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21.04.2020 | Kommunikation | Kolumne | Onlineartikel

Wie digital bleiben wir nach Corona?

Autor:
Prof. Dr. Rainer Elste
3 Min. Lesedauer

Erhalten Sie auch so viele teils bissige, teils rührende Whatsapp-Anhänge zum Thema Corona? Eigentlich wäre hier nicht der Platz, um darüber zu schreiben, aber ein Anhang lässt ihn nicht los, meint Gastkolumnist Professor Rainer Elste. 

Er geht so: Auf einem marktforschungsähnlichen Fragebogen wird gefragt, wer die Digitalisierung im eigenen Unternehmen mehr vorangetrieben hat? Antwort eins: der CEO, zwei: der CIO und Antwort drei: Covid-19. Die letzte Antwort ist markant umkringelt. Trotz des scheinbaren Sarkasmus ist einiges wahr daran. Nicht nur wir als Hochschulen müssen in Windeseile unseren eigentlich präsenzgeprägten Stil auf Distanz umstellen und damit digitalisieren. Auch alle noch tätigen Unternehmen schalten hier ganz schnell um. Dort, wo persönliche Kundenkontakte ausbleiben müssen, tritt die Telefon- oder Webkonferenz an die Stelle. 

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Digitale Transformation bedeutet nicht nur, analoges Vorgehen durch digitalisierten Informationsaustausch zu ersetzen. 

Wie alles im Leben hat das viele Vorteile und Nachteile: Zum einen reduzieren wir gerade massiv unseren CO2-Footprint, da wir nicht mehr reisen. Zum anderen sparen wir unglaublich viel Leerzeit und Kosten durch die vielen Reisen. Ich erlebe auch, dass die Disziplin bei der Durchführung der Fernkonferenzen gestiegen ist: Teilnehmer sind pünktlich in der Leitung, stellen das Mikrofon aus, wenn sie nichts zu sagen haben und auch der Abschluss ist pünktlich, da meist die nächste Telko schon wartet. Dennoch ist und bleibt diese Art des Austauschs unpersönlicher und ist nach der neunten Konferenz auch kräftezehrend. Ein Beispiel aus der Praxis: Wir betreuen gerade einen Fabrikanten von Fleischspezialitäten bei der strategischen Neuausrichtung seiner Marken. Trotz digitaler Whiteboards und anderer Techniken war der zweite Workshop weniger fruchtbar als der erste, den wir kurz vor dem Shutdown wegen des Corona-Virus noch persönlich durchgeführt haben. Kreativität und das Feedback des anderen leiden unter digitalen Hilfsmitteln.

Kundenverhalten und Informationssuche im Vertrieb ändern sich

Die Frage ist, was wird nach Corona? Ich bin kein Soziologe und auch kein Psychologe. Dennoch glaube ich persönlich, dass wir uns wie immer die Rosinen herauspicken werden, was auch gut so ist. Alles, was gut funktioniert hat, werden wir beibehalten. Dann kommt noch der Faktor Zeit hinzu: Je länger der Shutdown andauert, desto mehr gewöhnen wir uns an die Art des Austauschs und desto schwerer wird die Umstellung auf den Umgang, wie er vorher war.

Das gilt nicht nur für den Austausch mit unseren Kunden, sondern auch in Bezug auf das Bestellverhalten, die Informationssuche und -verarbeitung sowie viele weitere Bereiche in Vertrieb und Marketing. Was das Thema Preise angeht, bin ich unschlüssig. Zur Zeit gibt es Krisenpreise, also ein hohes Preisniveau, das den besonderen Aufwand der Beschaffung, Produktion und Lieferung abdeckt. Leider gibt es hier auch die Windfall-Spekulanten, die beispielsweise Atemschutzmasken mit einem 3000-prozentigen Aufschlag anbieten, was unverschämt ist und verboten gehört. Doch was wird nach der Krise? Erleben wir einen Preiseinbruch, um die Produktion wieder anzukurbeln? Werden sich Unternehmen mit größeren Vorräten versorgen oder ihre Beschaffungswege ändern, falls Corona II kommt, was wiederum die Kosten in die Höhe treibt?

Es wird auf den Einzelfall ankommen

Wenn man versucht, das Positive in der negativen Zeit zu finden, dann doch wenigstens, dass sie Unternehmen zu einem Umdenken und zum Handeln bewegt. Vielleicht wird ja dann doch in einem Jahr wieder die Antwort lauten: Der CEO treibt die Digitalisierung am stärksten voran.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier.

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