Skip to main content
main-content

30.09.2014 | Kommunikation | Im Fokus | Onlineartikel

Online-Marketing und der Kater danach

Der Content-Marketing-Hype ist ungebrochen. Doch könnte es sein, dass die Branche sich selbst zelebriert und die Kundenorientierung vergessen hat? Ein Gastkommentar.

Seit Wochen beschäftigt mich, die Frage, warum unsere Kunden aus dem B2B-Bereich dem Online-Marketing so kritisch gegenüber stehen. Irgendetwas stimmt hier nicht, wo doch alle von Online-Marketing reden. Alle? Eher nicht. Das Meinungsbild von Online-Marketern ist diffus. Von eigenen Realitäten verzerrt, hat sich unter Experten eine vom Mittelstand losgelöste Meinung über das Online-Marketing etabliert. Es ist doch so klar, ohne geht es nicht mehr. Dabei hat der Mittelstand davon noch nichts mitbekommen. Trotzdem feiern Agenturen und Marketer sich und den revolutionären Erkenntnisgewinn, weil Content Marketing und Content Strategie das Maß der Dinge sind. So auch der Tenor der diesjährigen Messe „Dmexco“. Doch ist das wirklich allen so klar?

Die meisten Entscheider sind digital kaum erreichbar

Weitere Artikel zum Thema

Es interessierte mich brennend. Das war regelrecht schmerzhaft als ich recherchierte. 790 von 1.000 deutschen Entscheidern informieren sich über Fachzeitschriften. Nein, keine Fachforen, Blogs oder Communities. Papierzeitschriften. Die nächste Ohrfeige: Die ARD-ZDF-Onlinestudie behauptet, dass in der Entscheider-Nutzergruppe 50plus nicht mal jeder Zweite aktuelle Informationen aus dem Netz nutzt. Keine 20 Prozent nutzen Online-Communities. Ach, und nur drei Prozent lesen Blogs. Gruselig. Da interessiert schon fast nicht mehr, dass immerhin rund 70 Prozent Suchmaschinen, z.B. zur Buchung von Urlauben, nutzen.

Diese Zahlen dürften auch dem Online-Marketing nicht unbekannt sein. Aber die Wände des Social Web und der Fachportale werden lieber mit schicken Nutzergrafiken plakatiert, Herkunft: USA. Wenn das die Entscheidungsgrundlage ist ... Niemanden scheint zu interessieren, dass Deutschland aufgrund seiner Demographie eine besondere Position einnimmt und Neuem seit je her eher verhalten gegenübersteht. Man feiert lieber weiter. Eine Umfrage durch die Agentur Frau Wenk ergab zudem, Marketing ist nur Werbung und Online-Marketing ist nervig. Pop-Ups, merkwürdige E-Mails und lästige Spots verhageln den Leuten das Online-Erlebnis. Ach, und dann ist da noch der Shitstorm, weswegen man besser gar nicht erst ins Social Web geht.

Liebe Online-Marketer, wir sollten uns endlich offen dem Mittelstand zuwenden und unser Wissen demütig zur Aufklärung nutzen. Das schafft Vertrauen, senkt die Eintrittsbarrieren für das digitale Marketing und stärkt nachhaltig unseren Wirtschaftsstandort. Eine große Aufgabe. Denn Online-Marketing steckt noch in den Kinderschuhen. Wir müssen also erst einmal Online-Know-how vermitteln und lang gepflegte Vorurteile abbauen. Ist diese Pionierarbeit erledigt, können die Feste guten Gewissens gefeiert werden, wie sie fallen.

Zur Person
Oliver Marquardt ist Geschäftsführender Gesellschafter der Strategieberatung Marquardt + Compagnie. Der studierte Kommunikationsdesigner ist geschulter Werbetexter. Mit seinem Team erarbeitet er Kommunikationslösungen für den Mittelstand.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

    Bildnachweise