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31.05.2019 | Konfliktmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Was Führungskräfte über Mobbing wissen sollten

Autor:
Andrea Amerland

Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Im Gegenteil: Systematische Schikane am Arbeitsplatz führt nicht nur zu Erkrankungen bei Betroffenen, sondern schadet auch Unternehmen. Wie Führungskräfte vorbeugen, Mobbing erkennen und dagegen vorgehen können.

 

Mobbing ist systematische Schikane am Arbeitsplatz. So kurz und prägnant lässt sich im Buchkapitel "Was ist Mobbing und welche Formen gibt es?" eine Sache definieren, die für die Betroffenen alles andere als lustig ist. Denn die systematische Schikane kann zu "zunehmender Isolierung unter der Voraussetzung eines Machtungleichgewichtes bei den Betroffenen führen", schreibt Springer-Autorin Christa Kolodej. 

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2016 | Buch

Führungsherausforderung Mobbing

Prävention, Deeskalation und Arbeitsfähigkeit nach Konflikten

In diesem Essential wird zunächst der Begriff Mobbing definiert und von anderen, ähnlich verwendeten abgegrenzt. Zudem skizziert der Autor die Entstehungsbedingungen von Mobbing-Geschehen und er formuliert Schlussfolgerungen für die Führungsarbeit.


Dass es sich dabei keinesfalls um ein Randproblem handelt, beweist eine Studie im Auftrag des Büroausstatters Viking, für die das Meinungsforschungsinstitut One Poll 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt hat. Demnach haben 60 Prozent der Teilnehmer bereits Mobbing an ihrem jetzigen Arbeitsplatz erlebt. Jeder vierte Beschäftigte (24 Prozent) war den Angaben zufolge selbst Opfer von Mobbing. 37 Prozent gaben an, Zeuge davon gewesen zu sein.

Konsequenzen von Mobbing

"Die Folgen unfairen Verhaltens tun nicht nur sprichwörtlich richtig weh, sondern sind ungesund und teuer. Hier sind zum Beispiel die Kosten für Fehlzeiten relevant, die häufg bedingt sind durch psychische Leiden aufgrund von unfairen Attacken und Mobbing", schreibt Ulrich Wiek über "Fairness als Führungsprinzip".

So leiden Mobbing-Opfer unter Konzentrationstörungen, Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken sowie Durchschlafstörungen oder Herz-Kreislauferkrankungen, erläutert Christa Kolodej die Folgen von Mobbing. "Mobbingerlebnisse haben bei lang anhaltender Dauer eine dermaßen traumatisierende Wirkung, dass sie mit normalen psychischen Kräften nicht mehr bewältigt werden können", warnt die Psychologin und Soziologin (Seite 7).

Mobbing erkennen

Doch wie kann Mobbing erkannt oder vorgebeugt werden? Die Hälfte der Befragten der Viking-Studie glaubt, dass Mitarbeiter in ihrem Unternehmen in Zukunft mit Mobbing durchkommen würden, darunter 30 Prozent Vorgesetzte und CEOs. Immerhin jeder vierte Arbeitnehmer traut seinem Vorgesetzten zu, Mobbing zu erkennen. Doch nur nur jeder sechste Manager ist zuversichtlich, die systematische Schikane am Arbeitsplatz wirklich wahrzunehmen. Insgesamt finden 30 Prozent der befragen Studienteilnehmer, dass Mobbing am Arbeitsplatz von Arbeitgebern nicht ernst genug genommen wird.

Um die Warnsignale rechtzeitig zu erkennen, sollten sich Führungskräfte bewusst sein, was typische Mobbinghandlungen sind. Springer-Autor Joachim H. Becker hat im Buchkapitel "Umgang mit Mobbing, sexueller Belästigung und Stalking" eine Auswahl von Indikatoren zusammengetragen (Seite 194 f.):

  • Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen: 
    • ständig unterbrochen werden
    • Vorgesetzter schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern
    • Kontaktverweigerung durch Andeutungen oder abwertende Blicke und Gesten
    • ständige Kritik bis hin zu Beschimpfungen
  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen:
    • Der Betroffene wird wie Luft behandelt.
    • Mit Betroffenen wird nicht mehr gesprochen.
    • Betroffene bekommen Büro weit ab von Team zugewiesen.
  • Auswirkungen auf das soziale Ansehen:
    • Es werden Gerüchte über einen Mitarbeiter verbreitet.
    • Es wird schlecht hinter dem Rücken über eine Person gesprochen.
    • Der Betroffene wird lächerlich gemacht.
  • Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation:
    • Dem Betroffenen werden keine oder sinnlose Tätigkeiten zugewiesen.
    • Die Aufgaben liegen weit unter oder über den Fähigkeiten des Arbeitnehmers.
  • Angriffe auf die Gesundheit:
    • Zwang zu gesundheitsschädlichen Tätigkeiten
    • sexuelle Handgreiflichkeiten

Mobbing vorbeugen

Mitarbeiter werden dann schikaniert, wenn im Unternehmen Organisationsabläufe nicht stimmen, schreibt Joachim H. Becker auf Seite 196. Das sorgt für Stress, Konflikte und Krisen. Aus diesem Konfliktpotenzial entwickle sich Mobbing zumeist unbewusst. "Die Vorgesetzten sollten deshalb bei der Bewältigung von Konflikten stets eine Vorbildfunktion einnehmen", um die sozialen Beziehungen im Unternehmen positiv zu beeinflussen, betont Becker. Auch sollten sie sich bewusst sein, dass Frauen viel häufiger Mobbingopfer sind als Männer und die am stärksten betroffene Altersgruppe die der unter 25-Jährigen ist.

Unternehmen, die Langzeitkrankenstände, Kündigungen, vorzeitigen Ruhestand sowie einen großen Bedarf an sozialer Unterstützung minimieren wollen, rät Coach und Supervisor Gregor Paul Hoffmann: "Wie praktisch in jedem Fall, wenn es um gesundheitsbezogene Themen geht, ist Prävention auch bei Mobbing, die insgesamt sinnvollste und kostengünstigste Strategie" (Seite 20). Mobbing-Prävention ist für den Autoren als betriebliches Führungskonzept und als Kulturentwicklungsprogramm zu verstehen, schreibt er im Buchkapitel "Resilienzfördernde Führung". Dabei sollten ein wertschätzender Umgang und gewaltfreie Kommunikation von Vorgesetzten vorgelebt und jede Verletzung dieser Kultur angemessen sanktioniert werden. 

Aber auch Informations- und Schulungsprogramme zur Bewusstseinsbildung rund um das Thema sowie eine Anti-Mobbing-Betriebsvereinbarung können helfen. Allerdings scheinen Schulungen und Fortbildungen in Betrieben noch nicht die Regel zu sein. So kamen laut Viking-Studie gerade einmal 27 Prozent der Führungskräfte in den Genuss eines speziellen Trainings zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz.

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