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28.07.2022 | Krisenmanagement | Im Fokus | Online-Artikel

Das Risiko Krieg hatten Unternehmen nicht auf dem Plan

verfasst von: Andrea Amerland

3 Min. Lesedauer
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Mit einigen Gefahren hatten Unternehmen 2022 gerechnet und ihre Krisenprävention entsprechend angepasst. Ein Krieg war allerdings nicht darunter. Firmen können mit Szenarioplanung und Datenmanagement dennoch resilienter werden.
 

Lieferengpässe, steigende Energiepreise und auch wachsende Cyber-Gefahren hatten Unternehmen aus den G20-Staaten dem Resilience Barometer 2022 des Beratungshauses FTI Consulting zufolge für dieses Jahr sehr wohl auf dem Schirm. Bereits bevor Russland seinen militärischen Feldzug gegen die Ukraine gestartet hat, nannten von rund 3.300 befragten Unternehmen weltweit 36 Prozent steigende Energiepreise als das größte wirtschaftliche Problem. Die zweitgrößte Sorge der Unternehmenschefs ist demnach die Inflation (32 Prozent).

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In den letzten Jahren hat sich die Digitalisierung in den Unternehmen mit weitreichenden Folgen deutlich beschleunigt. Ein Zielbild der Digitalisierung ist das selbstfahrende Unternehmen, das ein Höchstmaß an Automation kennzeichnet und deren Entscheidungen zumeist von Algorithmen getroffen werden. 

Energiepreise größtes Risiko für deutsche Firmen

Einen Krieg hatte zum Zeitpunkt der Befragung allerdings niemand der Befragten im Kopf, so Karsten Schulze, Vorstand von FTI-Andersch. "Nun verstärkt der Krieg jedoch die Krisenszenarien, die Unternehmen schon im Vorfeld für das laufende Jahr prognostiziert hatten." 

Zu den Gefahren, mit denen Unternehmen bereits vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs gerechnet hatten, gehören:

  • die fehlende Bewältigung der Klimakrise (26 Prozent), 
  • Cyber-Attacken (24 Prozent), 
  • Sanktionen und Zölle, die den Export erschweren (23 Prozent) und 
  • eine mögliche Eskalation der Beziehungen zwischen den USA und China (23 Prozent). 

In Deutschland trieben die Befragten vor allem die steigenden Energiepreise (37 Prozent) um. Die Möglichkeit einer steigenden Inflation hatten allerdings nur 24 Prozent der deutschen Befragten als Befürchtung genannt (weltweit: 32 Prozent). Auch unterbrochene Lieferketten und der Fachkräftemangel bereiteten laut Studie Sorgen. 

Investitionen vor allem in Cyber-Abwehr

Um sich gegen diese Risiken zu wappnen, haben Firmen in Cyber-Abwehr (44 Prozent), Maßnahmen gegen Betriebsunterbrechungen (Business Continuity Management, 43 Prozent), die Identifikation von Krisen und möglichen präventiven Maßnahmen, die Vorbereitung der Unternehmensleitung darauf (40 Prozent) und regelmäßige Prüfung der Lieferketten (37 Prozent) investiert. 

Allerdings sind viele deutsche Unternehmen trotz Krisenprävention bereits durch die Pandemie angeschlagen. Laut Studie waren zu Jahresbeginn lediglich 50 Prozent wieder auf Wachstumskurs, 33 Prozent konnten nur das Niveau ohne Expansion halten und 17 Prozent mussten mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen.

Nach Einschätzung von Karsten Schulze werden diejenigen Unternehmen, die durch Szenario-Analysen auch das Stagflationsrisiko für 2022 berücksichtigt haben, besser durch das Geschäftsjahr kommen. Alle anderen rät er, dies noch nachzuholen, statt in Schockstarre zu verfallen. 

Digitales Datenmanagement macht resilienter

Doch analoge Unternehmen haben kaum eine Chance, resilient zu werden, schlussfolgert Achim Röhe in der Zusammenfassung seines Buches "Das resiliente Unternehmen – Die Krisen der Zukunft erfolgreich meistern" anhand von Fallbeispielen. Existieren weniger als 80 Prozent der Daten digital, um sie einer softwarebasierten Analyse zugänglich zu machen, können Unternehmen per se nicht resilient werden, da Daten nicht schnell genug ausgewertet werden können. Denn "für selbstfahrende Unternehmen ist es unumgänglich, dass entscheidungsrelevante Fakten zur Maßnahmeerhebung gegen schädigende Ereignisse mess- und quantifizierbar sind. Bauchgefühle haben dort keinen Raum." (Seite 189) 

Unternehmen, die widerstandfähiger werden wollen für die Herausforderungen der Zukunft, kommen also nicht umhin, in ein gezieltes digitales Datenmanagement zu investieren. Ein möglicher Ansatzpunkt ist hierbei Robotic Process Automation, kurz RPA, erklären Roman von Burg und Kim Oliver Tokarski im Open-Access-Buchkapitel "Resilienz durch kontinuierliche Prozessoptimierung" auf Seite 184.

Die Nutzung von RPA resp. Bots ist vor allem bei Prozessen sinnvoll, bei denen regelmäßig große Datenmengen manuell erfasst oder mutiert werden müssen. Die Einsatzmöglichkeiten von RPA gehen jedoch über die reine Datenverarbeitung hinaus. Kombiniert mit Modellen der Künstlichen Intelligenz können Softwareroboter auch manuelle Entscheidungsprozesse automatisieren, beispielsweise die Verarbeitung von Störungsmeldungen. Menschliche Ressourcen kommen erst dann zum Einsatz, wenn manuelle Eingriffe erforderlich sind."


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