Warum Gen Z und Babyboomer im Job aneinander verzweifeln
- 29.07.2024
- Konfliktmanagement
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Die Zusammenarbeit von Jung und Alt hat ihre Tücken. Diverse Studien belegen Generationenkonflikte am Arbeitsplatz. Häufige Auslöser: Digitale Tools und unterschiedliche Kommunikationsstile. Wie sich die Gräben überbrücken lassen.
Eine Fülle digitaler Tools hat Einzug in den Arbeitsalltag und die Kommunikation gehalten. Nicht alle Generationen sind davon gleichermaßen begeistert.
ra2 studio / Fotolia
Der jüngste Arbeitnehmergeneration genießt bei vielen Führungskräften einen schlechten Ruf: Die Generation Z sei zu anspruchsvoll, sprunghaft, vor allem an der eigenen Work-Life-Balance interessiert. In dem "Handelsblatt"-Kommentar "Generation Z floppt in der Arbeitswelt" teilte etwa die Managementberaterin Susanne Nickel schon im letzten Sommer ordentlich gegen die Gen Z aus.
Generation Z will sich nicht anpassen
Im Interview mit "Handelsblatt" und "Tagesspiegel" legte die Wirtschaftsmediatorin und Buchautorin kürzlich nach. Viele Führungskräfte finden demnach das Verhalten der jungen Generation furchtbar. Die Nachwuchskräfte seien vorrangig im Flucht- oder Kampfmodus. Anpassung sei ihnen fremd und direkte Kommunikation wie Telefonate mache ihnen Angst.
Fünf Generationen in Unternehmen | |
Traditionalisten | geboren zwischen 1922 und 1945 |
Babyboomer | geboren zwischen 1946 und 1964 |
Generation X | geboren zwischen 1965 und 1979 |
Generation Y (Gen Y / Millennials) | geboren zwischen 1980 und 1994 |
Generation Z (Gen Z) | geboren zwischen 1995 und 2010 |
Generation Alpha (noch nicht im Arbeitsmarkt) | geboren ab 2010 |
Quelle: Alessandro Sibilio, Generationsübergreifende Unternehmensführung, Seite 120 ff. | |
Boomer haben den Burnout erfunden
Gleichzeitig spricht Nickel die ältere Generation nicht frei von Fehlern. Immerhin hätten die Boomer mit ihrem Hang zur Dauerüberlastung und ihrem Nicht-Neinsagen-Können den Burnout mitkreiert. Zudem wirkten ältere Arbeitnehmer oft abgestumpft und neigten dazu, in Jobs zu verharren, die ihnen nicht guttäten.
Die Konflikte, die Nickel beschreibt, sind auch Thema aktueller Studien. Schließlich finden sich in jedem zweiten Unternehmen (51 Prozent) mittlerweile drei oder mehr Beschäftigtengenerationen, stellt etwa die Studie "Digitale Etiquette: Mind the generational Gap" des Software-Dienstleisters The Adaptavist Group fest, für die im Januar 2024 rund 4.000 Wissensarbeiter in Großbritannien, USA, Kanada, Australien und Deutschland online befragt wurden. Die Studienteilnehmer nannten vorrangig Babyboomer und Gen Z, wenn es darum geht, mit wem die Zusammenarbeit am schwierigsten ist.
Mit Generation X und Millennials läuft es runder
Der Slack International Collaboration Survey, für den im vergangenen Winter 2.020 Büroangestellte in Deutschland befragt wurden, bestätigt dies. Hier gab jeder fünfte Befragte an, am häufigsten Konflikte mit älteren Kollegen zu haben. Demgegenüber erklärten 61 Prozent der Boomer, die Generation Z erwarte zu viele Anpassungen des Arbeitgebers an ihre individuellen Bedürfnisse.
Millennials und Generation X werden offenbar als deutlich umgänglicher wahrgenommen. Dabei deckt der Xing Millennials Report 2024 auf, dass auch die Generation der 28- bis 40-Jährigen teilweise unzufrieden im Job ist; vor allem mit der eigenen Work-Life-Balance. Dennoch finden 41 Prozent der Gen Y die Forderungen jüngerer Arbeitnehmer überzogen, und ein Drittel fühlt sich jüngeren Kollegen gegenüber benachteiligt.
Digitale Kommunikation steckt voller Missverständnisse
Indessen zeigen die Ergebnisse der Digital-Etiquette-Studie*, dass der Ärger vor allem bei zwei Themen hochkocht. Zum einen berichten 81 Prozent der befragten Teams in Deutschland von Konflikten im Zusammenhang mit digitalen Tools (international: 90 Prozent), und 72 Prozent erklären, dass diese Unstimmigkeiten die Produktivität und Zusammenarbeit beeinträchtigen (international: 60 Prozent).
Zum anderen sorgt die digitale Kommunikation für Zündstoff: Fehlinterpretationen von Tonfall oder Kontext (36 Prozent), unterschiedliche Erwartungen an die Reaktionszeit (33 Prozent) und Verwirrung über digitale Ausdrucksformen wie Emojis (31 Prozent) sind typische Auslöser für Generationenkonflikte.
The Adaptavist Group | Studie “Digital Etiquette: Mind the generational Gap”, 2024
Angst vor Neuem contra Angst vor Telefonaten
Ein weiteres Minenfeld sind die unterschiedlichen Arbeitsstile der Generationen. Laut der Studie von Adaptavist beneiden zwar 70 Prozent der Generation Z das Selbstbewusstsein älterer Kollegen beim Telefonieren, aber 41 Prozent der Nachwuchskräfte finden, dass ältere Arbeitnehmer die Arbeit durch veraltete Techniken verlangsamen.
Demgegenüber ist die Hälfte der Beschäftigten über 50 Jahren genervt, wenn jüngere Kollegen keine traditionellen Werkzeuge wie etwa einen Stift haben. In der Slack-Untersuchung erklärte indessen fast die Hälfte der Befragten, die Babyboomer haben zu große Angst vor allem Neuen.
Einigkeit besteht derweil beim Thema E-Mail: Generationenübergreifend ist sie für zwei Drittel der Arbeitnehmenden die wichtigste Anwendung, so die Adaptavist-Studie. Anders sieht es erwartungsgemäß bei Künstlicher Intelligenz (KI) aus. Während KI-Plattformen wie Chat GPT für 39 Prozent der Generation Z das meistgenutzte Tool sind, gilt dies nur für 13 Prozent der Über-50-Jährigen. Mehr als zwei Drittel der Befragten fürchten denn auch, KI vertiefe die Kluft zwischen den Generationen und beschleunige den beruflichen Aufstieg der Generation Z. Letzteres dürfte in erster Linie die jungen Arbeitnehmer freuen, bei älteren Kollegen jedoch Verdrängungsängste schüren.
Drei Hauptkonfliktfelder zwischen den Generationen
In der Regel spielen im Unternehmenskosmos Einfluss, Geld und Sicherheit eine sehr wichtige Rolle. Gleichzeitig befeuern diese Faktoren Generationskonflikte am Arbeitsplatz. Nicht von ungefähr ist der Verteilungskampf für Springer-Autor Hermann Troger eins der drei Hauptproblemfelder in generationenbezogenen Konflikten.
"Auch in noch so harmonischen und wertorientierten Unternehmenskulturen wird es nicht gelingen, alle Mitarbeiter gleichermaßen zufriedenzustellen, wenn es um die Verteilung knapper Ressourcen geht", schreibt er in dem Buchkapitel "Ein neuer Generationenvertrag" (Seite 131) und nennt als Beispiele unter anderem: unbefristete Verträge, Führungspositionen, Förderprogramme, Assistenten, ein eigenes Büro. Die beiden anderen Hauptproblemfelder sind für Troger die Themen "Alt gegen Jung" (Gehaltsgefälle, unterschiedliche Kompetenzen, Vorteile aufgrund von Dienstjahren) sowie die Kommunikation (Unvereinbarkeiten in Sprache und Stil).
Auch digitale Kommunikation braucht Regeln
Hieraus ergibt sich ein breites Handlungsspektrum, um Generationenkonflikte am Arbeitsplatz zu vermeiden und die Zusammenarbeit und Effizienz zwischen den Generationen zu fördern. Ein wesentliches Fazit der Studie "Digital Etiquette" ist, dass es gerade für die digitale Kommunikation dringend klarer Richtlinien bedarf. Zudem brauchen demnach die Mitarbeitenden ein Umfeld, in dem Unterschiede respektiert werden. Immerhin lehnen 82 Prozent der Befragten Verallgemeinerungen wie "Millennials sind faul" oder "Boomer sind rechthaberisch" ab und finden, dass Unternehmen aufhören sollten, Generationen-Klischees zu unterstützen.
Wirksames Generationenmanagement ist Aufgabe des Vorgesetzten, des Personalmanagements und der Unternehmensführung. Aufbauend auf einer wertschätzenden und vorurteilsfreien Unternehmenskultur und einer ausgewogenen Verteilung der Ressourcen beginnt es bereits beim Bewerbungsgespräch und hat die individuelle Entfaltung der Mitarbeiter gleichermaßen zum Ziel wie den sozialen Zusammenhalt in der Gruppe.“ Hermann Troger, “Ein neuer Generationenvertrag“, Seite 134
Jung und Alt in altersgemischten Teams führen
Unternehmen sind, erst recht angesichts des Fachkräftemangels, gut beraten, sich näher mit dem Generationenmanagement und dem Führen altersgemischter Teams zu befassen. Denn das Ignorieren von Generationskonflikten oder Altersdiskriminierung im Job - egal ob gegen die jüngsten oder ältesten Arbeitnehmer gerichtet - sind keine Lösung.
Darüber hinaus haben altersgemischte Teams weithin anerkannte Vorteile, insbesondere bei komplexen Aufgaben. Denn durch die Kombination von frischen Kenntnissen und Methoden jüngerer Mitarbeiter mit dem großen Erfahrungsschatz älterer Kollegen werden oftmals bessere Lösungen gefunden als in homogenen Teams. Doch auch hier gilt: Eine reibungslose Zusammenarbeit von Jung und Alt gelingt nur mit guter Kommunikation. Hilfreich kann beispielsweise eine Teamleitung oder ein Moderator mittleren Alters sein, die/der als Brücke und Bindeglied zwischen den Generationen fungiert.
* Die im Text genannten Zahlenangaben der "Digital Etiquette"-Studie beziehen sich - sofern nicht anders kenntlich gemacht - auf die Befragungsergebnisse in Deutschland. Die Grafik nennt internationale Ergebnisse.