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06.02.2018 | Konstruktion + Entwicklung | Im Fokus | Onlineartikel

Besserer Lärmschutz und darüber hinaus

Autor:
Dieter Beste

Bielefelder Forscher arbeiten an einem neuartigen Gehörschutz für die Mitarbeiter im produzierenden Gewerbe. Ihre Neuentwicklung kombiniert passiven und aktiven Gehörschutz sowie zahlreiche Sonderfunktionen.

Lärmbelästigung ist allgegenwärtig: Der Mensch ist im Alltag und vor allem im industriellen Umfeld dauerhaft einer Flut von akustischen Eindrücken ausgesetzt. Jahrelange Schallbelastung verursacht allerdings eine beschleunigte Degeneration der Haarzellen und einen irreversiblen Hörverlust, die Lärmschwerhörigkeit. "Nach der VDI-Richtlinie 2058 liegt der Grenzwert der Gehörbelastbarkeit bei einem äquivalenten Dauerschallpegel von Lm = 85dB (A), bezogen auf einen achtstündigen Arbeitstag; er führt bei 5% der Betroffenen nach zehn Jahren zu einer Lärmschwerhörigkeit. Wird der auf einen achtstündigen Arbeitstag bezogene, äquivalente Dauerschallpegel von Lm = 90dB (A) überschritten, dann sind Gehörschutzmittel (Stöpselgehörschützer, Kapselgehörschützer, Gehörschutzkappen) zu tragen." (Physik für Ingenieure, Seite 571).

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Im Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der Fachhochschule Bielefeld ist jetzt das Projekt Headset for Augmented Auditive Reality (HEA²R) an den Start gegangen. Ziel ist es, einen völlig neuartigen Gehörschutz mit zahlreichen Sonderfunktionen zu entwickelt, der die Mitarbeiter etwa im produzierenden Gewerbe bestmöglich schützen und gleichzeitig Arbeitsabläufe erleichtern soll. Schon 2012 hatten die Forscher um Joachim Waßmuth vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik begonnen, an Möglichkeiten der aktiven Störschallkompensation zu forschen. Waßmuth: "Die damaligen Ergebnisse waren so vielversprechend, dass die Entwicklung von den beiden wissenschaftlichen Mitarbeitern Tobias Lehmann und Dennis Kaupmann weitergeführt wurden."

Weitere Partnerunternehmen gesucht

Das Projekt HEA²R wird unter anderem durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert; im Anschluss an die Projektphase ist eine Unternehmensgründung geplant. "Innerhalb der 18-monatigen Projektlaufzeit wird ein funktionaler Prototyp entstehen, der in Partnerunternehmen getestet werden soll. Hierfür sucht das Projektteam aktuell noch weitere Firmen, die sich eine Nutzung des Systems vorstellen können und Interesse an einer Einbindung in das Projekt haben", sagt Projektleiter Tobias Lehmann.

Komplexe Gehörschutztechnik

Den neuen Gehörschutz kennzeichnen nach Angaben der Forscher drei wesentliche Merkmale: Der so genannte hybride Gehörschutz erweitert den industrieüblichen, passiven Gehörschutz um eine neuartige aktive Gehörschutzlösung und setzt damit, so Lehmann, "neue Standards bei der Unterdrückung von Lärm". Dies führe zur Entlastung des Nutzers und biete dauerhaften Schutz vor akustischer und mentaler Überbelastung. Zudem ermögliche eine integrierte Kommunikationslösung den Mitarbeitern auch an Lärmarbeitsplätzen eine natürliche Sprachkommunikation – der Gehörschutz muss nicht mehr abgenommen werden, um sich mit Kollegen zu verständigen. Drittens ermögliche der Gehörschutz durch intelligente Vernetzung im Kontext von Industrie 4.0 weitere Assistenzfunktionen, beispielsweise für Produktion und Logistik. Lehmann: "Dies ermöglicht vielfältige und auf den Kundenbedarf zugeschnittene Anwendungen, wodurch HEA²R nachhaltig die Produktivität in Unternehmen steigert."

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