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23.09.2014 | Konstruktion + Entwicklung | Interview | Onlineartikel

Den Produktlebenszyklus im Blick

Beim „Integrated Design Engineering“ (IDE) steht der Mensch im Mittelpunkt. Springer-Autor Sándor Vajna von der Universität Magdeburg erläutert, worauf es bei dieser Form der Produktentwicklung im Einzelnen ankommt.

Springer für Professionals: Mit dem von Ihnen herausgegebenen Buch „Integrated Design Engineering“ haben Sie kürzlich ein interdisziplinäres Modell für die ganzheitliche Produktentwicklung vorgestellt. Inwiefern ist das Integrated Design Engineering (IDE) eine zeitgemäße Form der Produktentwicklung?

Prof. Dr.-Ing. Sándor Vajna: IDE ist auf beliebige Produkte anwendbar, also zum Beispiel auf physische und virtuelle Produkte, Software, Dienstleistungen und aus Kombinationen daraus. Es erfolgt eine integrierte Betrachtung aller Eigenschaften des Produkts, die zum Leistungsvermögen des Produkts beitragen, nicht nur der Funktion. Dabei gehen Einflüsse aus allen Phasen des Produktlebenszyklus‘ gleichwertig und permanent in das IDE ein. Dabei spielt der Aspekt der Nachhaltigkeit überall eine dominierende Rolle. IDE findet durchgehend in einem Umfeld statt, das von Organisationen, Prozessen, Methoden und Technologien geprägt ist.

Wie kann nachhaltiges, verantwortungsvolles Handeln mithilfe von IDE gelingen?

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Das geschieht vor allem dadurch, dass im IDE jede Situation im späteren Leben des entstehenden Produkts vorab simuliert und deren Auswirkungen bestimmt werden. Dynamische „Leitplanken“ aus den jeweiligen Anforderungen, Anfangs- und Randbedingungen sorgen dafür, dass Vorgaben eingehalten werden können und dass Auswirkungen bereits in der Produktentwicklung sichtbar werden.

In welchen Bereichen wird IDE bereits erfolgreich eingesetzt?

Die Palette ist sehr breit: Sie reicht von der Automobilindustrie über Werkzeughersteller bis hin zur Konsumgüterindustrie und umfasst physische Produkte ebenso wie Dienstleistungen.

Welche Rolle spielt der Mensch beim IDE – im Vergleich zu herkömmlichen Arten der Produktentwicklung?

IDE ist humanzentriert, weil nur der Mensch Wissen generieren und verarbeiten kann. Dabei geht dieser nicht nur als Kunde, sprich: als Käufer und Nutzer, sondern auch als Entwickler, Fertiger oder Servicekraft sowie auch als Sponsor, Finanzierer und Betroffener ins Produkt ein, also mit allen denkbaren Rollen, die ein Mensch in Relation zu einem Produkt einnehmen kann. Im IDE werden Produkte in einer Weise beschrieben, die alle möglichen Kontakte berücksichtigt, die ein Mensch zum Produkt haben kann und die allesamt einen Mehrwert für ihn generieren – nämlich zum Beispiel Gestalt, Form, Gebrauchstüchtigkeit, Herstellung und Verfügbarkeit, Wartbarkeit, Nachhaltigkeit, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualität.

Geht eine ganzheitliche Form der Produktentwicklung nicht auch auf Kosten der Wirtschaftlichkeit? Interdisziplinarität kann schließlich auch mehr Aufwand, mehr Personal, mehr Kosten bedeuten …

Kurzfristig mag das stimmen, aber mittelfristig und langfristig nicht. Vereinfacht formuliert: Man muss am Anfang mehr investieren, um hinterher Schäden für Menschen oder die Umwelt zu vermeiden, sich keine Gedanken mehr zu machen und kein Geld mehr ausgeben zu müssen. Schaut man sich dagegen die Realität an, kommen in dieser Hinsicht viel zu viele unfertige Produkte auf den Markt. Demgegenüber hat das IDE den Ansatz, alles, was im Leben des Produkts passieren kann, bereits in der Produktentwicklung vorherzusehen und solche Entscheidungen zu treffen, dass Überraschungen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden können. Ein mit IDE entwickeltes Produkt wird also in seinem Leben keine finanziellen Belastungen oder andere Störungen verursachen, die nicht im Voraus bekannt und dadurch beherrschbar sind. Dass ein Werker krank wird und dass ein Werkzeug bei der Fertigung bricht – dies wären die wenigen Fälle, die nicht vorhersehbar sind.

Zur Person

Dr.-Ing. Dr. h. c. Sándor Vajna ist Professor an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Er studierte Maschinenbau an der Universität Karlsruhe, wo er 1982 auch promovierte. In Magdeburg leitet er den Masterstudiengang IDE. Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die Integrierte Produktentwicklung, mit der ein Produkt interdisziplinär und ganzheitlich entwickelt und das Produktleben vorab (im Sinne von PLM) simuliert wird, um Entscheidungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt treffen zu können.

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