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17.08.2022 | Krisenmanagement | Im Fokus | Online-Artikel

Was den Mittelstand so resilient macht

verfasst von: Andrea Amerland

3 Min. Lesedauer
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Widerstandsfähigkeit ist die Eigenschaft der Stunde. Damit durch Inflation, Corona-Schulden und Ukraine-Krieg gebeutelte Unternehmen den Widrigkeiten trotzen können, müssen sie resilient sein. Was insbesondere den Mittelstand Krisen überstehen lässt, hat eine Studie ermittelt.

Resilienz ist "die Fähigkeit eines Unternehmens, auch in einem komplexen und dynamischen Umfeld den Wandel vorherzusehen, sich darauf vorzubereiten, zu reagieren und sich anzupassen, um das Bestehen des Unternehmens und das Wachstum zu sichern". So definiert die Internationale Standardorganisation (ISO) den Begriff im betriebswirtschaftlichem Sinn, schreiben Giuliano Bernard, Katharina Luban und Roman Hänggi über "Resilienz in der Theorie" (Seite 16).

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Stärkung der Resilienz in Unternehmen: Das Rapperswiler Resilienzmodell

Die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Resilienzbegriff in der Theorie und dessen gelebter Realität in 14 unterschiedlichen Branchen und 36 befragten Unternehmen und Organisationen zeigt ein klares Bild: Die Corona-Pandemie war ein Schock-Ereignis, dass alle Branchen vor große Herausforderungen gestellt hat.

Die Springer-Autoren verweisen darauf, dass diese sehr weit gefasste Definition, den entscheidenden Nachteil habe, "dass sich daraus keine Handlungsoptionen ableiten lassen, die sich von herkömmlichen Managementaufgaben unterscheiden". Sie leiten aus dieser Erkenntnis eine Definition des Begriffs ab, bei der es "in erster Linie um die Verarbeitung von mindestens außergewöhnlich widrigen Umständen, wenn nicht gar plötzlich auftretenden Schock-Ereignissen" geht.

Resilienz: Gestärkt nach dem Schock

So sehen es auch die Autoren der Studie "Deutschlands Mittelstand #2 - So meistern kleine und mittlere Unternehmen erfolgreich Krisen" des RKW Kompetenzzentrums. Sie definieren:

Resilienz ist die Fähigkeit eines Systems nach einem externen Schock in den Ausgangszustand zurückzukehren. Bezogen auf Organisationen wird unter Resilienz neben dem 'Aushalten' einer Krise inzwischen auch die Fähigkeit zur eigenen Transformation verstanden, um gestärkt daraus hervorzugehen."

Um zu ermitteln, was insbesondere den deutschen Mittelstand krisenfest macht, wurden im Wettbewerb "Großer Preis des Mittelstandes" die Jury-Fragebögen der 667 teilnehmenden Unternehmen 2021 mithilfe einer Textanalyse untersucht. Diese enthalten Angaben zu Personalpolitik, Alleinstellungsmerkmal, Kooperationen, Risikomanagement, Mitarbeiterförderung oder Führungskultur. Sechs Faktoren zeichnen resiliente Unternehmen demnach besonders aus, die sich aus den durchschnittlichen Profilen der Ausgezeichneten beim "Großen Preis des Mittelstandes" ergeben :

  • Bewusstsein für sich und die Umwelt (13 Prozent), 
  • Elemente der Stabilität (31 Prozent), 
  • Offenheit für Veränderung (18 Prozent), 
  • Flexibilität förderndes Verhalten (16 Prozent), 
  • Antrieb zu kontinuierlichem Wachstum (20 Prozent) und
  • ausgeprägte Leistungsorientierung (zwei Prozent).

Allerdings gibt es bei den Resilienzfaktoren je nach Unternehmensgröße Unterschiede. Während für kleinere Unternehmen mit einer Betriebsgröße von bis zu zehn Millionen Euro vor allem die Risikoerkennung, aber auch Chancen wahrzunehmen und Agilität, wichtig sind, um sich an dynamische Marktumfelder anzupassen, spielt bei mittelgroßen KMU (elf bis 50 Millionen Euro Umsatz) Stabilität die größte Rolle.

Die Awareness für Resilienz ist hingegen bei größeren Firmen mit einem Umsatz von über 51 Millionen Euro stark ausgeprägt, was sich wohl auch im höheren Professionalisierungsgrad des Risikomanagements widerspiegele. Zudem ist das Expansionsstreben relevant.

Krisenfester durch Führung

Um Resilienz im Unternehmen zu fördern, stehen natürlich auch die Führungskräfte in der Pflicht. Sie sollten vier Faktoren im Blick haben, die Springer-Autor Erich R. Unkrig im Interview mit Springer Professional wie folgt definiert: 

  1. verantwortungsvolle Einflussnahme, 
  2. eine auf gemeinsame Ziele ausgerichtete Führung, 
  3. Kohärenz, also die Zuversicht, dass Ereignisse vorhersehbar und erklärbar, Ressourcen verfügbar sind, um Anforderungen gerecht zu werden und als positive Herausforderungen zu verstehen sowie 
  4. mentale Stärke, also Resilienz plus Leistungsfähigkeit. Diese sind entscheidend, um durch eine fürsorgliche Führung die Richtung vorzugeben, erlebbare Werte zu schaffen, hohe Erwartungen zu formulieren und so die berechtigten Erwartungen aller Stakeholder in Einklang zu bringen."

Resilienz-Management in Krisenzeiten

Für Andreas Krämer und Thomas Burgartz kommt es auch drauf an, wie Unternehmen ihr Krisenmanagement aufstellen. Im Buchkapitel "Management nach der Corona-Krise: Fokus auf Ganzheitlichkeit" betonen sie, dass es unterschiedliche Krisen mit unterschiedlichen Komplexitätsgraden gebe. 

"Krisenmanagement als solches wird damit nicht als einheitliches Verfahren beschrieben, sondern vielmehr als Kombination von unterschiedlichen Herangehensweisen und Strategien, welche zur entsprechenden Krisensituation passen müssen." (Seite 30) Denn mit dem Wissen um die Natur einer Krise, lasse sich die Leistungsfähigkeit danach wiederherstellen, ohne nach der schädigenden Erfahrung wieder in den Ausgangszustand zurückzukehren. 

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