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BNPL überfordert junge Käufer

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"Buy now, pay later" (BNPL) ist bei Menschen unter 30 Jahren beliebt, zeigt eine Bafin-Umfrage. Gut jeder Dritte dieser Altersgruppe gibt dabei mehr aus. Ein Viertel hat schon einmal den Überblick über offene Rechnungen verloren. 

In Zukunft soll die EU-Verbraucherkreditrichtlinie Online-Shopper auch bei unentgeltlichen und kurzfristigen Darlehen sowie Krediten unter 200 Euro besser schützen. 


Jeder fünfte deutsche Online-Käufer (20 Prozent) im Alter zwischen 18 und 60 Jahren nutzt BNPL-Angebote der Händler. Allerdings haben bereits 14 Prozent schon einmal den Überblick zu ihren offenen BNPL-Zahlungen verloren. Bei Verbrauchern unter 30 Jahren war es sogar jeder Vierte (24 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Finanzaufsicht Bafin in einer im April 2025 durchgeführten Online-Erhebung unter fast 5.000 Menschen, die sich mit der Verwendung entsprechender Bezahlmethoden in den zurückliegenden zwölf Monaten beim Internet-Shopping befasst. 

Wer sich im genannten Zeitraum für BNPL entschieden hatte, wurde anschließend danach gefragt, ob sich die Befragten für

  • einen Rechnungskauf mit Zahlungsfrist von 14 oder 30 Tagen,
  • die Monatsrechnung, bei der Einkäufe zusammengefasst werden und im Folgemonat zu bezahlen sind,
  • eine Ratenzahlung, bei der Zinsen anfallen, oder
  • die Vorkasse (mit Sofort-Überweisung, Lastschrift oder Kreditkarte) entschieden haben.

Unter-30-Jährige nutzen BNPL am häufigsten

Über alle Altersklassen hinweg tätigen 43 gelegentlich, 32 monatlich und 16 Prozent häufig einen Rechnungskauf. Nur neun Prozent tun dies nie. Dagegen entscheiden sich 51 Prozent nie für eine Ratenzahlung. 30 Prozent tun dies gelegentlich, zehn Prozent monatlich und neun Prozent häufig. 

Von den BNPL-Nutzer im Alter von unter 30 Jahren tätigen hingegen 30 Prozent häufig Rechnungskäufe und 17 Prozent entscheiden sich zudem oft für einen Ratenkauf.

Rechnungs- oder Ratenkauf für Kleidung, Elektronik, Haushaltswaren

BNPL-Zahlungsdienste werden vor allem beim Online-Shopping von 

  • Kleidung (55 Prozent),
  • Elektronik (43 Prozent),
  • Haushaltswaren (26 Prozent),
  • Möbeln (20 Prozent),
  • Körperpflegeprodukte (21 Prozent),
  • Medizin (20 Prozent),
  • Reisen (19 Prozent) und
  • Lebensmitteln (17 Prozent) angeklickt.

Große Bandbreite bei den Motiven

Die Hälfte derjenigen, die sich für Rechnungskauf und Monatsrechnung entschieden, ging es dabei um die Bequemlichkeit. 40 Prozent geben als Motiv an, die Ware erst anschauen oder anprobieren zu wollen, bevor sie zahlten. Ein Drittel wählte diese Zahlungsart, weil sie diese als sicher einstuften. Allerdings entschieden sich 30 Prozent für eine der beiden Zahlungsarten, weil damit ein Zahlungsaufschub möglich war. 16 Prozent wollten einkaufen, obwohl das nötige Geld zum Kaufzeitpunkt nicht vorhanden war.

39 Prozent der Ratenzahler fanden diese Zahlungsform bequem. Fast ebenso viele (38 Prozent) hielten die Raten für bezahlbar. 31 Prozent schätzten den möglichen Zahlungsaufschub. 26 Prozent hielten den Zinssatz für günstig. Auch hier fehlten 29 Prozent der Nutzer im Kaufzeitpunkt das nötige Geld. Für 23 Prozent war es wichtig, dass sie die Ware erst anschauen oder anprobieren konnten, bevor die erste Rate fällig wurde, und dass die Zahlungsart sicher war.

Gros der Käufe unter 200 Euro

Allerdings geben 46 Prozent der BNPL-Nutzer durchschnittlich im Monat weniger als 100 Euro über dieses Bezahlverfahren aus. Bei einem guten Viertel (26 Prozent) sind es zwischen 101 Euro und 200 Euro, 17 Prozent bezahlen Beträge zwischen 201 Euro und 500 Euro. Bei fünf Prozent überstiegen die monatlichen BNPL-Ausgaben im Durchschnitt 500 Euro. 

Knapp die Hälfte der BNPL-Zahler hatte zum Umfragezeitpunkt keine offenen Verbindlichkeiten. Bei 19 Prozent waren es bis zu 200 Euro, bei 14 Prozent zwischen 201 Euro und 500 Euro und bei acht Prozent immerhin bis 1.000 Euro. 

BNPL verleitet zu Mehrausgaben

Dabei haben 24 Prozent der BNPL-Käufer über diesen Bezahlweg bereits einmal mehr Geld ausgegeben als ursprünglich gewollt. Bei den Personen unter 30 Jahren waren es sogar 38 Prozent. 

26 Prozent mussten schon mindestens einmal Mahngebühren zahlen. Mit einer Rate im Rückstand waren bereits 21 Prozent. 14 Prozent hatte nach eigener Einschätzung aufgrund der Vielzahl der Online-Einkäufe schon einmal den Überblick über offene Rechnungen und Raten verloren. Von den Unter-30-Jährigen sagten das 24 Prozent. 

Zahlungsaufschub kann zum Risiko werden

Wird es finanziell eng, bieten die Zahlungsdienstleister beim Rechnungskauf häufig an, das Zahlungsziel im Nachhinein anzupassen oder Rechnungskäufe in Ratenzahlungen umzuwandeln. 57 Prozent aller BNPL-Nutzer haben eine oder beide Angebote bereits ein Mal in der Vergangenheit genutzt, so die Bafin. 

Sieben Prozent haben andere geplante Ausgaben verringert oder verschoben oder auf etwas verzichtet. Acht Prozent haben offene Rechnungen aus ihrem Ersparten bezahlt oder Sparraten verringert. Sieben Prozent haben hierfür ihr Girokonto überzogen und vier Prozent haben einen zusätzlichen Kredit aufgenommen, um die Raten aus BNPL-Einkäufen abzutragen. 

Künftig strengere Regeln für BNPL-Zahlungen

"Um Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Überschuldung zu schützen, wurde die EU-Verbraucherkreditrichtlinie vom europäischen Gesetzgeber überarbeitet. So sollen künftig unter anderem verbraucherschützende Vorschriften auch auf bisher nicht erfasste Kreditformen anwendbar sein - insbesondere auf unentgeltliche und kurzfristige Darlehen sowie Darlehen unter 200 Euro", so die Bafin. Darunter fallen auch BNPL-Zahlungsdienste. Das nationale Umsetzungsgesetz befindet sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren im Deutschen Bundestag und sieht eine Geltung der neuen Regelungen ab 20. November 2026 vor.

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