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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Vorwort: Theorien und Thesen zur Korruption

Zusammenfassung
Das Thema der Korruption lebt im Paradox der Kommunikation: Die Thematisierung ist der unsystematische Versuch der Erhellung des systematisch Dunklen. Hier über die Heisenbergsche Unschärferelation sprechen zu müssen, gehört wohl zu den ersten Auffälligkeiten der Forschung: die Kommunikation über die notwendige Inkommunikabilität der Korruption. Seit einigen Jahren lässt sich eine Karriere der Korruption als Thema erkennen — sowohl in der Öffentlichkeit als auch — mit gewissem Rückstand — in der Wissenschaft. Grenzen zur Kooperation und Konkurrenz werden gesucht. Rechts-, wirtschafts- und medienwissenschaftliche Analysen sind in der Durchführung. Soziologische und psychologische Erklärungen werden entwickelt.
Stephan A. Jansen, Birger P. Priddat

Elemente „positiver“ und „dynamischer“ Theorien der Korruption — Multidisziplinäre Provokationen zur Form der Korruption

Zusammenfassung
Ob in Verwaltungen oder bei Unternehmen: Korruption ist eine prominente, medial inszenierte Vokabel, die überall betretenes Schweigen auslöst. Ein Grundelement der Korruption selbst, denn sie basiert auf der Inkommunikabilität. Die Bürger verzweifeln an der Integrität von Politikern und Topvorständen, an der Vergabe von öffentlichen Aufträgen, an Empfehlungen von Banken, an Testaten der Wirtschaftsprüfer usw. Auf dem weltweiten Index der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International (TI) ist Deutschland in den vergangenen fünf Jahren von Platz 13 auf Platz 20 abgerutscht (im Wesentlichen bedingt durch CDU-Parteispendenskandale sowie die Müllentsorgung Köln) und hat sich nun im Jahr 2004 wieder auf Platz 15 hochlegalisiert. Nie zuvor gab es so viele Ermittlungsverfahren gegen bestechliche Politiker und bestechende Manager—die Zahl der Korruptionsverfahren hat sich laut Bundeskriminalamt (BKA) seit Mitte der 1990er Jahre von 258 auf 1243 verfünffacht.
Stephan A. Jansen

Die Governance der Korruption

Zusammenfassung
Die eingeführten philosophischen und sozialwissenschaftlichen Definitionen der Korruption1 verdichten wir zunächst zu zwei Prämissen, von denen dann die folgende Untersuchung über die präventive Wirkung der Governance von Selbstbindungsstrategien ihren Ausgang nehmen wird.
Josef Wieland

Korruption: Diagnose und Therapie aus wirtschaftsethischer Sicht

Zusammenfassung
Ich möchte in meinem Beitrag das Phänomen der Korruption aus wirtschaftsethischer Sicht behandeln. Lassen Sie mich gleich zu Beginn zwei mögliche Fragestellungen unterscheiden, damit von vornherein deutlich wird, welche Perspektive ich einnehmen will — und welche nicht.
Ingo Pies

Schwarze Löcher der Verantwortung: Korruption — Die negative Variante von Public-Private Partnership

Zusammenfassung
Korruption ist ein inzwischen weit gefasstes Phänomen, das definiert wird als „Missbrauch von anvertrauter Macht zu privatem Vorteil, unabhängig davon, ob die Handlung unter Strafe steht oder nicht. Darunter fallen dann zum Beispiel auch Untreue, Ämterpatronage und überzogene Selbstversorgung von (in eigener Sache entscheidenden) Amtsträgern“1.
Birger P. Priddat

Paradoxe Korruption

Zusammenfassung
Transparency International, die internationale der Korruptionsbekämpfung gewidmete Nicht-Regierungsorganisation mit Sitz in Berlin, definiert Korruption als den heimlichen Missbrauch von öffentlicher oder privatwirtschaftlich eingeräumter Stellung oder Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil1. Als Formen der Korruption nennt die Organisation: zum einen die illegale Beeinflussung des administrativen Handelns, wie Zahlungen an Vertreter der öffentlichen Gewalt, um widerrechtlich Aufträge oder Genehmigungen zu erhalten, zum anderen aber auch bestimmte Formen der Beeinflussung der öffentlichen Meinung, etwa indem Journalisten durch Vorteilsgewährungen dazu gebracht werden, Sachverhalte unzutreffend darzustellen.
Michael Schefczyk

Wirklich die „vierte Gewalt“? Funktionsverständnisse für die Massenmedien in der Gesellschaft

Zusammenfassung
Im 18. Jahrhundert arbeitete Charles de Montesquieu erstmals mit dem Begriff der Gewaltenteilung. In seiner Konzeption verwendete er die Begriffe der Legislative, der Exekutive und der Judikative. Im deutschen Grundgesetz beschreibt der Artikel 20 ihre Aufgaben und Funktionen. Der Begriff der „vierten Gewalt“ wird nicht explizit erwähnt, die Massenmedien jedoch im Artikel 5 in Zusammenhang mit der Freiheit der Presse. „Die Medien sind frei, müssen sich ihre Rolle selbst suchen, die anderen drei Gewalten sind bereits definiert und haben ihren verfassungsmäßig verankerten Status“1. In den Konzepten des „good governance“ wird der Grad der Pressefreiheit als einer der Indikatoren für die Demokratisierung eines Staates beschrieben.
Markus Rhomberg

Vom Nimbus der Unbestechlichkeit — Beamtentugend und Staatskorruption in Preußen

Zusammenfassung
Lykurgus begriff wohl, daß es nicht damit gethan sey, Gesetze für seine Mitbürger zu schaffen, er mußte auch Bürger für diese Gesetze erschaffen (Friedrich Schiller, Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon).
Christoph Meineke

Institutionalisierte Korruption

Zusammenfassung
Russland ist eine Reise wert. Um sie anzutreten, benötigt man ein Visum nebst Krankenversicherung. Bei deren Beschaffung ist dem deutschen Touristen jeder russische Reiseveranstalter gerne behilflich. Die Bearbeitungsgebühren (inklusive einer „Einladungsgebühr“) für ein Touristenvisum sind gestaffelt, je nach Dringlichkeit der Ausstellung.
Alihan Kabalak

Private Virtues, Public Vices? Sozialphilosophische Implikationen der Rede von Korruption

Zusammenfassung
Korruption ist in Mode. Ein Versuch der Aufzählung der jüngsten Korruptionsskandale allein in Deutschland käme kaum an ein Ende, selbst wenn er sich auf die Jahre zwischen dem Auffliegen des „Systems Kohl“1 und dem Ackermann-Prozess beschränken würde. Doch schon diese Kombination zeigt, dass es bei den als Korruption verhandelten Fällen große Unterschiede gibt: Helmut Kohl hat den Tatbestand der Korruption eindeutig erfüllt, indem er mit seinen Staatsund Parteiämtern zugleich ein illegitimes monetäres Parallelnetzwerk unterhielt, dessen Ausmaße durch die Unterdrückung der Stasiakten noch gar nicht bekannt sind. Josef Ackermann hingegen, der in den Augen Vieler die Grenzen der Sittlichkeit und des guten Geschmacks weit überschritten hat, hat sich juristisch nichts zuschulden kommen lassen2. Der „Fall Ackermann“ zeigt damit nicht nur, dass die Grenzen zur Korruption fließend sind, sondern auch, dass nicht allein die Korruption, sondern auch die Rede von Korruption seit einiger Zeit in Mode gekommen ist. Heute werden Dinge als Korruption wahrgenommen, die früher — zumindest von manchen Stellen — noch mit Achselzucken quittiert worden wären.
Christoph Henning

Korruption, Arbeitsmarkt und Beschäftigung: Ergebnisse einer empirischen Analyse für die osteuropäischen Transformationsländer

Zusammenfassung
Von 1994 bis 2002 veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung im zweijährigen Rhythmus das Internationale Beschäftigungs-Ranking (IBR)1. Ziel des IBR war die Messung, Bewertung und Erklärung der arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitischen Performance von 21 Industrieländern2. Zu dieser Bewertung wurden nicht nur Performance-Daten der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsentwicklung der untersuchten Länder herangezogen, sondern es wurden auch so genannte „Wirkungsgrößen“ einbezogen, die die Arbeitsmarktentwicklung entscheidend beeinflussten und vor allem die unterschiedlichen Erfolge der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungssituation in einer vergleichenden Länderanalyse erklären konnten. Die Anforderung an derartige Wirkungsgrößen war dabei, dass sie erstens einen ökonomisch plausiblen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben und sich zweitens in einer ökonometrischen Pool-Analyse zur Erklärung der unterschiedlichen Beschäftigungserfolge als signifikant erweisen. Diese Wirkungsgrößen flössen gemeinsam mit dem arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitischen Performance-Indikator (=Zielgröße) in die aggregierte Bewertung der Beschäftigungspolitik der einzelnen Länder ein, aus der dann die Ranking-Tabelle gebildet wurde3.
Robert B. Vehrkamp, Klaus Hafemann

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