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07.11.2017 | Krisenmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Krisenfest und resilient durch Digitalisierung?

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Stark digitalisierte Unternehmen, so behaupten Mannheimer Wirtschaftsforscher, sind besser gegen Krisen gewappnet. Doch wie erlangen Unternehmen die nötige digitale Reife, um ihre Prozesse robust und wettbewerbsstark zu gestalten?

Die Natur macht es vor: Um widrige Umstände unbeschadet zu überstehen, müssen sich manche Organismen zwar verformen, dauerhaft deformiert bleiben sie aber nicht. Im Gegenteil, den Umwelteinflüssen halten sie stand, indem sie auf ihre spezifischen Eigenschaften vertrauen. Das dient zunächst dem Erhalt und dann dem Fortbestand. Nach dem Unwetter etwa reckt sich die hochbiegsame Bambuspflanze wieder kerzengerade auf und gedeiht ungehindert drauflos, während es die Fichte im gleichen Garten umgeknickt und angehoben hat. Resilienz ist also die Fähigkeit eines Systems, nach Störungen wieder in den Urzustand zu gelangen. 

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Prozessorientierung

Wir haben bereits die Prozesse optimiert und Wertströme eingeführt, die Produkte und Prozesse standardisiert und modularisiert, selbststeuernde Regelkreise etabliert und auch unsere Prozesse laufen stabil. 

Flexibilität schützt vor Fragilität

Aus der Materialwirtschaft hat es den Begriff über die Soziologie und Psychologie in die Managementliteratur verschlagen. Organisationale Resilienz ist nach Springer-Autor Gregor Paul Hoffmann "das komplexe Ergebnis aus Ressourcen, Kompetenzen und Performanzen", mit dem eine Organisation sich wechselnden Situationen angemessen anpassen kann und so dauerhaften Bestand und Weiterentwicklung erzielt (Seite 27). Bewiesen haben das in den Jahren der Finanzkrise vor allem Unternehmen mit einem hohen Digitalisierunggrad, wie die StudieICT and Resilience in Times of Crisis des Mannheimer ZEW (Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung) belegt. 

Für ihre Erhebung haben die Wissenschaftler Daten der Jahre 2001 bis 2010 aus zwölf EU-Ländern und sieben Industrien analysiert. Unternehmen, die in den Jahren 2007/2008 bereits stark stark digitalisiert waren, waren von der Finanzkrise weniger betroffen als gering digitalisierte Unternehmen. Ihr Produktionsniveau und Wachstum konnte sich in den Jahren der Krise stabil halten. Besonders trifft das auf den Dienstleistungssektor zu. Die Auswertung zeigt ebenfalls: Unternehmen, die bereits in digitale Technologien investiert hatten, konnten erfolgreichere Prozessinnovationen realisieren und mit diesen neuen, effizienteren Abläufen, Kosten einsparen.

ICT-intensive firms are better able to adapt their production processes through process innovations in times of crisis thereby increasing their resilience and ensuring a higher competitiveness relative to less ICT-intensive firms." (Bertschek, Irene ed al, ZEW Discussion Paper No. 17-030)

Wie das Individuum so die Organisation

Es ist das Unbekannte, das stresst, das Unkalkulierbare. Resiliente Systeme reagieren darauf mit Anpassung und Neuausrichtung. Langfristig macht sie das robust genug, um auf jede neue Belastungssituation mit Lösungen jenseits der erlernten Handlungsspielräume zu reagieren. Unternehmen sind Organismen. Aus den Resilienzfaktoren für Individuen lassen sich nach Meinung von Springer-Autor Karl Kaz organisationale Resilienzfaktoren ableiten. In "Resilienz ergänzt Effizienz in der Unternehmensführung" nennt er die Dimensionen organisationaler Resilienz (Seite 50):

  • Diversität
  • Einfallsreichtum
  • Robustheit
  • Antizipation
  • Ausdauer

Die Leiterin des Forschungsbereichs "Digitale Ökonomie" am ZEW, Irene Bertschek, rät Unternehmen dazu, in digitale Technologien zu investieren und diese auf clevere Art und Weise einzusetzen. Dann seien sie eher in der Lage, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und Krisenzeiten zu überstehen. Doch verträgt jedes Unternehmen den beherzten Griff in die Digitaliserungskiste gleichermaßen gut? Was ist clever und was braucht es außerdem, um gleichermaßen robust und wettbewerbsfähig in guten wie in schlechten Zeiten auf dem Markt zu bestehen? 

Springer-Autor Bodo Wiegand warnt davor, den Wertschöpfungsprozess ohne die nötige digitale Reife steigern zu wollen. "Haben sie die Prozesse nicht optimiert, digitalisieren sie Verschwendung. Haben Sie die Prozesse nicht stabilisiert, hilft die Digitalisierung dieser störungsanfälligen Prozesse wenig" (Seite 5). Das Resultat: Werden funktionsorientierte Unternehmen unvorbereitet in die Digitalisierung geschickt, geraten die Prozesse instabil und verschwenderisch.

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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