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19.09.2018 | Kommunikation | Im Fokus | Onlineartikel

Gesellschaftliche Verantwortung ist kein notwendiges Übel

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
3:30 Min. Lesedauer

​​​​​​​In diesem Jahr müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen erstmals über nicht-finanzielle Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit informieren. CSR-Berichterstattung ist ihnen aber keine lästige Pflicht.

Wie hast du's mit deiner gesellschaftlichen Verantwortung? Konnten kapitalmarktorientierte Unternehmen sich in den vergangenen Jahren noch um eine Antwort auf die Frage nach ihren CSR-Aktivitäten drücken, müssen sie ab diesem Geschäftsjahr per Gesetz über ihren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz berichten, über ihre Achtung vor den Menschenrechten entlang der Lieferketten und ihre Haltung zu Korruption und Bestechung. Die Global Reporting Initiative (GRI) liefert seit ihrer Gründung im Jahr 1999 die weltweit am häufigsten genutzten Richtlinien für die CSR-Berichterstattung. Diese wird mit Stichtag 1. Juli 2018 von den novellierten GRI Sustainability Reporting Standards (GRI Standards) abgelöst.

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Nachhaltigkeitsberichterstattung

Berichterstattung stellt für viele Unternehmen den ersten Schritt in professionelles Nachhaltigkeitsmanagement dar. Es bietet sich an, dafür Unternehmenswerte, CSR-Verpflichtungen und Complianceprozesse zu systematisieren.


Kein Pardon für Unternehmenssünden

Ob Abgasskandal oder  Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern, die deutsche Gesellschaft ist hellhörig, unternehmenskritisch, weniger bereit zu verzeihen, aber auch willig zu honorieren, wenn Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten transparent kommunizieren und der Öffentlichkeit Zugang gewähren zu den sozialen und umweltkritischen Aspekten ihres Handelns. Die CSR-Berichtspflicht ist also eine große Chance für Wertentwicklung, Imagebildung und Kundenbindung von Unternehmen. Doch wie stehen Unternehmen dazu nun Rechenschaft über ihre nicht-finanziellen Aktivitäten abgeben zu müssen?

Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Unternehmensinitiative Future befragten größten deutschen Unternehmen (67 Industrieunternehmen, zehn Versicherungen, zehn Banken, dreizehn Handels- und Bekleidungsunternehmen) beginnen sich nun systematischer mit den Nachhaltigkeitsrisiken ihrer Geschäftstätigkeit auseinanderzusetzen. Insgesamt nahmen 210 Unternehmen - Großunternehmen, KMU und sonstige berichtspflichtige Unternehmen an der Befragung "Nachhaltigkeitsberichterstattung ist Zeiten der Berichtspflicht" teil. Grundsätzlich begrüßten 80 Prozent der Großunternehmen die CSR-Berichtspflicht. Als Kommunikationsmedium für Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte nutzen 84 Prozent die Unternehmenswebseite, 47 Prozent publizieren einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht und nur noch 16 Prozent setzen auf die integrierte Berichterstattung ihrer Nachhaltigkeitsthemen.

CSR-Kommunikation - systematisch und professionell

Die Berichte werden bei den Großunternehmen zunehmend von eigenen Abteilungen verfasst (40 Prozent) und von externen Stellen (45 Prozent) geprüft, weitere 26 Prozent lassen sich das GRI-Anwendungsniveau extern bestätigen. Damit scheint sich die CSR-Berichterstattung zu etablieren und professionalisieren. Top-Nachhaltigkeitsthemen der befragten KMU sind Personalentwicklung, Unternehmenswerte, Ethik und Klimaschutz. Oberstes Ziel ihrer CSR-Kommunikation ist die Imagewirkung (88 Prozent) gefolgt von der Absicht die Öffentlichkeit für Nachhaltigkeitsstrategien zu sensibilisieren (81 Prozent). Größte Herausforderungen bei der Umsetzung der CSR-Berichtspflicht sind für die sonstigen Berichtspflichtigen die Angaben zu Umweltbelangen und zur Achtung der Menschenrechte sowie die Beschreibung der Risiken aus Geschäftstätigkeit, Geschäftsbeziehungen, Produkten und Dienstleistungen.

Einfach ist das nicht

Insgesamt sei CSR-Reporting in Deutschland mit der Berichtspflicht dynamischer geworden resümieren die Studienautoren. Während erfahrene - auch freiwillige - Berichterstatter sich weiter professionalisierten, setzten sich unerfahrene Berichterstatter nun deutlich systematischer mit ihren nicht-finanziellen Themen auseinander und nutzen sie zunehmend auch für interen Steuerungszwecke. Ein kleines "Aber" allerdings formuliert Springer-Autor Matthias S. Fifka in "CSR-Kommunikation und Nachhaltigkeitsreporting – Alles neu macht die Berichtspflicht?": "In seiner Gesamtheit ist das Gesetz als eher "schwach" zu beurteilen aufgrund der vielen Interpretationsmöglichkeiten und Hintertüren, bestimmte Information nicht zu berichten" (Seite 146). Unternehmen seien außerdem mit einer Reihe von Herausforderungen und Kosten konfrontiert, die es ihnen erschwerten die Vorteile zu erkennen (Seite 146/147):

  • keine zuverlässige Kosten-Nutzen-Anlayse, weil die "Erlöse" schwer zu quantifizieren sind
  • Informationen werden Konkurrenten und Unternehmenskritikern (NGOs) zugänglich gemacht 
  • Nachhaltingskeitsreporting könnte als PR-Maßnahme missverstanden werden
  • Unsicherheiten darüber, wie die sozialen und ökologischen Indikatoren zu messen, prüfen und testieren sind

Auch Visionen sind erwähnenswert

Nachhaltigkeitsreporting ist keine Chance, sondern eine Notwendigkeit für Unternehmen um ihre Licence to operate zu erhalten. Stakeholder erwarteten Transparenz und Accountability, argumentiert Fifka (Seite 148). Unternehmen rät er, innere Vorbehalte abzubauen, das Reporting als fortwährenden Lernprozess zu verstehen, den Schwerpunkten der eigentlichen Geschäftstätigkeit zu folgen und auch Ziele zu benennen. Dabei hilft eine vollständige oder teilweise Anwendung von Reporting-Standards sowie die abschließende Prüfung und Testierung von externen Dritten. "Eine auf umfassenden Standards, wie etwa die GRI, basierende Berichterstattung ist jedoch in erster Linie für Großunternehmen ratsam, da kleine und mittlere Betriebe häufig mit den weitreichenden Anforderungen überfordert sind." (Seite 150)

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