Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Koordination im Produktionsverbund als betriebswirtschaftliche Problemstellung

Zusammenfassung
Seit den achtziger Jahren nimmt die Anzahl unternehmenseigener, durch Leistungsverflechtungen verbundener Produktionsstätten zu1. Eine Ursache für diesen Trend liegt in der zunehmenden Anzahl von Unternehmenszusammenschlüssen, die ehemals unabhängig voneinander operierende Fertigungsstätten unter dem Postulat der Synergie zu einem größeren Verbund integrieren2. Eine weitere Ursache findet sich darin, daß sich die Anzahl der Standorte weltweit, die entsprechende Qualifikations- und Infrastrukturniveaus zur Beherrschung industrieller Produktion im Weltstandard besitzen, im vergangenen Jahrzehnt vervielfacht hat3. Dadurch wird es immer leichter, sich in räumlich verteilten Produktionsstätten mit Hilfe von Skalen- oder relativen Faktorkostenvorteilen eine wettbewerbsfähige Position zu sichern und gleichzeitig in Abnehmernähe zu sein4. Ein solcher Verbund von Werken weist in vielen Fällen wesentliche Kostenvorteile gegenüber der traditionellen Konzentrationsform auf5. Gleichzeitig schaffen neue Informations- und Kommunikationstechnologien einen virtuellen Informationsraum, der an fast jedem beliebigen Punkt der Erde verfügbar ist6. Dies führt zu einer deutlichen Verringerung der relativen Kosten der Koordination räumlich getrennter Standorte7. So geschaffene Informationsinfrastrukturen versetzen Mehr-Standort-Unternehmen8 in die Lage, einzelne Aktivitäten der Wertschöpfungskette dezentral anzusiedeln, zu spezialisieren, miteinander zu verknüpfen und mit geringem Aufwand effektiv auf die Bedürfnisse der Kunden abzustimmen9. Bei der Konfiguration von Teilen und Komponenten, die aus einzelnen Produktionsstandorten eines solchen Verbundes stammen, und für die ökonomische Nutzung der verteilten Know-how-Ressourcen sind erhebliche Koordinationsleistungen zur Sicherung des angestrebten synergetischen Effekts und der Gesamtleistung erforderlich. Einen Beitrag zur Untersuchung dieser Koordinationsaufgabe stellt die vorliegende Arbeit dar.
Georg Rilling

2. Inhaltliche und begriffliche Abgrenzung

Zusammenfassung
Für die weitere Analyse ist es notwendig, eine exakte Klärung der Begriffe Produktionsverbund und Koordination sowie eine Abgrenzung von anderen in diesem Zusammenhang in der Literatur verwendeten Termini durchzuführen. Zu diesem Zweck wird der Verbundbegriff auf die Existenz von Leistungsverflechtungen und daraus resultierenden Verbundeffekten zwischen räumlich getrennten Produktionsstätten oder Werken einer Unternehmung zurückgeführt. Daran schließt sich eine Arbeitsdefinition des Begriffes Produktionsverbund an. Zu einer möglichen Eingrenzung des Koordinationsbegriffes existieren konträre Einschätzungen in der Literatur. Diese werden dargestellt, um darauf aufbauend eine geeignete Präzisierung in bezug auf die vorliegende Problemstellung vorzunehmen.
Georg Rilling

3. Theoretischer und empirischer Bezugsrahmen

Zusammenfassung
Die Darstellung des theoretischen sowie des empirischen Bezugsrahmens stellt den Leitfaden für die in den nachfolgenden Kapiteln durchzuführende Untersuchung der Anwendbarkeit und Eignung unterschiedlicher Ausprägungen von Gestaltungsparametern der Koordination innerhalb des Produktionsverbundes sowie der dabei zu beachtenden Einflußgrößen dar. Der zugrundegelegte informationsökonomische Ansatz des theoretischen Bezugsrahmens berücksichtigt insbesondere die durch die räumliche Entfernung und die arbeitsteilige Leistungserstellung innerhalb einer Unternehmung bestehenden Informationsasymmetrien sowie die daraus resultierenden Anforderungen an die Koordination. Mit Hilfe einer Übertragung der Modelle und Erkenntnisse der Agency-Theorie auf die Beziehungen innerhalb des Produktionsverbundes erfolgt eine Auswahl relevanter Aspekte der Koordinationsproblematik im Produktionsverbund. Darüber hinaus dient der Bezugsrahmen zur Analyse von Partiallösungen im theoretischen Gesamtzusammenhang, die sich für Übertragung auf die Problemstellung der vorliegenden Arbeit anbieten. Den empirischen Bezugsrahmen bildet die Auswertung einer Untersuchung von 33 Produktionsverbunden.
Georg Rilling

4. Gestaltungsparameter einer verbundfähigen Koordination

Zusammenfassung
Um die Ziele, Entscheidungen und Handlungen aller Produktionsstätten im Verbund aufeinander abzustimmen und zu harmonisieren bedarf es, wie im dritten Kapitel gezeigt, der Beseitigung bestehender Informationsasymmetrien oder einer Verringerung der daraus resultierenden Risiken. Die dafür erforderlichen konkreten Koordinationsmaßnahmen setzen sich aus unterschiedlichen Ausprägungen von drei Basisvariablen zusammen1. Die erste dieser Variablen stellt die Einräumung von Verfügungsmöglichkeiten über Ressourcen dar. Bestehen Interdependenzen zwischen den zu koordinierenden Einheiten in der Form, daß die Ressourcen nicht dauerhaft überschneidungsfrei den jeweiligen Werken zugeordnet werden können, bedeutet das Einräumen von Verfügungsrechten, daß einer Organisationseinheit die Koordinationskompetenz für abstimmungbedürftige Entscheidungen bezüglich dieser Ressource übertragen wird. Diese Verfügungsrechte können durch implizit oder explizit formulierte Verhaltensnormen zum Ausdruck gebracht werden, die die zweite Basisvariable bilden2. Solche Normen beinhalten die Art von Reaktion, die bei vorliegen bestimmter Informationen erfolgen soll, welche Informationen dafür bei welcher Stelle zu beschaffen sind und welche Informationen an andere Organisationsmitglieder weitergegeben werden sollen3. Diese Normen können beispielsweise explizit in Form von Weisungen persönlich übermittelt oder als Entscheidungsregeln in Form von Programmen für den Empfängerkreis vorformuliert werden4.
Georg Rilling

5. Bestimmung der Koordinationsintensität

Zusammenfassung
Die Ausgestaltung der Koordination der arbeitsteiligen Leistungserstellung im Produktionsverbund hängt neben dem Ausmaß der den einzelnen Werken eingeräumten Entscheidungsspielräume auch von der Art und dem Ausmaß der Leistungsbeziehungen sowie Ressourceninterdependenzen zwischen den einzelnen Produktionsstätten ab1. Sie variieren in Abhängigkeit von der Anzahl der Abnehmer- oder Zulieferstandorte innerhalb des Verbundes und hängen davon ab, ob es sich um spezialisierte oder mehrfach vorhandene Fertigungskapazitäten im Verbund handelt. Diese Faktoren bestimmen die Fertigungsstruktur des Produktionsverbundes und damit die organisatorische und prozessuale Grundlage für die Leistungserstellung, die Fokussierung von Produkt- und Verfahrenstechnologien und des technologischen Know-hows. Die Fertigungsstruktur determiniert in hohem Maße die Anforderungen an die Koordination zum Zweck der Nutzung von Synergieeffekten im Verbund und kann diese wirksam unterstützen2. Je mehr Produktionsstätten einerseits eine Übereinstimmung in dem gefertigten Produktspektrum aufweisen und je stärker die Leistungsverflechtungen aufgrund einer Spezialisierung der einzelnen Werke andererseits ausgeprägt sind, desto höher wird der erforderliche Koordinationsaufwand sein, um eine Abstimmung bezüglich der arbeitsteiligen Leistungserstellung herbeizuführen. Wird nur ein geringer Koordinationsaufwand betrieben, so steigt die Gefahr, daß mögliche Verbundvorteile nicht genutzt werden. Es entstehen Opportunitätskosten. Um die aus Sicht des Produktionsverbundes optimale Koordinationsintensität zu bestimmen, sind die Kosten des Koordinationsaufwands und der entgangenen Verbundvorteile gegeneinander abzuwägen. Diesen Zusammenhang beschreibt der folgende Abschnitt.
Georg Rilling

6. Empirisch-aufgabenbezogene Analyse der Koordination

Zusammenfassung
Die Analyse möglicher Ausprägungen der Gestaltungsparameter im vierten Kapitel hat gezeigt, daß die Koordination im Produktionsverbund eine hohe Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten aufweist. Um nun zu einer differenzierten Aussage über die Eignung unterschiedlicher Koordinationsformen in Abhängigkeit von der betrieblichen Problemstellung zu gelangen, werden die Wahrnehmung der Koordinationskompetenz, die eingesetzten Koordinationsinstrumente und -mechanismen, die Anreiz- und Sanktionsmechanismen sowie das Informationsnetzwerk auf ihre Ausprägungen bei einzelnen Koordinationsaufgaben im Produktionsverbund analysiert. Zu diesem Zweck werden fünf Bereiche von Koordinationsaufgaben voneinander abgegrenzt:
  • — Abstimmung der Ressourcenallokation sowie der Grundlagen des Leistungsaustausches,
  • — Koordination fertigungsbezogener Aktivitäten wie Produktionsprogrammplanung, Fertigungssteuerung und Disposition,
  • — Koordination der Betreuung und Weiterentwicklung standortübergreifend eingesetzter Produkt- und Fertigungstechnologien1,
  • — Abstimmung des systemgebundenen Informationsaustausches sowie
  • — Reduzierung von Informationsasymmetrien zwischen der Leitung und den Werken sowie der Werke untereinander durch Monitoring und Know-how-Transfer.
Georg Rilling

7. Koordination im Produktionsverbund: Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassung
Eine zunehmende Anzahl potentieller Fertigungsstandorte, die Globalisierung der Märkte und die erforderlichen finanziellen Ressourcen in Verbindung mit steigendem Wettbewerbsdruck führen dazu, daß es in immer stärkerem Maße erforderlich wird, die Spezialisierungsvorteile einer arbeitsteiligen Leistungserstellung durch eine Fertigung im Verbund mehrerer Produktionsstätten zu nutzen. Gleichzeitig soll jedoch die Flexibilität und Kundenorientierung kleiner Werke erhalten und eine hohe Effizienz der Leistungserstellung durch die Internalisierung von Wettbewerbselementen in eine solche unternehmensinterne, aber räumlich dezentralisierte Fertigungsstruktur erreicht werden.
Georg Rilling

Backmatter

Weitere Informationen