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11.11.2022 | Kostenmanagement | Im Fokus | Online-Artikel

Schnelle Sparmaßnahmen scheitern oft an Kostenstruktur

verfasst von: Sylvia Meier

3 Min. Lesedauer
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Die aktuellen Krisen zwingen Unternehmen zu sparen. Doch etablierte Kostenstrukturen verhindern häufig zeitnahe Lösungen, um Ausgaben zusenken. Das Controlling sollte deshalb bei Wachstumsprognosen die sogenannte Kostenremanenz im Blick haben, um die unternehmerische Flexibilität zu sichern.

Sowohl die Folgen der Corona-Pandemie als auch der Ausbruch des Ukraine-Krieges sorgen für erheblichen wirtschaftlichen Druck in Deutschland: Lockdown-Maßnahmen führten zu Umsatzeinbrüchen bei Unternehmen. Nun führen seit Monaten Lieferkettenprobleme zu Engpässe bei der Materialbeschaffung und steigende Energiepreise belasten sowohl Wirtschaft wie Verbraucher. Wie groß die Wirtschaftsverluste infolge beider Ereignisse sind, belegt eine Analyse des IW-Instituts: rund 420 Milliarden Euro. Dabei entfällt 

  • auf das erste Krisenjahr 2020 ein Verlust in Höhe von 175 Milliarden Euro,
  • auf das zweite Krisenjahr 2021, hier insbesondere aufgrund weltweiter Lieferengpässe, ein Verlust in Höhe von 125 Milliarden Euro und 
  • auf das dritte Krisenjahr 2022 mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine ein Verlust in Höhe von voraussichtlich 120 Milliarden Euro.

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„Change is the only constant in life. One’s ability to adapt to those changes will determine your success in life“. Die Digitalisierung stellt eine große Veränderung unserer Welt dar und das einleitende Zitat, von Benjamin Franklin, macht deutlich, dass man sich weder als Mensch noch als Unternehmen solchen Veränderungen verschließen darf, sondern mit ihnen umgehen muss, wenn man erfolgreich sein möchte. Die gegenwertige Relevanz der Digitalisierungsthematik im Bereich des Controllings, jedoch auch speziell in dem des Kostenmanagements, ist inzwischen unbestritten.

Diese negativen Entwicklungen steigern den Kostendruck in Unternehmen immens. Doch entsprechende Maßnahmen zu finden, gelingt meist nicht so schnell wie erhofft. 

Hohe Fixkostenanteile erhöhen das Risiko einer Geschäftsaufgabe

In dem Beitrag "Kostenstruktur und Unternehmensflexibilität in der Covid-19-Krise" zeigen Jannis Bischof, Christopher Karlsson, Davud Rostam-Afschar, Thomas Simon und Dirk Simons, welchen Hürden Unternehmen bei Kostensenkungsmaßnahmen insbesondere während der Corona-Pandemie begegneten. Die Autoren untersuchten Daten, die vom German Business Panel durch Befragung von etwa 10.000 Firmenlenkern während der Covid-19-Pandemie erhoben wurden. Demnach hing die erwartete  Ausfallwahrscheinlichkeit der Unternehmen aus der eigenen Branche von den jeweils etablierten Kostenstrukturen ab: 

Je höher der Anteil der Fixkosten an der betrieblichen Kostenstruktur ausfällt, desto seltener werden die staatlichen Hilfsmaßnahmen als ausreichend empfunden und desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit für Geschäftsaufgaben während der Krise. [...] Ein Verständnis von Kostenstrukturen und deren Auswirkungen in der Krise ist demnach sowohl mit Blick auf die Ausgestaltung staatlicher Hilfsprogramme als auch hinsichtlich unternehmerischer Entscheidungen relevant."

Kostenremanenz wird zur Herausforderung 

In dem Buch "Wirtschaftslehre" definieren Wolfgang Grundmann und Rudolf Rathner fixe und variable Kosten (Seite 57): "Fixe Kosten sind in einer bestimmten Zeitperiode konstant und unabhängig von der Produktions- beziehungsweise Absatzmenge (Ausbringungsmenge)." Variable Kosten hingegen schwanken laut der Springer-Autoren entsprechend solcher Veränderungen. Es handelt sich demnach um mengenabhängige Kosten. 

Bischof, Karlsson, Rostam-Afschar, Simon und Simons sprechen in ihrem Beitrag vom Konzept der Kostenremanenz. Dabei handelt es sich um das regelmäßig zu beobachtende Phänomen, dass Kosten bei fallender Beschäftigung langsamer sinken, als sie im Wachstumsfall aufgebaut werden - einem asymmetrischen Kostenverhalten. Auch die Umfrage bestätigt dieses Ergebnis, insbesondere bei Unternehmen, die staatliche Hilfen in Anspruch genommen haben. 

"Demgegenüber wachsen und schrumpfen Gewinne und Kosten bei Unternehmen ohne Staatshilfen symmetrisch zur Umsatzveränderung. Staatliche Hilfsmaßnahmen scheinen in der Krise also mit geringeren Anreizen zum raschen Abbau von Kosten bei Umsatzeinbrüchen einherzugehen", fassen die Autoren zusammen. 

Kostenstrukturen bei strategischen Entscheidungen bedenken

Die Autoren haben die größten Hürden für schnelle Kostensenkungsmaßnahmen in folgender Abbildung zusammengefasst: 

Unternehmen benötigen eine genaue Kenntnis über den Einfluss von Kostenstrukturen. Nur so kann das strategische Kostenmanagement auch für mögliche zukünftige Krisen besser aufgestellt werden. Wer also beispielsweise langfristige vertragliche Vereinbarungen, wie Mietverträge, eingeht muss sich bewusst sein, dass dies die Kostenplanung entsprechend beeinflusst. 

Bischof, Karlsson, Rostam-Afschar, Simon und Simons geben folgende zentrale Handlungsempfehlungen für Unternehmen: 

  1. Beachten Sie, dass Unternehmensentscheidungen zu späterer Ineffizienz führen können, wenn deren Folgen wie Inflexibilität oder die Remanenz von Kosten nicht hinreichend antizipiert werden. 
  2. Vor dem Hintergrund der Remanenz von Kosten sollten Sie Wachstumsprognosen unter Zuhilfenahme des Controllings kontinuierlich überprüfen. 
  3. Berücksichtigen Sie, dass Entscheidungen zum Aufbau von Kapazitäten oder zur Anpassung von Produktionsprozessen stets unter Berücksichtigung ihrer Auswirkung auf unternehmerische Flexibilität in plötzlich eintretenden Krisensituationen getroffen werden.
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