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19.01.2023 | Krisenmanagement | Nachricht | Online-Artikel

Modernisierung der Wirtschaft trotz Krise vorantreiben

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

3:30 Min. Lesedauer
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Es ist ein Aufatmen, wenn auch nur ein leichtes: Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband geht bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturprognose nicht von einem harten Aufprall der deutschen Wirtschaft aus. Dennoch warnt der Verband vor Sorglosigkeit und fordert die Transformation der Wirtschaft.

"Wir glauben, dass wir gut über den Winter kommen. Der deutsche Mittelstand ist sehr robust aufgestellt. Deshalb sehen wir derzeit keine Insolvenzwelle. Die Auftragsbücher sind noch gut gefüllt", mit dieser Aussage leitete Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), die Präsentation der aktuellen Konjunkturprognose für 2023 ein. Noch vor einem Jahr hatte der Verband eine positive Einschätzung für das neue Jahr abgegeben. Unter anderem der Ukraine-Krieg, die Inflation, die andauernden Lücken in den Liefer- und Warenketten sowie die Herausforderungen der Flüchtlingsströme haben ihr Spuren hinterlassen. 

Inflation bleibt Deutschland vorerst erhalten

"Wir erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,8 Prozent schrumpfen wird", so Schleweis. Deutschland werde auch in diesem Jahr mit hohen Teuerungsraten leben müssen, die sich erst 2024 abflachen werden. "Für 2023 rechnen wir in Deutschland mit einer Inflation im Jahresdurchschnitt von acht Prozent. Für 2024 prognostizieren unsere Chefvolkswirte 3,5 Prozent, so der DSGV-Chef. 

Insbesondere müsse die Europäische Zentralbank (EZB) nun die begonnene Zinswende fortführen, die allerdings zu spät eingeleitet worden sei. Die Sparkassen-Finanzgruppe habe sich eine behutsamere Kurskorrektur gewünscht. Man habe viele Jahre lang vor den Folgen der Niedrig- und Negativzinspolitik gewarnt und die EZB mehrfach aufgefordert, sich frühzeitiger und flexibler auf die geldpolitische Wende vorzubereiten. "Dass der Druck jetzt nicht voll auf die ganze Volkswirtschaft durchschlägt, sondern abgepuffert wird, ist der langfristig angelegten Finanzierungskultur in Deutschland zu verdanken", betont Schleweis.

Krise ist noch nicht vorbei

Dennoch warnt er: "Die Krise ist nicht vorbei." Zugleich hebt der DSGV-Präsident die Stärke Deutschlands hervor, mit der aktuellen Entwicklung umzugehen. So habe die Regierung auf die stark gestiegenen Energiekosten mit Veränderungen bei der Energieproduktion und -beschaffung, sowie mit Transfers und Preisbremsen reagiert. "Wenn wir weiter entschlossen einsparen und der Winter mild bleibt, können wir auf eine weitere Entspannung hoffen." Zudem sei der Stimmungstiefpunkt der deutschen Wirtschaft überwunden und der Arbeitsmarkt robust. "Von Rezession ist hier nichts zu merken", so Schleweis. 

Hilfreich ist laut Dekabank-Chefvolkswirt Ulricht Kater derzeit auch die relativ milde Witterung, die zu der von der Politik gewünschten Energieeinsparung von 20 Prozent geführt hat. Fallen die Temperaturen allerdings deutlich ab, so werde diese Marke kurzfristig auch gerissen. Obgleich vor allem einkommensschwache Haushalte von der hohen Inflation betroffen sind und Planungsunsicherheiten private Investitionen behindern, sei der Konsum insgesamt nicht übermäßig gesunken. Ausgleichend wirken hier zum Teil staatliche Gegenmaßnahmen wie die Gas- und Energiepreisbremse sowie der robuste Arbeitsmarkt. "Dies sind wichtige Schlüssel, um die Nachfrage der privaten Haushalte in Deutschland stabil zu halten." 

Tiefgreifende Strukturveränderungen erforderlich

Das ganze Land müsse sich laut Schleweis nun modernisieren und nachhaltiger aufstellen, um auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort zu bleiben. Die Notwendigkeit der ökologisch-ökonomischen Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit sei unbestritten. Daher seien "tiefgreifende Strukturveränderungen in der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft jetzt zügig vorangetrieben werden", fordert der Verbandschef. Um eine Deindustrialisierung zu verhindern, "müssten die Energiekosten dauerhaft und wirksam begrenzt werden". Langfristig sei dies nur durch eine kraftvolle Energiewende hin zu regenerativen Energien möglich, so Schleweis. "Wir brauchen deshalb massive Investitionen in die ökologische Transformation der Wirtschaft, in die Digitalisierung unserer Gesellschaft und in die Infrastruktur." 

Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht, seien jedes Jahr Investitionen in Höhe von 115 Milliarden Euro nötig. "Das ist eine gewaltige Summe. Institutionelles Kapital ist ebenso nötig wie privates", so der DSGV-Chef. Das biete aber insbesondere mittelständischen Unternehmen Chancen durch die Herstellung klimafreundlicher Produkte und Umsetzung nachhaltiger Projekte. Als wesentlichen Aspekt der Transformation sieht der Verband die energetische Sanierung, um langfristiges Energiesparen zu ermöglichen. Der Verband plädiert daher für "kraftvolle Förderprogramme" als Anreiz.  

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