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29.10.2018 | Kommunikation | Interview | Onlineartikel

"Kunden sind dankbar für jeden echten Einblick in ein Unternehmen"

Autor:
Johanna Leitherer

Statt großer Budgets brauchen Unternehmen für eigene Video-Produktionen vor allem ein bisschen Mut, erklärt Jörg Pattiss. Im Interview mit Springer Professional gibt der Autor des Buchs "Praxisratgeber Video-Marketing" hilfreiche Tipps.

Springer Professional: Herr Pattiss, warum ist Video in der Kommunikation so gefragt?

Jörg Pattiss: Video bietet die Möglichkeit, sowohl visuell als auch akustisch ZuseherInnen auf mehreren unterschiedlichen Ebenen zu erreichen und dadurch nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Erinnerung an das Gesehene zu stärken. Darüber hinaus wird SprecherInnen mit all ihrer Gestik, Mimik und Intonation weit mehr Vertrauen entgegengebracht als einem Foto oder Text.

Gerade mit multimedialen Inhalten lassen sich Produkte und deren Handhabung ideal präsentieren: 64 Prozent aller Online-Kunden kaufen beispielsweise mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Produkt, nachdem sie ein Video gesehen haben, wie eine Untersuchung zeigt.

Empfehlung der Redaktion

2018 | Buch

Praxisratgeber Video-Marketing

Strategie, Produktion, Tools, Verbreitung

Online-Videos haben sich zu einem effektiven und unverzichtbaren Werkzeug im Marketing für Unternehmen jeglicher Größe etabliert. Videos können nicht nur relevanten Content in kurzer Zeit anschaulich vermitteln, sondern bedienen den Zuschauer auch auf verschiedenen emotionalen Ebenen und helfen dadurch, eine Beziehung zur Zielgruppe aufzubauen.


Kann jedes Unternehmen von Video-Marketing profitieren? Oder anders gefragt: Sind Unternehmen, die kein Bewegtbild in ihre Kommunikation einbinden, überhaupt noch zeitgemäß?

In den meisten Branchen hat sich Online-Video in den vergangenen Jahren als Marketing-Instrument etabliert. Egal, ob das nun Videos auf der eigenen Webseite sind oder Clips auf unterschiedlichen Social-Media-Plattformen, als Postings oder bezahlte Ads. Online-Filme werden mittlerweile von Unternehmen breitgefächert eingesetzt. 

Bewährte Formate sind dabei etwa Clips, die Einblicke in das Unternehmen und dessen Werte geben, Clips, die nützliche Inhalte vermitteln und so das Branding forcieren, oder einfach Videowerbung, die Infos zu Produkten oder Dienstleistungen vermittelt. Trotzdem ist, was die Nutzung angeht, gerade im deutschsprachigen Raum die Decke noch nicht erreicht – die Zeit ist also noch immer reif, auf den Zug aufzuspringen. Die, die das nicht machen, lassen sich wichtige Chancen, mit ihren Kunden zu kommunizieren, entgehen.

Welche technische Grundausstattung brauchen Video-Marketer für die Inhouse-Produktion? Oder sind professionelle Dienstleister grundsätzlich die bessere Wahl?

Ich sehe die technische Herausforderung als eher zweitrangig an. Mittlerweile haben sogar schon Smartphone-Kameras eine so hohe Qualität, dass man sie ohne Bedenken für die Produktion von Unternehmensvideos heranziehen kann. Das zusätzliche Equipment, also zum Beispiel Mikrofon und Licht, ist auch ohne großen finanziellen Aufwand erhältlich. Der Knackpunkt ist aber das Know-how, um so eine Produktion nicht nur visuell, sondern auch inhaltlich umzusetzen. Das heißt, dass der größte Zeitaufwand in die strategische und taktische Konzeption fließen sollte. Hier kann es auch Sinn machen, sich anfänglich mit etwas Consulting Unterstützung zu holen. Bei guter Planung stellt die anschließende Produktion dann keine große Herausforderung mehr dar.

Ob man hier zu professionellen Dienstleistern greift, ist eine Frage des Umfangs der Marketing-Maßnahmen und natürlich der eigenen Motivation und Ressourcen. Die Produktion sollte nicht das Tagesgeschäft behindern, daher ist Outsourcen ab einer gewissen Projektgröße sicher sinnvoll. Man sollte aber beachten, dass eine externe Filmproduktion nicht auch zwingend Marketing-Verständnis besitzt. Einen visuell schönen Film zu erstellen ist hier definitiv zu wenig …    

Welche Herausforderungen erwarten Video-Marketer?

Gerade am Anfang besteht für UnternehmerInnen die Gefahr, mit der eigenen Performance vor der Kamera nie zufrieden zu sein. Das ist aber völlig normal, wenn man bisher eher selten die Gelegenheit hatte, vor der Kamera zu stehen und den Anblick der eigenen, sich bewegenden Person nicht gewohnt ist. Das kann anfänglich schon zu einem kleinen Schock führen: Die Stimme klingt anders, unsere Mimik und Gestik wirkt fremd, ja sogar unser ganzer Körper erscheint ungewohnt (letzteres übrigens, weil wir hauptsächlich unser Spiegelbild kennen und nun quasi spiegelverkehrt im Video erscheinen). Dazu kommt, dass wir vom Fernsehen professionelle SprecherInnen gewohnt sind und uns automatisch mit ihnen vergleichen.

Daher ist es wichtig, sich seines Auftretens vor der Kamera bewusst zu sein und sich so, wie man ist, zu akzeptieren. Verbesserungen sind natürlich nicht verboten, man sollte aber keine "Perfektion" anstreben – hier geht meistens ohnehin viel der eigenen Persönlichkeit und damit Glaubwürdigkeit verloren. Authentizität ist das neue Perfekt.

Auch auf Youtube sind nicht immer die qualitativ hochwertigen Videos am erfolgreichsten, wie etwa beliebte Video-Blogger beweisen, die mit wackelnder Kamera ihren Alltag abfilmen. Ist eine solche Herangehensweise auch für Unternehmen ratsam?

Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig, so sind natürlich besonders die Zielgruppe und der Kanal, auf dem man das Video einsetzt, ausschlaggebend. Mit dem Aufkommen von Videos im Internet haben sich unsere Sehgewohnheiten massiv geändert. Authentizität spielt hierbei auf alle Fälle eine große Rolle.

Die Wirkung der klassischen hochglanzpolierten Fernsehwerbung lässt heutzutage merklich nach. Gerade die Internet-User wollen Echtheit, da braucht es keine Hollywood-Produktion, um glaubwürdig zu wirken. 

Natürlich muss aber die Anmutung des Videos auch zum Image des Unternehmens passen. Firmen in besonders sensiblen Branchen sollten logischerweise nicht unbedingt mit einem Clip im Trash-Look kommunizieren. Trotzdem gilt: Ruhig einmal etwas mutiger sein und sich ungeschönt und authentisch zeigen. Die Kunden sind dankbar für jeden echten Einblick in ein Unternehmen.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Video und Internet

Quelle:
Praxisratgeber Video-Marketing

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Strategie bestimmen

Quelle:
Praxisratgeber Video-Marketing

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Videos und Storytelling

Quelle:
Quick Guide Digitale B2B-Kommunikation

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