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22.11.2018 | Konsumforschung | Im Fokus | Onlineartikel

Kein blinder Konsum in Sicht

Autor:
Johanna Leitherer

In 20 Jahren wird sich unser Konsum weiter technologisieren und dadurch radikal verändern. Bestimmte alte Werte und Wünsche gehen dabei aber nicht unter, sondern erleben eine Renaissance.

In nur wenigen Jahrzehnten haben sich Internet und Smartphone zu einem elementaren Bestandteil unseres Lebens entwickelt, was seither disruptive Veränderungen im Handelssektor bewirkt. Ein Ende des Wandels ist nicht in Sicht, vielmehr vollzieht sich die Digitalisierung in immer kürzeren Zyklen. Wie wird dementsprechend unsere Konsumwelt in 20 Jahren aussehen? Eine umfangreiche Trendstudie von QVC, Trendbüro und Katar hat einen Blick in die Zukunft gewagt, um unter anderem diesem Thema auf den Grund zu gehen.

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Einfluss von Digitalisierung auf Haushalt und Konsum

Wie umfassend deutsche Haushalte mittlerweile mit digitalen Geräten ausgestattet und von Informations- und Kommunikationstechnologie durchdrungen sind, soll mit wenigen Zahlen deutlich gemacht werden. 


Das Schlagwort "User-generated" fiel bislang hauptsächlich im Zusammenhang mit der Nutzerinteraktion auf sozialen Netzwerken. In Zukunft wird sich das Prinzip wohl auf viele andere Bereiche wie zum Beispiel den Konsumgütersektor ausdehnen. Schon jetzt wünschen sich 47 Prozent der Befragten zwischen elf und 52 Jahren, dass Produkte stärker auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Besonders gefragt sind mit 37 Prozent nach Maß gefertigte Kleidungsstücke.

Co-Designer und 3D-Drucker

Durch den Trend der Personalisierung steigen Verbraucher zunehmend zu Co-Designern der Marken auf, wie die Studienautoren prognostizieren. Aber auch Eigenproduktionen etablieren sich durch die aufstrebenden 3D-Drucker möglicherweise zu einer festen Größe in der Konsumwelt. Besonders skurril: 28 Prozent können sich sogar vorstellen, ihr Wunschgericht per Nahrungsmitteldrucker zu produzieren.

Kunden wollen ihren Konsum also zunehmend selbst in die Hand nehmen und kontrollieren. "Und die nächsten Stufen sind schon in Sicht: Mit Homeshopping in der virtuellen Datenbrille oder mit eigenen Währungen wird immer stärker eine neue Welt der Kundenbindung geschaffen", erklärt Springer-Autor Rainer Gläß im Buchkapitel "Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz im Handel" (Seite 1).

Interesse am Butler-Bot

Die Trendstudie bestätigt diese Annahme. Demnach wünschen sich 56 Prozent der nach dem Jahr 2000 geborenen Generation Z etwa Augmented-Reality-Brillen (AR), um zu Hause in virtuelle Shopping-Welten einzutauchen. Damit präsentieren sich offenbar die jüngeren Kunden besonders aufgeschlossen gegenüber modernen Technologien. Denn mit etwa 30 Prozent ist der Anteil der AR-Befürworter unter den 26- bis 52-Jährigen deutlich geringer. 

Bei anderen Fragestellungen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) herrscht dagegen größerer Konsens unter den Studienteilnehmern. Etwas mehr als ein Drittel der Befragten äußern sich beispielsweise positiv gegenüber automatisierten Services wie etwa der Erledigung von Einkäufen. 40 Prozent gaben zudem an, dass sie Roboter nützlich fänden, die für sie den Haushalt erledigt und persönliche Serviceleistungen erbringt.

Zurück zu alten Werten

Doch blinden Konsum und ungebremste Digitalisierung lehnen Verbraucher, einschließlich der technikaffinen Generation Z, ab. Tatsächlich stellen die Studienautoren eine Rückkehr zu alten Tugenden fest. So werden etwa die von der Werbung und den sozialen Medien transportierten Schönheitsideale verstärkt hinterfragt. Stattdessen interessieren sich die Konsumenten immer mehr dafür, ihr Gehirn leistungsfähiger zu trainieren und für ein ausgeglichenes Seelenleben zu sorgen. Dazu gehört auch ganz entscheidend der persönliche Kontakt zu Menschen in der analogen Welt.

Die so genannte "Postmaterialismus-Hypothese" gewinnt damit an Zuspruch. Sie "postuliert, dass die Relevanz materieller Werte (des "Habens") dann schwindet und postmaterielle Werte (des "Seins") an Bedeutung gewinnen, wenn eine Gesellschaft wohlhabender wird", schreiben Stefan Hoffmann und Payam Akbar im Buchkapitel "Konsumentenverhalten im Wandel". "In den reichen Industrienationen wird es für viele Menschen deshalb immer wichtiger, ihr Konsumverhalten so zu gestalten, dass sie dabei die eigene Gesundheit schützen und der natürlichen Umwelt möglichst wenig Schaden zufügen", so die Springer-Autoren (Seite 200). Der Gesundheitsmarktes boomt folglich und dieser Trend wird auch in Zukunft weiter anhalten.

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