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23.06.2020 | Krisenmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Unternehmen nach Corona durchstarten

Autor:
Annette Speck
4 Min. Lesedauer

Die Corona-Krise krempelt Geschäftsmodelle, Strukturen und Prozesse von Unternehmen um. Zentrale Themen sind unter anderem die gelungene virtuelle Führung im Homeoffice, das Kostenmanagement und gezielte Investionen.

Während unklar ist, wie lange die Corona-Pandemie die Welt noch in Atem hält, stellt sich für Unternehmen die Frage, wie es für sie nun weitergeht. Diverse Untersuchungen analysieren die Situation und geben Hinweise für ein Gelingen des "Neustarts". Die Studie "#NextLevel Digital" der Strategieberatung The Nunatak Group kommt einmal mehr zu dem Schluss, dass die Krise die Digitalisierung maßgeblich vorantreibt und die Kunden mehr denn je in den Mittelpunkt rücke. 

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Allerdings sehen die 230 befragten Entscheider aus umsatzstarken deutschen Firmen noch großen Handlungsbedarf bei der Digitalisierung. Rund zwei Drittel nennen hier insbesondere die Bereiche Datenstrategie, digitale Geschäftsmodelle, digitale Produkte und Dienstleistungen sowie operative Prozesse. Die Transformation beginne an der digitalen Kundenschnittstelle und müsse sich über die gesamte Wertschöpfungskette der Unternehmen erstrecken.

Langfristige Stabilität nach Covid-19 als Ziel

Die Unternehmensberatung Bain & Company stellt ihrer Analyse "Back to Work" die Erkenntnis voran, dass aktuell gut die Hälfte der Arbeitnehmer in den größten Industriestaaten der Erde um ihre Jobs fürchten. Der Wirtschaft muss es daher gelingen, die Betriebe wieder hochzufahren, Arbeitsplätze zu sichern und dabei die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. "Statt auf kurzfristige Effizienz gilt es, auf langfristige Stabilität zu setzen. Statt straffer Top-down-Führung ist dezentraleres Agieren angesagt. Und anstelle starrer Periodenplanung ist eine kontinuierliche Marktbeobachtung gefragt", erklären die Studienautoren. Die geringe Planungssicherheit fordere den Unternehmen große Agilität ab. Hilfreich seien hierbei agile Teams in allen Geschäftsbereichen, die schnell auf sich verändernde Situationen reagieren.

Das in der Pandemie-Zeit vielerorts etablierte Homeoffice und die flexiblen Arbeitskonzepte werden wohl Bestand haben. Die damit verbundenen neuen Anforderungen an Technik und Kommunikation verändern auch die Unternehmenssteuerung. Von Vorteil sind deutliche Einsparpotenziale bei Flächenbedarf und Raumkosten. Dem stehen allerdings zusätzliche Investitionen bei der Ausstattung der Heimarbeitsplätze gegenüber.

In der Krise Kosten reduzieren oder investieren?

Dass angesichts der durch den Lockdown verursachten wirtschaftlichen Probleme für viele Firmen derzeit die Kosten im Mittelpunkt stehen, ist nachvollziehbar. Doch die Unternehmen müssten auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Einsparungen und Investitionen achten, damit sie später nicht abgehängt werden, warnt Thomas Faltin, Experte für Organisationsentwicklung beim Beratungsunternehmen Korn Ferry. Anlass sind die Untersuchungsergebnisse des "2nd Pulse Survey on Impact of Covid-19 on Rewards & Benefits", für den Korn Ferry im April 2020 rund 4.000 Firmen weltweit (45 in Deutschland) zu den Auswirkungen der Pandemie auf Management und Vergütung befragte.

Demnach gehen 69 Prozent der Befragten von einem niedrigeren Jahresumsatz als im Vorjahr aus und jedes fünfte Unternehmen rechnet mit einer Restrukturierung. Wenig erstaunlich also, dass 47 Prozent sagen, sie würden nach der Krise strenge Disziplin im Kostenmanagement walten lassen. So will jedes dritte Unternehmen insbesondere die Personalkosten "flexibler gestalten". Tatsächlich zeichnen sich bereits Gehaltskürzungen vor allem im Top-Management ab, während ansonsten auf allen Ebenen Gehälter eingefroren werden.

Progressive Firmen sind in Krisen erfolgreicher

Ein Blick auf frühere Krisen kann bei der Einschätzung helfen, welche Maßnahmen am erfolgversprechendsten sind. Schließlich mussten in jeder dieser Krisen Firmen ihren Weg zwischen Insolvenz, Schrumpfung und Re-Start finden. In dem Buchkapitel "Aus der Krise an die Spitze: Wie machen es erfolgreiche Krisengewinner?" beleuchtet Hanno Goffin verschiedene Vorgehensweisen und stellt fest: "Der Arbeitsplatzbau in Form größerer Downsizing-Maßnahmen verbessert im Allgemeinen nicht die wirtschaftlich kritische Situation in der Krise." (Seite 49) Denn hieraus entstünden oft eine Reihe von Folgeproblemen.

Laut des Springer-Autoren zeigt die Untersuchung erfolgreicher wie erfolgloser Sanierungen, "dass die klassischen Herangehensweisen – Effizienzsteigerung zur Stabilisierung, gefolgt von strategischem Wandel – für eine Unternehmenssanierung nicht ausreicht." (Seite 52) Der Erfolg ergebe sich vielmehr aus den Synergieeffekten zwischen gleichzeitigen Kostensenkungs- und Wachstumsmaßnahmen. Goffin identifiziert in seiner Analyse vier Strategietypen mit unterschiedlich hoher Erfolgswahrscheinlichkeit:

Unternehmensstrategie

Erfolgswahrscheinlichkeit

Progressiv

37 Prozent

Pragmatisch

29 Prozent

Expansiv

26 Prozent

Präventiv

21 Prozent

Quelle: Hanno Goffin, Seite 56

Darüber hinaus leitet er aus seinen Studienergebnissen drei grundlegende Handlungsempfehlungen für Unternehmen ab:

  1. Strategie hat Vorrang
  2. Gläubiger früh ins Boot holen
  3. Ein Sanierungsteam einsetzen

Soft Skills in der Führung wichtiger denn je

Gleichzeitig muss die Führung in der Lage sein, den Change intern glaubhaft zu kommunizieren. Denn Kommunikationskompetenz ist ein wesentlicher Aspekt der erhöhten Anforderungen an Führungskräfte – erst recht in Zeiten flexibler Arbeitsmodelle. So sagen in der Korn-Ferry-Befragung auch 42 Prozent der befragten Unternehmen, das persönliche Gespräch werde künftig als Führungsinstrument eine zentrale Rolle spielen. Ein Drittel glaubt, ihr Betrieb müsse Mitarbeitermotivation und  -engagement stärker in den Fokus nehmen. Und ein Drittel setzt hierfür neue/verbesserte Soft Skills ihrer Führungskräfte voraus.

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