung ist nicht nur wissenschaftlich prominent und vieldiskutiert, denn „Führung“ als Begriff oder als Phänomen ist ein Bestandteil des alltäglichen Lebens und der Alltagssprache. „Sie zieht sich durch die Geschichte der Menschheit genauso wie die Vergemeinschaftung der Menschen in ihren verschiedensten Ausformungen selbst“ und ist folglich „(…) ein universelles Phänomen, das alle Kulturen betroffen und (vermutlich zu allen Zeiten) beschäftigt hat“, so Weibler (2001: 3, Ausl. ie).
Inga Enderle

Kapitel 3. Relevanz von Führung

Das Führungsverständnis hängt maßgeblich davon ab, inwiefern Führung legitimiert ist. Wird diese als abkömmlich oder deplatziert betrachtet – wie es oft im Kontext kollegialer Selbstverwaltung geschieht – ist eine Ablehnungshaltung durch die Betroffenen naheliegend; wird diese hingegen als opportun empfunden, stoßen Führungsprozesse mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Akzeptanz. Um die hierbei zugrundeliegenden Zusammenhänge verstehen zu können, ist zu prüfen, welche signifikanten Qualitäten Führung subjektiv rechtfertigen.
Inga Enderle

Kapitel 4. Denkweisen von Führung

Wie in Kapitel 2 erörtert, spiegeln die Auffassungen von Führung verschiedene Dimensionen und Kriterien wider. Deren Existenz ergibt sich nicht beliebig oder zufällig, sondern wird maßgeblich durch die Signatur der Zeit geprägt. So unterliegen diese auch einer kontinuierlichen Veränderung und Entwicklung analog zu den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Erfordernissen und Bedürfnissen, da die vorherrschenden allgemeinen Ansichten und Werte das Führungsverständnis begründen und legitimieren.
Inga Enderle

Kapitel 5. Kollegiale Selbstverwaltung als Führungsprinzip

Wie in den vorherigen Kapiteln eruiert, kann der äquivoke Begriff „Führung“ – je nach Blickwinkel (z. B. Forschungsziel, Menschenbild) – in einer Reichweite von einem unilateralen autoritativen Verhalten einer solitären Person (Monokratie) bis zu einem paritätischen Interaktionsprozess zwischen mindestens zwei Personen (Demokratie) verstanden werden. So kann eine prinzipielle Antinomie von Führung und kollegialer Selbstverwaltung als falsifiziert betrachtet werden, sodass Führung durchaus in einem selbstverwaltungskonformen Verständnis definierbar ist. Independent des jeweils vertretenen Führungsverständnisses erfasst „Führung“ diverse Aufgabenbereiche des Organisationsmanagements und der Personalführung, die in einer Arbeitsgruppe und so auch in Waldorfschulkollegien für das Resüssieren eines gemeinsamen Ziels unvermeidlich erfüllt werden müssen.
Inga Enderle

Kapitel 6. Arbeitsgrundsätze kollegialer Selbstverwaltung

Während die allgemeine Idee der „Selbstverwaltung“ nicht genuin aus der Praxis der Waldorfschulen resultiert, ist diese gleichwohl eines deren konstitutiven Merkmale und darüber hinaus ein signifikantes Erkennungsmerkmal in Demarkierung zu anderen Schulformen (vgl. Strawe 2008: 5). Kollegiale Selbstverwaltung (auf der hier betrachteten Mesoebene) offeriert eine Antwort auf die Frage der Ausgestaltung einer Organisation zur Ermöglichung des Reüssierens deren spezifischen Auftrags. Kollegiale Selbstverwaltung stellt so eine Form interaktiver Zusammenarbeit dar, sodass in dieser typischerweise zu erfüllende Führungsbedarfe entstehen.
Inga Enderle

Kapitel 7. Bewertender Diskurs kollegialer Selbstverwaltung

Mittels der Illustration der grundlegenden Arbeitsprinzipien kollegialer Selbstverwaltung in Kapitel 6 wurde deutlich, dass diese nicht als eine isolierte Komponente in einer ansonsten konventionell strukturierten Organisation figuriert, sondern selbige von der Basis bis ins periphere Detail durchzieht und nachhaltig prägt. Die Organisation wird vollständig von traditionellen Denkweisen abweichend ausgestaltet. Dadurch tangiert kollegiale Selbstverwaltung alle organisationalen Ressorts, in denen Führungsbedarf entsteht, und offeriert zu deren notwendigen Erfüllung mehr oder minder ausgereifte Lösungsalternativen.
Inga Enderle

Kapitel 8. Zielsetzung der empirischen Untersuchung

Die Durchführung einer empirischen Untersuchung supponiert den Entwurf eines theoretischen Fundaments als konstituierende Basis und referentieller Rahmen. Wie sich im Kontext des Literaturstudiums einschlägiger Quellen abbildete, war ein Rückgriff auf ein finalisiertes Artefakt zur Thematik kollegialer Selbstverwaltung aufgrund dessen defizitären respektive fragmentären Vorliegens nicht möglich. Der empirischen Untersuchung vorangestellt bedurfte es so – zur Erörterung des definierten Forschungsdesiderats – zunächst einer basalen theoretischen Aufarbeitung und Modellierung des zugrundeliegenden Konstrukts.
Inga Enderle

Kapitel 9. Erhebungsdesign der empirischen Untersuchung

Das in der vorliegenden Arbeit ausgewertete Datenmaterial basiert auf den im Rahmen der Waldorflehrerstudie im Jahr 2011 erhobenen Daten, die von Dirk Randoll unter subsidiärer Mitarbeit seiner Forschergruppe durchgeführt wurde (vgl. Randoll 2013a). Im Folgenden werden die Komponenten des Erhebungsdesigns dieser Studie und deren Prozessschritte skizziert sowie die vorangestellte Vorstudie, simultane Teilstudien (z. B. gesonderte Untersuchung der heilpädagogischen Schulen) und eine arrondierende Folgestudie (Befragung der Waldorfschul-Geschäftsführer) in konspektierender Form vorgestellt (vgl. Kap. 9). Daran anschließend werden Design und Verfahren der hiesigen Auswertung illustriert sowie die Entwicklung deren methodischen Instrumentariums für die konsekutive Datenanalyse referiert (vgl. Kap 10).
Inga Enderle

Kapitel 10. Auswertungsdesign der empirischen Untersuchung

Das auszuwertende Datenmaterial entstammt der in Kapitel 9 beschriebenen quantitativen Explorationsstudie von Randoll (vgl. 2013a), das heißt der Vollerhebung aller Waldorfschulen in Deutschland. Die Daten des Geschäftsführerfragebogens der Folgestudie (vgl. Kap. 9.6; Anlage 2) wurden von Koolmann und Nörling (vgl. 2015) ausgewertet und bearbeitet, sodass diese bei der Analyse der hiesigen Untersuchung nicht integriert werden, sondern allenfalls bei Bedarf auf deren Ergebnisse rekurriert wird. Ebenso werden bei der anschließenden Auswertung die Daten heilpädagogischer Schulen isoliert, da diese – wie bereits erwähnt – in einer gesonderten Studie analysiert wurden (vgl. Schmalenbach/Randoll/Peters 2014).
Inga Enderle

Kapitel 11. Darstellung der empirischen Ergebnisse

Da jede Waldorfschule unikale Attributiva und dadurch induzierte spezifische Konditionen für den Einzelnen aufweist, können die individuellen Projektionen bezüglich „Führung“ und „kollegialer Selbstverwaltung“ disparat ausgeprägt sein. Die beiden Fragebogen-Items zur „Zufriedenheit mit der Führung“ sowie zur „Zufriedenheit mit der schulischen Selbstverwaltung“ bilden hierzu konkrete Aussagewerte der Lehrer an Waldorfschulen ab. Die folgende deskriptive Auswertung dieser beiden Items basiert auf den arithmetischen Mittelwerten (M) der Datenangaben, die für Lehrergruppen segmentiert nach den diese beschäftigenden Waldorfschulen errechnet wurden, sodass die gemittelten Daten die Aussagewerte jeweils einer Waldorfschulinstitution repräsentieren.
Inga Enderle

Kapitel 12. Diskussion der empirischen Ergebnisse

Bei der deskriptiven Auswertung der beiden Fragebogen-Items zur „Zufriedenheit mit der praktizierten Führung“ sowie zur „Zufriedenheit mit der schulischen Selbstverwaltung“ (vgl. Kap. 11.1) bildeten sich in den Ergebnissen breite Streuungen der Häufigkeiten ab, die sich in einem Intervall von „1: trifft voll zu“ bis „3: trifft eher nicht zu“ bewegten. Dies weist darauf hin, dass die Ausprägung der Zufriedenheit mit der Führung und den daraus resultierenden Konsequenzen sowie mit der Funktionalität der kollegialen Selbstverwaltung je nach Waldorfschule deutlich variieren kann. Dass die unterschiedlichen Auffassungen bezüglich Führung und kollegialer Selbstverwaltung in diesem Ausmaß divergieren, kann durch die unikalen Merkmale und Bedingungen der jeweiligen Waldorfschule begründet werden, die sich wie ein lebendiger Organismus individuell formieren und sich korrespondierend zu den spezifischen Anforderungen ausbilden soll. Dadurch sind in der Praxis keine homogenen Verhältnisse vorherrschend, die nach uniform statuierten Modi ablaufen und dementsprechend erfasst werden können.
Inga Enderle

Kapitel 13. Gesamtresümee

Die vorliegende Arbeit widmete sich dem Arbeitsprinzip der kollegialen Selbstverwaltung, das auf den anthroposophischen Grundlagen Rudolf Steiners basiert und in Freien Waldorfschulen seit deren Begründung 1919 praktiziert wird. Intendiert wurde eine Lokalisierung des Phänomens „Führung“ in der kollegialen Selbstverwaltung sowie weiterführend deren Legitimierung als ein autonomes und ganzheitliches Führungsprinzip. Flankierend wurde reflektiert, inwiefern sich Führung und kollegiale Selbstverwaltung exkludieren, komplementieren oder sich wechselseitig bedingen, wie sich kollegiale Selbstverwaltung in deren genuinen Idee konstituiert und obligate Führungsbedarfe saturiert, welche energetischen und welche dysfunktionalen Kräfte in dieser wirken, und inwiefern deren Potentiale grundsätzlicher Art durch komparable Führungsprinzipien alludiert werden.
Inga Enderle

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