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21.05.2019 | Krisenmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Zentrale Krisenstelle schützt Unternehmen vor Notlagen

Autor:
Anne Steinbach

Krisenmanagement ist ein Thema, das vielen Unternehmen Kopfzerbrechen bereitet. Eine Studie zeigt, worum sich Manager in Krisenzeiten ganz besonders Sorgen machen - und wie Krisen dennoch umgangen werden können.


Die Studie "Wie Unternehmen Krisen managen" wurde von der EBS Law School und der Kanzlei Noerr 2018 realisiert. Für die Studie wurden 200 Interviews mit Führungskräften geführt, die in privatwirtschaftlichen Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern tätig sind. 72 Prozent der Großunternehmen waren demnach in den letzten zwei Jahren von mindestens einem Krisenfall betroffen.

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2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Krisenmanagement und Sicherheitsanalyse

Die Sicherheitsanalyse ist eine Erfassung mit anschließender Bewertung des Istzustandes und sollte in jedem Fall vor dem Eintritt einer Krisensituation auf dem Tisch liegen. Das Krisenmanagement beginnt nach Eintritt eines bestimmten Risikos.

 

Operative und Compliance-Risiken am häufgisten

Laut der Studie stellen Datenschutzverstöße das größte Risiko für Unternehmen dar. Das liegt vor allem an der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 eingeführt wurde.

Zu den häufigsten Krisenherden gehören:

  • Datenschutzverstöße (48 Prozent)
  • Cyber-Security-Vorfälle (47 Prozent)
  • Operative Risiken (43 Prozent), wie zum Beispiel Versagen technischer Einrichtungen oder betrieblicher Verfahren
  • Naturkatastrophen (40 Prozent)
  • Verstöße gegen die internen Sicherheitsbestimmungen (33 Prozent)

Wenig interessant sind für die befragten Unternehmen jedoch Probleme, wie Steuerhinterziehungen, Geldwäsche oder aber Umweltverstöße. Das liegt vor allem daran, dass diese Probleme in den befragten Unternehmen selten bis gar nicht auftreten. Laut der Studie waren es in den letzten zwei Jahren vor allem arbeitsrechtliche Konflikte (41 Prozent) und Cyber-Security-Vorfälle (36 Prozent), die zu Krisen führten. So war jedes fünfte Unternehmen in den letzten zwei Jahren von staatsanwaltlichen und aufsichtsbehördlichen Ermittlungen betroffen.

Die Folgen einer Krise 

Neben der Verschlechterung des Unternehmensimages, sind es vor allem Umsatzverringerungen und Bußgelder, die Firmen durch eine Krise zu fürchten haben. Für rund 50 Prozent der befragten Unternehmen stehen krisenähnliche Situationen für Umsatzverringerungen. Damit gelten verlorene Umsätze als die Hauptauswirkung von Krisen auf Unternehmen. "Vor allem mit der Verschlechterung des Unternehmensimages und der Abwanderung qualifizierter Mitarbeiter bergen Krisen daneben aber auch häufig langfristiges Schadenspotenzial", heißt es in der Studie weiter.

19 Prozent der befragten Unternehmen gibt zudem an, innerhalb der Krise ein Bußgeld gezahlt zu haben. Hierbei sei aber die "absolute Belastung angesichts einer zunehmend umsatzabhängigen Bemessung der Geldbußen als dennoch hoch einzustufen", heißt es in der Studie. Eine "vergleichsweise geringe Bußgeldsensibilität" der Unternehmen erstaune deshalb. Das Unternehmen Paribas musste beispielsweise innerhalb einer Krise ein Bußgeld in Höhe von 8,9 Milliarden Euro zahlen. 

Was ist Krisenmanagement?

Die Wichtigkeit von Krisenmanagement in Unternehmen wird weiterhin unterschätzt. Dabei liegen die Schäden einer Krise, die schon durch kleine Datenschutzverletzungen geschehen kann, in riesigen Höhen.

Die Springer-Autoren Christian Schawel und Fabian Billing definieren im Buchkapitel "Krisenmanagement" aus dem Buch "Top 100 Management Tools" den Begriff Krisenmanagement wie folgt:

"Krisenmanagement umfasst die grundsätzliche Prävention, Erkennung, Diagnose und Behebung von Unternehmenskrisen, um letztendlich die Insolvenz bzw. Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Je früher aktives Krisenmanagement ansetzt, desto höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit" (Seite 191).

Krisenmanagement: Chefsache?

Die Studie belegt, dass Unternehmen mit einer Abteilung für Krisenmanagement seltener von heftigen Krisensituationen betroffen sind. "Dies legt nahe, dass die Existenz einer solchen Koordinationsstelle auch eine krisenvorbeugende Wirkung erzielen könnte", heißt es in der Studie.

In drei von fünf Großunternehmen in Deutschland existiert eine unternehmensintern planmäßig angelegte Funktion oder Abteilung für Krisenmanagement. In zwei von fünf Unternehmen ist diese direkt dem Unternehmensvorstand unterstellt, in vier von fünf Unternehmen ist die Vorstandsebene zumindest personell beteiligt. Krisenmanagement ist damit in den allermeisten Unternehmen Chefsache.

Laut Springer-Autorinnen Ulrike Buchholz und Susanne Knorre ist dies im Falle einer Krise jedoch nicht förderlich. Im Buchkapitel "11. Krisenmanagement" aus dem Buch "Interne Kommunikation und Unternehmensführung" fassen sie folgendes zusammen:

Es geht vielmehr darum, Krisen situativ und durch konkretes Handeln zu bewältigen – ein Handeln im Sinne von Schadensreduzierung und Problemlösung, das weite Teile der Mitarbeitenden mit einbezieht. Dies ist schon deshalb notwendig, um zu vermeiden, dass für die Suche nach den Ursachen einer Krise nicht nur die Beobachtungen und Wertungen eines engen Führungskreises herangezogen werden (Seite 199).

Was sie damit meinen ist, dass im Falle einer Krise hierarchieübergreifend gehandelt werden muss – und eben nicht nur auf Chefebene. Auch das Fazit der Studie unterstreicht, dass es wichtig ist, die richtigen Anreize zu senden und die Leistungsziele eben nicht zu hoch zu stecken, um im richtigen Moment die Gefahr zu erkennen.

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