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14.07.2014 | Kommunikation | Im Fokus | Onlineartikel

Kleine Einnäher - große Wirkung

Autor:
Annette Speck

Vermutlich stammen die in Primark-Kleidung eingenähten Hilferufe nicht von ausgebeuteten Näherinnen, sondern von Menschenrechtsaktivisten. Die Botschaft - von wem auch immer - ist aber angekommen. Ein Kommentar.

Ein gutes Jahr ist es her, seit die Welt schockiert war über den Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch. Das Unglück, bei dem mehr als 1.100 Menschen starben, die dort Kleidung für Modefirmen wie Kik, C&A und dem irischen Unternehmen Primark herstellten, rückten die schlechten Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter kurzzeitig ins Rampenlicht. Es folgte die Einrichtung eines Entschädigungsfonds, in den die 18 beteiligten Bekleidungsunternehmen laut eines Berichts in der "Welt" bislang jedoch nur spärlich eingezahlt haben. Zudem starteten Initiativen, um die Sicherheitsstandards und Arbeitsbedingungen in den asiatischen Zulieferbetrieben zu verbessern.

Öffentliches Interesse erlahmt

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Es darf allerdings bezweifelt werden, dass die Produktionsbedingungen in den Textilfabriken bald westlichen Standards entsprechen. Denn gut Ding will Weile haben - erst recht, da Verbesserungen zusätzliches Geld kosten und das Billigproduktionsmodell in Frage stellen. Insofern dürften die Modefirmen über das nachlassende öffentliche Interesse an dem Thema nicht traurig gewesen sein. Lieber versuchen sie, ohne fremde Einmischung ihre CSR-Bemühungen in die eigene Kommunikation einzubinden.

Doch seit jüngst zahlreiche Medien, wie etwa Süddeutsche.de, über drei in Primark-Kleidung eingenähte Hilferufe ("Degrading Sweatshop conditions", "SOS") berichteten, sind die Arbeitsbedingungen in den Kleiderfabriken wieder nach oben gerückt auf der Agenda. Natürlich stellt sich die Frage nach der Echtheit der in den Kleidungsstücken gefundenen Botschaften. Diese wurde von Primark mittlerweile überprüft und bestritten.

Clever oder abgebrüht?

In der Tat legen die von der irischen Modekette zusammengetragenen Fakten nahe, dass es sich hier um eine Guerilla-Kampagne handelt. Die "Süddeutsche" schreibt die Einnäher jedenfalls Aktivisten bzw. einer Nichtregierungsorganisation zu. Diese Unsicherheit über die Absender steigert die mediale Aufmerksamkeit sogar noch. Hinzu kommen das ungewöhnliche "Medium" und die dramatisch zugespitzten Botschaften selbst, die das Thema Ausbeutung bei der Billigkleidungsproduktion sehr persönlich werden lassen. Als Kampagne wäre dies handwerklich exzellent gemacht, um Hersteller und Verbraucher medienwirksam erneut auf ihre Verantwortung hinzuweisen. Allerdings stellt sich auch die Frage, ob eine solche Kampagne, wenn sie "enttarnt" ist, nicht als abgebrüht empfunden wird und auf die Urheber zurückfällt.

Für Diskussionsstoff haben die kleinen Einnäher-Botschaften in jedem Fall gesorgt, und damit ist einiges erreicht. Wenn das Thema in Vergessenheit gerät, ändert sich erst recht nichts.

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