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Über dieses Buch

Dieser Band präsentiert theoretische und empirische Forschungsarbeiten, die den Stand der politischen Bildung im Bereich der Inklusion aufzeigen. Im Mittelpunkt stehen verschiedene Inklusionsverständnisse, Fragestellungen und Ergebnisse, die zusammen als Konturen das Feld einer inklusiven politischen Bildung abzeichnen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung: Inklusive Anfragen an die politische Bildung

Zusammenfassung
Über Fachgrenzen hinweg scheint es Konsens zu sein, dass sowohl außerschulische als auch schulische Bildungsprozesse zukünftig inklusiver gestaltet werden sollen. Die Diskussionen um ein Mehr an pädagogischer Inklusion finden vor dem Hintergrund einer (mindestens) doppelten Unschärfe statt: Zum einen wird sie zumindest in den deutschsprachigen Ländern vor dem Hintergrund eines separierenden Schulsystems geführt. Die existierenden mehrgliedrigen Schulsysteme sind darauf ausgelegt, Schüler*innen nach standardisierten Leistungsaspekten zu sortieren und grenzen dadurch bestimmte Schüler*innengruppen von bestimmten Bildungsgängen strukturell aus.
David Jahr, Tina Hölzel

Grundlagen: Zum Verhältnis von Inklusion und politischer Bildung

Frontmatter

Zur (Re-)Politisierung der Inklusionstheorie

Umgang mit unausweichlichen Widersprüchen in der inklusiven politischen Bildung
Zusammenfassung
Wie alle wissenschaftlichen Disziplinen muss sich auch die politische Bildung mit einem sehr vagen und unbestimmten Inklusionsbegriff auseinandersetzen. Entgegen der Forderung sich auf ein Verständnis von Inklusion zu einigen, wird in diesem Beitrag vorgeschlagen, den Inklusionsbegriff in seiner ganzen Widersprüchlichkeit als mehrperspektivischen Antidiskriminierungsansatz für die politische Bildung zur Geltung kommen zu lassen. Ausgangspunkt ist das Modell der trilemmatischen Inklusion, das zeigt, dass sich Inklusion immer als eine spezifische Verbindung von zwei der drei Basissätzen Empowerment, Normalisierung und Dekonstruktion bestimmt und bei jedem Zugriff von Inklusion ein Basissatz und damit eine Intention logisch ausgeschlossen werden muss. Der Beitrag konkretisiert das Modell, indem es mit bisherigen Arbeiten aus der inklusiven politischen Bildung verbunden wird und Kategorien der politischen Bildung zugeordnet werden. Das Verständnis von Inklusion als Empowerment und Normalisierung erscheint als die anschlussfähigste für die politische Bildung. Konträr dazu steht der Standpunkt von Inklusion als Dekonstruktion und Empowerment, der Anschlussschwierigkeiten zur politischen Bildung zeigt. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick zu Forschungsmöglichkeiten unter den widersprüchlichen Bedingungen von Inklusion v. a. aus der Perspektive der Praxeologischen Wissenssoziologie.
David Jahr

Inklusion im Politikunterricht

Impulse durch Intersektionalität, Partizipation und Lebensweltbezug
Zusammenfassung
Dieser Beitrag geht der Frage nach, inwiefern intersektionale Betrachtungen neue Impulse für eine inklusive politische Bildung geben können. Dazu wird ein weites Verständnis von Inklusion erläutert, mit dem gesellschaftliche Ein- und Ausschlüsse thematisiert werden können. Eine Einbeziehung von verschiedensten Ungleichheitskategorien, neben der für Inklusion zentralen Kategorie Behinderung, wird so ermöglicht. Im Anschluss daran werden intersektionale Betrachtungen vorgestellt, die für eine inklusive politische Bildung fruchtbar sein können. Dabei stehen neben dem Subjekt auch Macht- und Herrschaftsverhältnisse sowie symbolische Repräsentationen im Fokus von intersektionalen Analysen. Mit dem Werkzeugkasten Intersektionalität können so politische Handlungsmöglichkeiten entworfen werden. Dabei ist Partizipation als Zieldimension von politischer Bildung sowie Inklusion das gemeinsame Moment. Für eine inklusive politische Bildung wird Empowerment als Strategie in den Fokus gerückt. Abschließend wird erörtert, wie inklusive politische Bildung unter Einbeziehung von Intersektionalität gelingen kann.
Kerstin Vennemeyer

Gestaltung und Ergebnisse von Schüler*innenforschung: Adressat*innen einer inklusiven politischen Bildung

Frontmatter

Inklusion und die Darstellung des politischen Interesses Jugendlicher in Politik-Schulbüchern

Zusammenfassung
Demokratie, Inklusion und politische Bildung sind auf das Engste miteinander verbunden. Politische Bildung in einer Demokratie ist dem Anspruch nach Lernen für die Demokratie. Demokratie wiederum bedeutet die möglichst breite und allumfassende Inklusion der Interessen der in ihr lebenden Menschen. Schulbücher vermitteln ein kompaktes Wissen zu politischen Grundannahmen, Demokratie und Inklusion, auf Basis derer Menschen politisch handeln. Der Beitrag fokussiert die Darstellung von ‚Jugend‘ und dabei insbesondere deren politisches Interesse in Politik-Schulbüchern und fragt, wie ‚Jugend‘ dort entworfen und angesprochen wird. Auf der Grundlage normativer Merkmale von Inklusion werden die Schulbuchdarstellungen abschließend eingeordnet.
Alexander Wohnig

Förderschüler*innen und ihre Vorstellungen zu sozioökonomischen Phänomenen

Ein Desiderat der fachdidaktischen Forschung?!
Zusammenfassung
In der ökonomischer und auch politischen fachdidaktischen Forschung finden sich immer häufiger Studien, in welchen die Vorstellungen von diversen Gruppen untersucht werde: von Kindergartenkindern über Studierenden bis Finanzanleger* innen. Solche Ergebnisse können genutzt werden um Unterrichtsmaterialien zu gestalten, (schulinterne) Lehrpläne anzupassen, fachliche Empfehlungen für Lehrer*innen auszusprechen etc. Nicht erst seit der voranschreitenden Umsetzung schulischer Inklusion stehen z. B. Lehrer*innen vor der Frage: Gelten diese Forschungsergebnisse auch für Förderschüler*innen? Die fachdidaktische Forschung muss der Frage nachgehen, ob sie Förderschüler*innen in ihrer Betrachtung (stärker) berücksichtigen muss, ob dies Aufgabe sonderpädagogischer Forschung ist oder zu welchen Lerngegenständen die Perspektiven von Förderschüler*innen Gegenstand fachdidaktischer Forschung sein müssen. Dieser Thematik wird im Artikel von Anja Bonfig am Beispiel der Förderschüler* innen mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen nachgegangen.
Anja Bonfig

Aktivierung und Rekonstruktion der Vorstellungen von Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf zu Aspekten von Recht und Gesetz

Potenziale für inklusive Lernsettings in der politischen Bildung
Zusammenfassung
Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie Zugänge zur Auseinandersetzung mit politischen Phänomenen (am Beispiel von Recht und Gesetz) in inklusiven Lernsettings geschaffen werden können. Dazu werden theoretische Überlegungen aus einem Dissertationsprojekt vorgestellt, in dem mit Hilfe bildunterstützter, sequenziert einsetzbarer Fallvignetten Vorstellungen zu Aspekten von Recht und Gesetz von Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf aktiviert und u. a. mittels phänomenographischer Analyse rekonstruiert werden sollen. Die Ergebnisse erster Pilotierungen weisen auf fach- und inklusionsdidaktisch begründbare Potentiale dieser Erhebungsform hin.
Dörte Kanschik

(Sozio-)ökonomische Bildung im inklusiven Kontext

Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf als vernachlässigte Gruppe der fachdidaktischen Forschung
Zusammenfassung
Den Beitrag der ökonomischen Bildung zur Bewältigung von Lebenssituationen und der Befähigung von Schüler*innen zu mündigen Wirtschaftsbürger*innen steht außer Frage. Zahlreiche Studien und Beiträge beschäftigen sich mit dem bereits vorhandenen Wissen und den Präkonzepten von Schüler*innen bzw. attestieren ihnen fehlendes Wissen oder mangelnde Kompetenzen über ökonomische Inhalten, wirtschaftliche Phänomene und Bildungsthematiken. Doch bleibt eine Schüler*innengruppe bei diesen Betrachtungen und Forschungen gänzlich unberücksichtigt: Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Hinsichtlich eines inklusiven Bildungssystems und den daraus folgenden didaktischen Ansprüchen und Herausforderungen für die Gestaltung und Planung von Unterrichtseinheiten, müssen sich die sozialwissenschaftlichen Fachdidaktiken Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf annehmen. Der Beitrag zeigt auf, warum die fachdidaktische Forschung sich dem Desiderat um Förderschüler*innen zuwenden muss und erklärt inwieweit die ökonomische Bildung bereits geeignete Ansätze für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufweist. Relevante Bildungsinhalte für sozialwissenschaftliche Bildung werden anhand einer Lehrplanübersicht für die Förder- bzw. Sonderschule aufgezeigt und der Stellenwert der (sozio-) ökonomischen Bildung als Teil der Sozialwissenschaften beleuchtet.
Arne Westerkamp

Politische Bildungsforschung außerhalb von Schule: Inklusion in gesellschaftlichen Handlungsfeldern

Frontmatter

Politische Bildung – Inklusion – Forschung

Partizipative Forschung als Ansatz inklusiver politikdidaktischer Wissenschaft
Zusammenfassung
Um die Frage, wie politikdidaktische Forschung im Sinne von Inklusion aussehen soll, dreht sich dieser Beitrag. Ausgehend von einem weiten Inklusionsverständnis steht die inklusionsbezogene Forschung in der Verantwortung, die Perspektiven betroffener Menschen in den Forschungsprozess selbst mit einzuholen. Ein möglicher Ansatz, der dieser Anfrage an eine inklusive politikdidaktische Forschung nachkommt, ist der Forschungsstill „partizipative Forschung“. Dieser wird in seiner Betonung sowohl der Beteiligung und des Empowerments als auch der Anwendungsorientierung in einer partnerschaftlichen Arbeit vorgestellt. Verdeutlicht wird partizipative Forschung genauer durch die Vorstellung der wissenschaftlichen Begleitung eines außerschulischen Bildungsprogramms (Lernort Stadion e. V.). Dabei wird veranschaulicht, wie in solchen Formaten Forschungsprozess und Beziehungsaufbau zwischen den Akteur*innen ineinander übergehen. Abschließend soll das Für und Wider partizipativer Ansätze für die (inklusive politische Bildungs-)Forschung im Fokus stehen.
Tina Hölzel

Zur Darstellung und Ansprache von zugewanderten Menschen in Ankommensbroschüren

Zusammenfassung
Um zugewanderte Menschen bei ihrem Ankommen in Deutschland zu unterstützen, sind in den vergangenen Jahren verschiedene Broschüren zur gesellschaftlichen Orientierung bereitgestellt worden. Auch wenn diese Angebote sicherlich mit den besten Intentionen entwickelt worden sind, sucht dieser Beitrag nach blinden Flecken. So fragt Laura Rind-Menzel, auf welche Weisen zugewanderte Menschen in Ankommensbroschüren angesprochen und dargestellt werden. Welche Art von Unterstützung wird ihnen bei der (Neu-)Orientierung angeboten? Worin bzw. woran sollen sich Zugewanderte überhaupt orientieren und wozu? Was erfahren sie in den Broschüren dabei über sich selbst? Der Beitrag illustriert, inwiefern ausschlussproduzierende Wir-Ihr Darstellungen auch in unterstützungsverheißenden Materialien dazu beitragen können, Zugewanderte zu objektivieren, zu marginalisieren und zu passivieren, anstatt ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, gestaltend an der Gesellschaft teilzuhaben. Vielmehr sind Zugewanderte ‚die Anderen‘, die die hiesigen Spielregeln bezüglich ‚typisch deutscher‘ Verhaltensweisen, Werte und Mentalitäten erst noch verstehen lernen sollen, um in Deutschland dazu zu gehören.
Laura Rind-Menzel

Schulentwicklung und Professionalisierung: Rahmenbedingungen für inklusiven Politikunterricht

Frontmatter

Bausteine inklusiver Pädagogik

Anregungen aus der Grundschulpädagogik für die inklusive politische Bildung
Zusammenfassung
Durch bildungspolitische und gesellschaftliche Entwicklungen steht die politische Bildung verstärkt vor der Herausforderung, sich im Diskurs um Inklusion zu verorten und neue (Realisierungs-)Konzepte zu entwickeln. Seit längerer Zeit gilt die Grundschulpädagogik als Vorreiter im Umgang mit stark heterogenen Lerngruppen. Daher werden im Beitrag Bausteine inklusiver Pädagogik des Grundschulverbandes vorgestellt, um darauf aufbauend Umsetzungsmöglichkeiten und Herausforderungen für die schulische politische Bildung zu diskutieren. Dabei orientiert sich der Beitrag an einem weiten Inklusionsverständnis, das nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit einbezieht (Teilhabevoraussetzungen, Geschlecht, körperliche Voraussetzungen usw.).
Annemarie Jordan, Julia Becker

Politikunterricht in der inklusiven Schule

Wissenschaftliche und alltagsdidaktische Vorstellungen über inklusiven Politikunterricht als Zugang zur Kompetenzentwicklung von Fachlehrkräften
Zusammenfassung
Der Beitrag setzt sich mit Fragen der Qualifikation von Fachlehrerkräften für den Politikunterricht in der inklusiven Schule auseinander. Ausgehend von einem Blick auf den aktuellen Stand in Bezug auf die Umsetzung der Inklusion im schulischen Kontext wird argumentiert, dass gerade das Unterrichtsfach Politik sich für den gemeinsamen Unterricht in heterogenen Lerngruppen öffnen sollte. Auf dieser Grundlage wird ein hoher Qualifizierungsbedarf auf Seiten der Fachlehrkräfte identifiziert, dem im Rahmen der Lehrkräftebildung – so die zentrale These des Beitrags – nachhaltig nur über eine produktive Vernetzung von wissenschaftlichen Perspektiven einerseits und bereits vorhandenen individuellen Sicht- und Herangehensweisen der Lehrenden andererseits zu begegnen ist. Intendiert ist in diesem Zusammenhang eine Adaption des Ansatzes der Didaktischen Rekonstruktion auf die politikdidaktische Lehrkräftebildung. Die Zielsetzung besteht in der Gewinnung von Ansätzen für eine nachhaltige Gestaltung der Ausbildung von Politiklehrkräften im Hinblick auf die Anforderungen eines inklusiven Fachunterrichts. Im Fokus steht dabei insbesondere die zweite Ausbildungsphase, als derjenige Qualifizierungsabschnitt mit einerseits besonders hoher Interventionsnotwendigkeit sowie andererseits potenziell hoher Prägekraft im Hinblick auf das tatsächliche spätere Handeln im professionellen Anforderungskontext.
Jan Eike Thorweger
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