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Über dieses Buch

Der Band fragt nach dem Verhältnis von Mediatisierungsforschung und dem Kommunikativen Konstruktivismus. Aus verschiedenen soziologischen, medien- und kommunikationswissenschaftlichen Perspektiven wird theoretisch und anhand von empirischen Beispielen diskutiert, ob und wie sich die Mediatisierungsforschung mit Hilfe des Kommunikative Konstruktivismus fundieren und weiterentwickeln lässt oder ob der Kommunikative Konstruktivismus die Mediatisierungsforschung benötigt, um empirisch und theoretisch gehaltvoll zu sein.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Braucht die Mediatisierungsforschung wirklich den Kommunikativen Konstruktivismus?

Der Begriff Mediatisierung hat nicht nur in den Medienwissenschaften sondern auch in den Sozial- und Kommunikationswissenschaften Konjunktur. Doch wie so oft bei Begriffen, die Konjunktur haben, kann man nicht voraussetzen, dass die Bedeutung des Begriffs (jedem) gleichermaßen bekannt ist; eher das Gegenteil ist der Fall: Viele fassen sehr viel Verschiedenes darunter – je nach Interessenlage und Mitgliedschaft in einer wissenschaftlichen Community. Das macht einen Versuch der ‚Gebrauchsgeschichte’ des Begriffes Mediatisierung zumindest lohnenswert, gerade weil er so heterogen diskutiert wird.
Jo Reichertz, Richard Bettmann

Positionierungen

Frontmatter

Von der Mediatisierung zur tiefgreifenden Mediatisierung

Konstruktivistische Grundlagen und Weiterentwicklungen in der Mediatisierungsforschung
Kernüberlegung des Artikels ist es, dass sowohl Mediatisierungsforschung als auch kommunikativer Konstruktivismus damit konfrontiert sind, sich so weiterzuentwickeln, dass sie in ihrer empirischen Forschung der sich aktuell grundlegend verändernden Medienumgebung gerecht werden. Um dieses Argument zu entwickeln, werden zuerst einige allgemeinere Anmerkungen zum Konstruktivismus in der Kommunikations- und Medienwissenschaft gemacht. Diese ermöglichen es, die konstruktivistischen Grundlagen der Mediatisierungsforschung zu reflektieren und so die aktuelle Diskussion um kommunikativen Kon struktivismus besser in diese einzuordnen. Auf einer solchen doppelten Basis geht es dann darum, die aktuelle tiefgreifende Mediatisierung näher zu beleuchten. In ihr werden Medien mehr und mehr (auch) zu Software, weswegen wir mit einer gänzlich anderen Form der Mediatisierung konfrontiert sind als die durch die sogenannten Massenmedien. Dies führt mich dann zu den Herausforderungen, vor denen sowohl die Mediatisierungsforschung als auch der kommunikative Kon struktivismus stehen. Entsprechend geht es mir weniger darum, wer wem wie nützlich ist, sondern wie beide diesen Herausforderungen gerecht werden können – als „konstruktivistische Kritik“ aktueller medienbezogener Entwicklungen.
Andreas Hepp

Die Kommunikationsgesellschaft

Mit der Umkehrung des Sammelband-Titels möchte ich die These aufstellen, dass der kommunikative Konstruktivismus die Mediatisierungsforschung benötigt. Wie ich im ersten Teil erläutern möchte, führt der Gedanke der Mediatisierung zu einigen grundlegenden Veränderungen des in den empirischen Forschungen implizierten theoretischen Ansatzes des Sozialkonstruktivismus bzw. der Sozialphänomenologie und erlaubt es, von verschiedenen Phasen der Ausbildung der „kommunikativen Konstruktion“ zu reden. Ich möchte diese Phasen hier kurz skizzieren, muss jedoch einräumen, dass es sich dabei nicht um eine systematische Rekonstruktion handelt. So groß der Beitrag der Mediatisierungsforschung insbesondere zur Grundlagentheorie ist, geht jedoch die Gesellschaftstheorie und -diagnose des kommunikativen Konstruktivismus darüber hinaus. Um dies aufzuzeigen, möchte ich im zweiten Teil auf die Mediatisierungsforschung eingehen und in diesem Zusammenhang die derzeit prägnanteste Gesellschaftstheorie im Mediatisierungsansatz besprechen, wie sie jüngst von Couldry und Hepp (2016) formuliert wurde. Während sich diese Theorie weitgehend auf die Medien und mediale Kommunikation beschränkt und andere Felder, Systeme oder Institutionen lediglich in ihrer Verbindung dazu betrachtet, geht der Mediatisierungsbegriff des kommunikativen Konstruktivismus darüber hinaus und bezieht sich auf alle Formen gesellschaftlichen Handelns, die auch etwa die industrielle Produktion einschließen. Ihre Folge ist die Theorie der Kommunikationsgesellschaft, die ich kurz umreißen möchte. Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass es sich dabei um Hypothesen handelt, für die die Mediatisierungsforschung bedeutende Beiträge leisten kann; als Gesellschaftsdiagnose kann und muss sie aber darüber hinausgehen und auch bestehende und zukünftige Befunde aus vielen anderen Forschungsbereichen einbeziehen.
Hubert Knoblauch

Die soziale Konstruktion der Mediatisierung

Ausgehend von einer kritischen Betrachtung des Mediatisierungsansatzes plädiert der Beitrag für einen differenzierten Medienbegriff. Um dem Organisationscharakter von Medien Rechnung zu tragen, werden neben dem kommunikativen Handeln als ursprünglichem Zweck der Medien auch instrumentelle und strategische Handlungstypen berücksichtigt. Diese sozialen Handlungen wirken im Prozess der Mediatisierung zusammen und verändern dabei das kommunikative Handeln. Die aus der soziologischen Handlungstheorie bekannten Grundbegriffe und die sozialkonstruktivistische Auffassung von Institutionalisierungsprozessen erweisen sich als hilfreich für die Analysen von Medien und Mediatisierung. Eine Überdehnung des Kommunikationsbegriffs, wie ihn kommunikativer Konstruktivismus und behavioristische Kommunikationslehre nahe legen, wird aus zeichentheoretischen und sozialphänomenologischen Gründen abgelehnt.
Klaus Beck

Kommunikative Konstruktionen

Frontmatter

Die Unabgeschlossenheit von Objektivation

Ein blinder Fleck von Mediatisierungsforschung und Kommunikativem Konstruktivismus
Materialität unter den Bedingungen von Digitalisierung kommt eine Schlüsselstellung in Mediatisierungsprozessen zu. Zugleich ist mit der ununterbrochenen Veränderung digitalen Materials eine hochaktuelle Problemstellung markiert, die es theoretisch zu fassen gilt. Unabgeschlossenheit ist sowohl in der Mediatisierungsforschung als auch in der Debatte zum Kommunikativen Konstruktivismus ein blinder Fleck. Gleichwohl ist der Kommunikative Konstruktivismus in dem Maße für einen Zugriff ‚brauchbar‘, in dem mit seinem Programm das theoretische Rüstzeug bereitgestellt wird, geht doch mit diesem Umbau eine Hervorhebung von Materialität einher. Der Beitrag setzt an einer Differenzierung verschiedener Materialitätsbegriffe an. Als zentrales Konzept der neueren Wissenssoziologie wird Objektivation als der geeignete, wenn auch im Hinblick auf spezifische Vorannahmen zu überdenkende Ansatzpunkt für die theoretische Adressierung von Materialität und deren Unabgeschlossenheit unter Digitalisierungsbedingungen entfaltet. Illustrierend wird ein Ausschnitt aus der Entwicklung einer ‚Blocking-App‘ herangezogen.
Tilo Grenz, Michaela Pfadenhauer, Heiko Kirschner

Die empirische Untersuchung von Medienwirkungen

Potenziale des kommunikativen Konstruktivismus für die Mediatisierungsforschung
Ausgehend von Erkenntnissen des DFG-Projektes Die Mediatisierung der deutschen Forensik erkundet dieser Beitrag den Mehrwert des Kommunikativen Konstruktivismus für die empirische Untersuchung von Medienwirkungsprozessen. Nach einer Auseinandersetzung mit der projekteigenen Perspektive auf Medien und Mediatisierung werden zunächst die Besonderheiten des hier vertretenen wissenssoziologischen Medienwirkungsansatzes dargelegt. Anschließend wird anhand zweier Fallbeispiele herausgearbeitet, inwieweit sich der Kommunikative Konstruktivismus empirisch umsetzen lässt und welche Chancen für die Mediatisierungsforschung daraus entstehen.
Matthias Meitzler, Caroline Plewnia

Die Genealogie des Duckface

Zur kommunikativen Konstruktion mediatisierter Wirklichkeit
Um die Frage dieses Sammelbandes zu beleuchten, widmet sich Verena Keysers einem eigentümlichen Gesichtsausdruck, der im Internet als Duckface bekannt geworden ist und von der Autorin als ein Phänomen der Social-Mediatisierung vorgestellt wird. Es wird argumentiert, dass der Beobachtungs-Shift vom sozialkonstruktivistischen Fokus auf Wissen und Sprache hin zum kommunikativ-konstruktivistischen Interesse für kommunikatives Handeln und Wirkung es möglich mache, Mediatisierungsphänomene wie die Pose des Duckface, deren Sinn und Wirkung nur äußerst begrenzt über verbal-sprachliche Prozesse erzeugt und tradiert werden, verstehend anzunehmen und zu rekonstruieren. Anhand der Frage nach sozio-historischen Bedingungen dieser Art moderner Selbstfotografie, die einst den „MySpace Angle“, dann das „Duckface“ und jüngst sogar das „Fishgape“ als Ikonen der Selbstdarstellung hervorbrachten, wird ein Prozess der pfadabhängigen wechselseitigen Aneignung von Menschen und Medientechnologie rekonstruiert, welcher Zusammenhänge zwischen verschiedenen Mediatisierungsphänomenen aufzeigt und damit einem zentralen Anliegen der Mediatisierungsforschung begegnen kann.
Verena Keysers

Medienästhetisierung und Mediatisierung des Alltags als Formen der kommunikativen Konstruktion der Wirklichkeit

Der kommunikative Konstruktivismus und die Mediatisierung sind besonders in dem Aspekt der Veränderung der Kommunikationsweisen miteinander verschränkt. Und diese veränderten Kommunikationsweisen, die durch die neuere Mediatisierung bzw. die digitalen Medien ermöglicht und angestoßen wurden, sind durch eine besondere Form der Medien- bzw. Kommunikationsästhetik gekennzeichnet. Eine solche Ästhetik besitzt eine triadische Struktur aus Produktion, Distribution und Konsumtion.
Oliver Bidlo

Akteur-Netzwerke der Medialität

Anhand einer Auseinandersetzung mit einigen Grundlagen der ANT und vor allem deren Prinzip der Generalisierten Symmetrie wird versucht, eine kritische Ergänzung der Theorie des Kommunikativen Konstruktivismus zu gestalten, womit die Frage „inwieweit, in welchen Formen und mit welchen Folgen Medien an der kommunikativen Konstruktion der sozialen Wirklichkeit beteiligt sind?“ sinnvoller betrachtet werden kann. Von besonderer Bedeutung dabei ist das Paradox der Entfernung, das von Martin Heidegger damals in Bezug auf Fernsehen erwähnt wurde. Durch eine Fokussierung auf die Objektbezogenheit medialer Kommunikation werden einige Kant̛sche Voraussetzungen des Kommunikativen Konstruktivismus kritisch hervorgehoben, die aber für die Weiterentwicklung dieses Paradigmas – vor allem in Bezug auf seine gesellschaftstheoretische Bedeutsamkeit für die Analyse von mediatisierten Welten – ohne große Probleme zur Seite gelegt werden könnten.
Joost van Loon

Ausblicke

Frontmatter

Die Diskursanalyse als Teil des Kommunikativen Konstruktivismus

In dem Beitrag wird danach gefragt, ob und wie man in (medial gestützten) Diskursen Kommunikationsmacht aufbauen kann. Deshalb wird anfangs das Konzept der ‚Kommunikationsmacht‘ vorgestellt, um dann die These zu begründen, dass man die Frage nach der Kommunikationsmacht in Diskursen nur dann sinnvoll stellen kann, wenn man den Diskurs als einen sich in verschiedenen Phasen vollziehenden sozialen Prozess versteht, der maßgeblich von sinnhaft handelnden und kommunizierenden Akteuren getragen wird. Eine prozessorientierte Diskursanalyse, die wissenssoziologisch angelegt ist und das kommunikative Mit- und gegeneinander der Akteure rekonstruiert, kann den Aufbau und die Wirkung von Kommunikationsmacht sichtbar und verständlich machen.
Jo Reichertz

Theoretische Ansätze als kommunikative Konstruktionen

Optionen und Konsequenzen einer konstruktivistischen Erklärung der Wissenschaftsentwicklung
Können theoretische Ansätze als kommunikative Konstruktionen begriffen werden? Am Beispiel des kommunikationswissenschaftlichen Ansatzes „Medienrealität“ wird gezeigt, welche Optionen sich bieten, wenn die Entwicklung theoretischer Ansätze auf Basis eines konstruktivistischen Wissenschaftsverständnisses erklärt werden soll. Es wird zunächst dargelegt, welche Erklärungsmöglichkeiten der soziale Konstruktivismus auf der Makro-, Meso- und Mikroebene von Interaktion eröffnet. Stichworte dafür sind: Generationenwechsel, kollektive Wissensproduktion, opportunistische Forschungslogik. Dann wird dargelegt, welche Erklärungsmöglichkeiten der kommunikative Konstruktivismus bietet. Dabei kann mit verschiedenen Kommunikationsbegriffen operiert werden, beispielsweise mit einem sprachtheoretischen oder einem medientheoretischen Kommunikationsbegriff. Die Erklärungen haben Konsequenzen für die strategische Gestaltung und Vermittlung theoretischer Ansätze.
Gerhard Vowe

Emergenz und Zukunft des Kommunikativen Konstruktivismus

Der Autor beschäftigt sich in dem Beitrag mit der Akzentverschiebung des Kommunikativen Konstruktivismus im Vergleich zum Sozialkonstruktivismus. Dabei wird der Objektivierungsprozess als Kommunikationsprozess und Objektivationen als Ergebnis von Kommunikation(en) angedeutet. Von dort aus wird der Blick in die Zukunft gerichtet, um mögliche und zu bewältigende Aufgaben, die mit diesem Konzept auf theoretischer, methodologischer und methodischer Ebene einhergehen, anzureißen. Abschließend wird in Rückgriff auf den Kommunikativen Konstruktivismus als Arbeitsprogramm ein Blick geworfen auf die Fragestellung, die diesem Band unterlegt ist.
Richard Bettmann

Backmatter

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